German Comic Con in Dortmund 2016

Von Tim-Oliver Siegwart am 9. Dezember 2016 in Artikel, News

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Zum zweiten Mal fand die German Comic Con in Dortmund statt. Bereits im vergangenen Jahr war der Andrang mit 30.000 Besuchern enorm. Für das Jahr 2016 sollte die Zahl mit vielen Stargästen noch übertroffen werden. Wie sich die Organisatoren vorbereitet haben und was für Zauberer, Orcs, Jedi-Ritter und Comic-Nerds geboten wurde, hat sich das Mighty Games Mag vor Ort angeschaut.

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Viele Stars haben sich in der Dortmunder Westfalenhalle eingefunden. Zu den Stargästen zählten David Hasselhoff, Pamela Anderson. Zur angekündigten Wiedervereinigung beider Stars kam es trotz Ankündigung allerdings nicht. Weitere Hollywood-Schauspieler wie die „Sons of Anarchy“-Stars Ron Perlman („Hellboy“) und Ryan Hurst („Gegen jede Regel“) waren vor Ort. Danny Glover („Lethal Weapon“), Daniel Portman („Game of Thrones“) und viele weitere Sternchen ergänzten das Line-Up. Zahlreiche nationale und internationale Comic-Künstler wie Marvel-Zeichner Aaron Lopresti oder Kinoplakat-Legende Enzo Sciotti zeichneten und signierten live. Ebenfalls präsentiert wurde der riesige Cosplay-Contest, bei dem das beste Kostüm prämiert wurde. Abgerundet wurde das abwechslungsreiche Programm u.a. durch zahlreiche Verkaufsstände, eine großflächige Filmbörse und Photopoints, an denen man sich z.B. mit einem DeLorean aus „Zurück in die Zukunft“ oder K.I.T.T. fotografieren lassen konnte sowie einem Weihnachtsmarkt im Innenhof. Im Laufe der dreitägigen Veranstaltung gab es viel positives und auch negatives zu berichten. Einfache Besucher, die durch die Hallen schlenderten, bekamen recht wenig von dem Ungemach derer mit, die erst garnicht anreisen konnten oder im Organisationschaos untergingen. Was lief aber eigentlich genau an jenem Samstag schief?

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Viel Schatten

Wer die sozialen Medien verfolgt hatte, bekam teilweise einen schrecklichen Eindruck von der Organisation. Besonders am Samstag schien nichts wirklich durchdacht zu sein. Zunächst versäumte es der Veranstalter, bei Minusgraden, das Gelände ausreichend zu streuen, sodass so mancher Besucher ins Rutschen geriet – zumindest jene die das Glück hatten und mit öffentlichen Verkehrsmitteln angereist sind. Eine kleine Kleinigkeit wurde hier der Location zum Verhängnis. Borussia Dortmund hatte ein Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach. Das bedeutet, dass nicht genug Parkplätze für die Comic Con zur Verfügung standen und sehr viele Besucher trotz gekauftem Ticket wieder abreisen mussten.

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Da die Terminierung der Bundesliga sehr kurzfristig geschieht, ist hier allerdings die Schuld nicht bei der German Comic Con, die seit über einem Jahr feststand zu suchen. Problematisch war für die Glücklichen mit Parkplatz, Hotelübernachtung oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln Angereisten dann allerdings der Einlass. Bereits eine halbe Stunde nachdem sich die Tore öffneten, reichte die Schlange bis weit hinter die Haltestellen. In klirrender Kälte auf vereistem Untergrund mussten sich Elfen wie Orcs gemeinsam im Pinguin-Gang zum Einlass durchwatscheln.

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Wurde schon das Borussenderby erwähnt? Stars wie David Hasselhoff und Pamela Anderson haben eine Sache gemeinsam. Nein nicht „Baywatch“ und auch nicht „Promi Big Brother“. Die Top Acts der German Comic Con in Dortmund sind erst ab Samstag bis Sonntag auf der Veranstaltung. Das bedeutet, dass sie auch erst an diesem Tag zusammen mit 30.000 Comic Con und 80.000 Fußballfans anreisen und im gleichen Verkehrschaos stecken bleiben. Vermutlich hätte hier nur Doc Browns fliegender DeLorean helfen können. Dieser stand allerding bereits aufgebaut in Halle 3B und somit kam zum Beispiel Pamela Anderson über 30 Minuten zu spät an. Damit stand der komplette Terminplan bereits auf dem Kopf. Die Informationen vor Ort für die Fans und Presse waren durchweg dürftig, falsch oder schlicht nicht vorhanden.

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Weiteres Ungemach gab es offensichtlich bei den Fotoshootings und Autogrammen. Das Gruppenfoto mit David Hasselhoff und Pamela Anderson wurde einfach gestrichen, eine verlässliche Auskunft, was mit bereits gekauften Buchungen passiert, gab es nicht. Aufgrund defekter Technik verschob sich dann auch noch das begehrte Ablichten mit David Hasselhoff um weit über eine Stunde mit dürftigem Informationsfluss. Zu allem Übel musste man für seine digitale Kopie des Fotos weitere zwei Stunden anstehen. Der Grund dafür ist so unglaublich wie schockierend: Jeder musste zusammen sein Bild oder seine Bilder aus allen an diesem Tag geschossenen Fotos aller Personen finden. Zum einen extrem ineffektiv, denn eine Bildnummer oder Ähnliches hätte hier einfache Abhilfe geschaffen, zum anderen natürlich ein datenschutzrechtlicher Albtraum.

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Die Messe endete offiziell um 18 Uhr, die Stände wurden abgedeckt uns so mancher, der ein halbes Vermögen für seine Fotos mit seinen Idolen ausgegeben hatte, kam erst gegen 20 Uhr aus dem Gelände. Bis zuletzt war nicht einmal klar, ob die Bilder des letzten Shootings vorhanden sein werden. Eine Auskunft darüber konnte von der Leitung bis kurz vor 19 Uhr nicht gegeben werden – also eine Stunde nach Ende der eigentlichen Veranstaltung und das auch nur an einzelne Personen. Von der Convention haben diese Gebeutelten im schlimmsten Fall recht wenig gesehen. Daher ist der Unmut in den sozialen Medien mehr als nur zu verstehen. Organisation, Planung und Service an zahlenden Kunden sieht anders aus.

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Wo viel Schatten, da auch Licht

Licht gab es definitiv auch mehr als genug auf der German Comic Con in Dortmund. Wer keine Fotos gebucht und eine stressfreie Anreise sein Eigen nennen konnte, dem Stand ein ungetrübter Tag in einer fantastischen Nerdwelt nichts im Wege. Geboten wurde dem Besucher einiges, unabhängig von seiner Fasson. Als Fan von Comics aus aller Welt durfte man sich über viele Zeichner freuen und ganz ungezwungen in den Dialog kommen, die neuesten Exemplare erwerben und auch direkt vom Schöpfer signieren lassen – ein Traum. Natürlich gab es auch eine allgemeine Comic-Börse auf der nach seltenen oder in der eigenen Sammlung fehlenden Exemplaren gestöbert werden kann. Außenstehende Leser dürfen sich hier gerne Howard, Ranjid, Lennard und Sheldon in Stewards Comic Book Store vorstellen – nur eben eine ganze Halle füllend.

German Comic Con Dortmund 2016

Ein wahres Highlight einer jeden Comic Con sind aber auch die Besucher selbst. In vielen Fällen sind sie die heimlichen Stars mit ihren Verkleidungen und Interpretationen vieler verschiedener Charaktere aus Büchern, Filmen, Comics und natürlich Computerspielen. Superhelden und Schurken geben sich hier friedlich die Hand. Zu den beliebtesten zählten dieses Jahr offensichtlich Joker, Batman, sowie Charaktere aus „Overwatch“ und „Star Wars“. Die Brücke der „Enterprise“ war überraschend wenig vertreten und musste sich sogar den „Hogwarts“ geschlagen geben. Bei den Damen gab es einen eindeutigen Trend zu „Harley Quinn“ aus dem Film „Suicide Squad“. Lara Crofts und Rey aus „Star Wars“ waren natürlich wieder zusammen mit der „501 German Garrison“ vertreten und wie immer bereicherten sie die Convention mit ihren grandiosen Kostümen. Erstmals dabei waren die „Ghostbusters“, die sich prächtig präsentierten. Auch die „Avengers“ waren stark vertreten und ließen sich bereitwillig ablichten.

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Wer damit nichts anfangen kann, der durfte sich zumindest an so manch knappen Kostümen erfreuen. Ein großer Bereich wurde der Filmbörse zugesichert. Hier konnte man Filme aus der ganzen Welt erwerben und viele Raritäten ergattern. Ganz groß durch Fox vertreten war natürlich die Serie „The Walking Dead“. Neben dem Batmobil, KITT und dem DeLoran aus zurück in die Zukunft gab es auch einige Gelegenheiten sich mit Zombies ablichten zu lassen – und wir reden hier nun wirklich nicht von den BVB-Fans auf dem Weg ins Fußballstadion!

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Auf den Showbühnen gaben sich die Stars die Ehre und sprachen über ihre zukünftigen Projekte, geplante Comic-Verfilmungen und natürlich wartete die Masse gespannt auf den Hauptact – David Hasselhoff. Dieser kam durch die etwas unglückliche Organisation zwar ordentlich zu spät, hatte die vollgestopfte Halle aber sofort mit einem „I´ve been looking for Freedom“ auf seiner Seite. Einige verrückte Fans, und das verrückt ist hier ausdrücklich positiv gemeint, haben sich die legendäre Blinkjacke seines Auftrittes beim Mauerfall zum Vorbild genommen und eigene angefertigt. Dies entging auch dem Meister wohlwollend nicht. Nach einiger Werbung für seine aktuellen Projekte durften die Fans auch Fragen an ihn stellen. Besonders gelungen war die Frage, ob er auch gedenkt die neue Mauer, die sein kommender Präsident errichten möchte, niedersingen wie 1989 und natürlich die Frage eines siebenjährigen Jungen, wie er seine Rolle in Spongebob fand. Danach ging es im Akkord weiter. Unter anderem wurden die besten Cosplayer auf der Bühne ausgezeichnet.

Neben all diesem Trubel gab es auch allerhand käuflich zu erwerben, und zwar definitv für jeden Geschmack. Von Rüstungen, Kleidern, T-Shirts, Hoodies, Raumschiffen, Autos, Postern, Schwertern, Zauberstäben… Die Liste ist schier unendlich und wir können lediglich von den Dingen berichten, die wir als Muggle sehen konnten. Auch für Gamer gab es mit Final Fantasy und Nintendo einiges zu erkunden, wenngleich auch die Retro-Gamer-Ecke aus dem letzten Jahr gestrichen wurde. Für das leibliche Wohl wurde vielerorts ausreichend gesorgt und es kam nicht wie im vergangenen Jahr zu unerfreulichen Engpässen.

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Fazit

Die German Comic Con Dortmund war mit 45.000 begeisterten Besuchern erneut ein Riesenerfolg und die Massen hatten ihren Spaß. Abgesehen von der teils chaotischen Organisation im Bereich der Planung und des Informationsflusses gab es eigentlich nur Positives mitzunehmen. Ein tolles, friedliches Event unter Nerds, die Hand in Hand feierten und Spaß an ihrer Leidenschaft hatten. Viele Besucher konnten sich ihren Kindheitstraum mit einem Foto oder Autogramm ihres Helden oder ihrer Heldin erfüllen.

Die German Comic Con konkurriert mit der Comic Con Germany um die Gunst der Besucher, wie wir bereits aus Stuttgart berichteten. Klarer Sieger ist hier der Kunde, dem mehrere Events angeboten werden und somit einer höheren Wahrscheinlichkeit der regionalen Nähe. Uns persönlich hat die Comic Con Germany in Stuttgart besser gefallen. Neben der besseren Organisation hatten wir gefühlt mehr Spaß mit der Location und dem Aufgebot. Das Schöne ist aber, dass beide Veranstaltungen sehr preiswert sind und sich somit ein Besuch auf jeden Fall lohnt. Ein Tipp: Besser vorher über die optimale Anreise informieren. 😉

Tim-Oliver Siegwart

Geschrieben von: Tim-Oliver Siegwart

Beim Mighty Games Mag der Mann für Hardware, Rennsimulationen und First Person Shooter. Mit dem 286er und MS-DOS aufgewachsen und das Internet auf seinen ersten Schritten begleitet. Beruflich in der Gamesbranche tätig.

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