Silent Hunter Online: Ein Besuch in der Beta

Von Christian Heldmaier am 7. März 2016 in Artikel, News

Ab Mitte der neunziger Jahren erfreuten sich U-Boot-Simulationen einige Zeit großer Beliebtheit. Neben Titeln wie Aces of the Deep, hatte hieran vor allem die Silent Hunter Reihe einen großen Anteil. Doch seit dem von Qualitätsmängeln geplagten Silent Hunter 5: Battle of the Atlantic wurde es ruhig um die Seewölfe. So befindet sich auch das Free2Play Browserspiel Silent Hunter Online seit nun zweieinhalb Jahren fast unbemerkt in der offenen Beta-Phase. Wir sind für euch auf Seerohrtiefe gegangen um festzustellen, ob sich eine Feindfahrt für echte Seebären lohnt.

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Eure Mission
Das Szenario des Spiels ist im Zweiten Weltkrieg angesiedelt. Hier schlüpft der Spieler in die Rolle eines deutschen Kaleun (Kapitänleutnant) zur See. Allerdings obliegt uns nicht nur das Kommando über ein einzelnes Boot, sondern wir können unsere Flotte kontinuierlich erweitern. Zu Anfang stehen uns zwei noch recht einfache Boote des Typs II A und II B zur Verfügung. Ein dritter Liegeplatz steht zur Erweiterung unserer kleinen Flotte jedoch bereits bereit. Eine echte Geschichte, oder tief gehende historische Hintergründe zur Rolle der U-Boote im Zweiten Weltkrieg, hat das Spiel bisher nicht zu bieten. Unsere Karriere nimmt in der Nordsee ihren Anfang. Ausgehend von der U-Boot-Basis in Wilhelmshaven gehen wir hier auf die Jagd nach britischen Konvois um den Nachschub der Kriegsgegner zu stören.

Auf See gilt es nach und nach verschiedene Operationen zu Unterstützen, welche sich wiederum aus mehrere Missionen zusammensetzen. Wir müssen feindliche Konvois möglichst unbemerkt auszuspähen, wichtige Ziele identifizieren und natürlich so viele feindliche Schiffe versenken wie nur möglich. Hierbei können wir entweder alleine oder gemeinsam mit anderen Spielern im „Wolfsrudel“ agieren.

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Kapitän auf der Brücke
Euer Kommando führt ihr von zwei Positionen aus. Während Überwasserfahrten kann das Boot vom Turm aus gesteuert werden. Von hieraus behaltet ihr mit dem Fernglas eure Umgebung immer im Auge. Viel wichtiger ist jedoch der Kommandoraum im Bootsinneren, denn hier findet ihr euer wichtigstes Werkzeug: das Periskop. Über das Periskop schaltet ihr verschiedene Ziele auf, die ihr anschließend von euren Offizieren identifizieren oder auch ins Visier nehmen lassen könnt. Hier bewässert ihr eure Torpedorohre und gebt den Befehl zum Abschuss. Natürlich stehen euch auch noch weitere Instrumente zur Steuerung zur Verfügung. Mit nur einem Tastendruck kann jeweils der Befehl zum Auftauchen, Nottauchen oder für Seerohrtiefe gegeben werden. Auch Geschwindigkeit und Kurs lassen sich über Bedienelemente manuell regeln. Für die Navigation im Zielgebiet steht eine taktische Karte bereit, in der gesichtete Kontakte verzeichnet werden, und auf der wir unseren Abfangkurs durch das Setzen von Wegpunkten vorausplanen können.

Eine zentrale Rolle bei der Führung unseres Bootes nehmen auch die bereits erwähnten Offiziere ein, denen wir über ein Drop Down-Menü Befehle erteilen. Dieses Team setzt sich aus dem Waffenoffizier, Wachoffizier, Leitenden Ingenieur, Navigator, Horcher und Funker zusammen. Jeder von ihnen verfügt über individuelle Fähigkeitsstufen, die sich auf ihr Können auswirken und bietet eine ganze Reihe von Aktionen die sie für uns ausführen können.

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Flotten-Management
Euch obliegt nicht nur das Kommando auf hoher See, auch im U-Boot Bunker müsst ihr euer Geschick als Kommandant beweisen. Und so steht vor jeder Feindfahrt erst einmal eine gute Vorbereitung. Im Bunker werden Vorräte aufgestockt, Reparaturen und Verbesserungen am Boot vorgenommen und auch die Mannschaft verwaltet. Bessere Offiziere können angeheuert oder bestehende befördert werden, um die Effektivität eurer Mannschaft zu erhöhen.

Um euer Boot auftanken und mit neuer Munition versorgen zu können, gilt es zunächst die entsprechenden Vorräte zu beschaffen. Dem Spieler steht hierzu ein Depot zur Verfügung, dass er über einen Shop füllen kann. Dieser zunächst etwas überflüssig wirkende Zwischenschritt ist nötig, da das Depot nicht über ausreichend Lagerkapazität verfügt um alle im Shop angebotenen Arten von Torpedos und anderen Verbrauchsmaterialien vorrätig zu halten.

Die Waren im Shop gibt es zudem nicht umsonst. Als Bezahlung dienen entweder Prestigepunkte, die wir für unsere Erfolge auf See erhalten, oder die Premiumwährung, Credits. Letztere kann nur in geringer Menge durch Missionen gesammelt werden und muss daher bei größerem Bedarf für echtes Geld zugekauft werden. Eine Grundversorgung lässt sich über Prestigepunkte gewährleisten, doch wer höchste Ansprüche an Material und Mannschaft stellt, kommt an der Premiumwährung kaum vorbei.

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Premiumwährung = Pay2Win?
Wie die meisten Spiele die auf einem Free2Play Modell basieren verfügt auch Silent Hunter Online über eine Premiumwährung, mit der wir uns zahlreiche Vorteile erkaufen können. So können wir Wartezeiten vermeiden, bessere Offiziere anheuern, besonders gute Torpedos erwerben, mehr Liegeplätze für unsere Boote kaufen, den Platz in unserem Depot erweitern und und und… .

Ein neuer Liegeplatz schlägt beispielsweise mit 1500, ein Top-Offizier mit ca. 1.100 Credits zu Buche. Ein Premium-Torpedo kostet uns zwischen 5 und 50 Credits und wer die besten Bauteile für seine U-Boote haben möchte, muss sich je nach Boots-Typ auf Kosten von mehreren hundert Credits pro Teil einstellen. Diese Credits lassen sich zwar in geringer Menge auch durch das Abschließen von Missionen erspielen, wer aber wirklich ein erstklassiges Boot sein eigen nennen will, wird um einen Zukauf nicht herumkommen. Hierbei gilt je mehr, umso „günstiger“. Das kleinste Paket mit 1.300 Credits ist für 4,99€ zu haben (1 Cent = 2,6 Credits) . Für das mit 37.500 Credits größte Paket werden 99,99€ fällig (1 Cent = 3,7 Credits).

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Optik ist nicht alles, aber…
Einen hohen grafischen Anspruch kann man an ein Browserspiel nicht stellen, doch bei einer Traditionsreihe drängt sich der Vergleich mit bereits erschienenen Titeln praktisch auf. Und hier zeigt Silent Hunter Online die größten Schwächen. Denn selbst im Vergleich mit dem bereits 10 Jahre alten Silent Hunter III (für ca. 5,-€ erhältlich) kann die Browservariante nicht bestehen. Keine Außenansicht, zweidimensionaler Kommandoraum, keine Verfolgungskamera für Torpedos und auch die Schiffsmodelle wirken wenig detailliert . Selbst die Vertonung des Spiels fällt eher zweckmäßig aus. Wo in alten Teilen noch Befehle durch das Boot hallen, gibt es in der Browservariante bislang kaum mehr als ein Flüstern im Hintergrund zu hören. Schade. Hier leidet die Atmosphäre im Vergleich merklich.

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Was spricht für das Browserspiel und was dagegen?
Silent Hunter Online bietet im Wesentlichen die selben Spielmechaniken wie die alten Titel der Serie. Gleichzeitig hinkt es selbst den schon betagteren Teilen, die in Hinblick auf Grafik, Story und Atmosphäre deutlich mehr zu bieten haben, stark hinterher. Einzelspieler sind also mit dem Kauf eines älteren Spiels der Reihe tendenziell besser beraten. Denn neben der schwachen Grafik drosseln auch bekannten Systeme, mit denen Spieler zum Kauf von Premiumwährungen verleitet werden sollen, immer wieder den Spielspaß. Wartezeiten für Reparaturen, ein limitiertes Kontingent für Schnellreisepunkte und bessere, nur gegen Credits verfügbare Ausrüstungsgegenstände sind nur einige Beispiele. Schon für den Preis des kleinsten Credit-Paketes findet sich unter anderem im Steam Store der dritte Teil der Silent Hunter Reihe, der trotz seines Alters dem Browserspiel in nahezu jeder Hinsicht überlegen ist.

Doch trotz aller Schwächen bietet die Browservariante einige Vorteile, die nicht vergessen werden sollten. Insbesondere für das Spielen mit Freunden bietet sich die Free2Play Lösung an. Der integrierte Chat macht einen Austausch mit Gleichgesinnten möglich und gemeinsam jagt es sich auch gleich doppelt so gut. Von Vorteil ist auch die entfallende Installation. So kann das Spiel über praktisch jeden PC mit dem eigenen Account fortgesetzt werden.

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Vorläufiges Fazit
Nach dem aktuellen Stand der Beta zu urteilen ist Silent Hunter Online langfristig nur etwas für echte Teamspieler. Die vielen kleinen Restriktionen, mit denen Spieler zum Kauf einer Premiumwährung bewegt werden sollen und die Grafik, die an Spiele aus den frühen 90er Jahren erinnert machen das Spiel für echte U-Boot-Freunde und Einzelspieler nahezu uninteressant.

Dennoch hat mir meine kurze Feindfahrt viel Freude bereitet und die Lust auf U-Boot-Simulationen in mir wieder geweckt. Vor allem wer die alten Teile nie gespielt hat, sollte also ruhig einen Blick riskieren und auch alte Seebären können mit Silent Hunter Online durchaus einen schönen Abend verleben. Als kostenloses Angebot oder Spiel für nebenbei ist an Silent Hunter Online kaum etwas auszusetzen. Nur wer darüber nachdenkt Geld für sein Schiff auszugeben, sollte abwägen, ob er nicht mit einem richtigen Spiel besser bedient wäre.

Christian Heldmaier

Geschrieben von: Christian Heldmaier

Gelernter Mediengestalter und Master of Science in der Fachrichtung Publishing. Zertifizierter Social Media Manager mit Erfahrung im Verlagsmarketing und hauptberuflich derzeit im Webmonitoring tätig.

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