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V-Rally 4

Von Tim-Oliver Siegwart am 24. Oktober 2018 in Review

Eine Rallye-Legende ist zurück. V-Rally 4 verspricht unkompliziertes Fahren und schnelle Rennaction. Ob der Angriff auf die Dirt-Serie gelingt oder ob die hohen Erwartungen auf der Strecke bleiben, erfahrt ihr wie immer hier beim Mighty Games Mag.

Hinter der Entwicklung von V-Rally 4 steht das französische Entwicklerstudio Kylotonn Games. Dieses zeichnet sich seit WRC5 für solide, arcadelastige Rallye-Spiele aus. Erfahrung im virtuellen Rennsport ist also massig vorhanden. V-Rally selbst ist ein schillernder Name aus den 90er Jahren. Damals läutete man mit dem Offroad-Racer ein ganzes Genre ein. Wenngleich die Fahrphysik quasi kaum vorhanden war, so wusste das Gameplay zu überzeugen und man konnte leicht über viele Mängel beim Realismus hinwegsehen. Später gab es sogar einen Strecken-Editor zum Entwerfen eigener Etappen. Nach 2002 wurde die Reihe bis heute eingestellt. Mit Colin McRae von Codemasters schob sich bereits damals der große Konkurrent an die Spitze. Da sich Dirt Rallye bei den Simulationen wohlfühlt, lautet das Duell V-Rally gegen Dirt 4.

 

Was bietet V-Rally 4?

Der Kofferraum des Arcade-Racers beinhaltet mehrere Spielmodi. Neben Hillclimb, Rallyecross, Buggy-Rennen und Extreme-Khana gibt es natürlich die klassischen Rallye-Etappen. Alle Spielmodi fahren sich theoretisch unterschiedlich und sollten somit ein abwechslungsreiches Gameplay bieten. Die wilde Jagd über Stock und Stein findet dabei auf allen Kontinenten, in 17 verschiedenen Ländern statt. Es gibt insgesamt 22 Grundstrecken, die im Karrieremodus verschiedene Layouts generieren, also ganz ähnlich wie schon bei Dirt 4. Einen Strecken-Editor gibt es leider nicht. Der Fuhrpark enthält ganze 51 lizenzierte Autos aus allen Epochen und verschiedenen Rennklassen. Im Karrieremodus müssen diese zunächst freigeschaltet, beziehungsweise gekauft werden.

 

Eine langweilige Karriere

Der gerade angesprochene Karrieremodus, im Spiel V-Rally Mode genannt, ist natürlich das Kernstück des Arcade-Racers. Eine Story gibt es nicht wirklich. Unsere Aufgabe besteht darin, Meister der fünf erwähnten Klassen zu werden. Das klingt nicht nur unspektakulär, es wird leider auch so präsentiert. Ohne roten Faden wechseln wir kreuz und quer nach eigenem Ermessen durch die verfügbaren Läufe auf der Weltkarte und müssen hin und wieder ein neues Auto kaufen, sollten wir noch keinen fahrbaren Untersatz für diese Disziplin besitzen. Das Geld dafür erhalten wir aus den Preisgeldern. Je stärker wir die KI einstellen, desto mehr Zählbares landet auf unserem Konto. Nennen wir es Gameplay-Charme der 90er oder einfallslose Low Budget Lösung. In beiden Fällen darf man heutzutage ein wenig mehr erwarten.

Zurück zum schnöden Mammon. Das Ersparte wird nicht nur in neue Autos investiert, im Laufe der Karriere wächst unser Team und wir scharen talentierte Mechaniker, welche unser Auto schneller reparieren und bessere Manager, die für bessere Events sorgen, um uns.

 

Der Spieler muss also erfolgreich sein, damit die Löhne bezahlt werden können. Vermutlich hätte dies ein taktisches Element sein können. In der Praxis stellt man die KI aber auf einen Wert, bei dem man sicher um den Sieg fährt. Die Gegner haben nicht nur keine greifbare Persönlichkeit, sodass sich keine Rivalität entwickelt, sie fahren auch unterschiedlich stark auf verschiedenen Strecken. Somit ist das Anpassen der Stärke nicht so einfach. Bleibt zu hoffen, dass die Entwickler hier noch einen Patch nachreichen.

 

Ein weiteres Problem ist, dass der Spieler nicht aufgefordert wird, sich besseres Material zu kaufen. Dadurch fährt man plötzlich gegen viel stärkere Konkurrenten und hat gegen ihre Fahrzeuge keine Change. Ein kleines Sternesystem lässt uns lediglich erahnen, wie Stark das Feld besetzt sein wird. Dadurch kann es passieren, dass wir um die goldene Ananas fahren, kein Preisgeld bekommen, das Team und die Reparaturen kaum bezahlen können und somit man kein Geld für bessere Rennwagen hat. Ein Teufelskreis, der sich nur mit unzähligen Rennen in unteren Klassen wieder ausgleichen lässt. Da es keine Saison oder Ranglisten gibt, driftet alles in ein wenig motivierendes Abklappen von Events.

 

Neben der Spur

Gesteuert wird in V-Rally 4 am besten mit einem Gamepad, Lenkräder werden zwar unterstützt, aber die Umsetzung ist eher suboptimal. Wir hoffen, dass Kylotonn Games hier noch nachbessert. Auch für einen Arcade-Racer ist die Fahrphysik eher dürftig. Bei einigen Wagen ist sie einigermaßen gelungen, bei anderen hat man Mühe, das Auto auf Kurs zu halten – von gezieltem Driften und Anstellen vor der Kurve nicht zu reden.

Die Autos scheinen für Rallye-Verhältnisse schlecht balanciert zu sein. Sie geraten relativ schnell ins Schleudern und können nur schwer abgefangen werden, das Ausgleichen über das Gaspedal funktioniert kaum. Gerade für moderne, allradgetriebene Wagen mit Mitteldifferenzial ist das eher ungewöhnlich. Man darf die Fahrzeuge in der Werkstatt upgraden, am Fahrverhalten ändert sich aber nur wenig. Die Optionen beim Ausrüsten der Verbesserungen ist nicht so umfangreich wie zum Beispiel in Forza Horizon 4, aber für ein wenig Abwechslung ist gesorgt.

 

Licht und Schatten

Dabei ist aber nicht alles schlecht. Verschiedene Untergründe wie Eis, Matsch und Sand fahren sich auch unterschiedlich und sehen recht gut aus. Auch wenn es grafisch ein kleiner Rückschritt zu WRC7 ist, holen die Entwickler von Kylotonn Games noch einiges aus der hauseigenen Grafikengine heraus. Einige grafische Effekte, etwa beim Durchfahren von Wasserlöchern und Flussläufen das Spritzen von Wasser auf die Scheiben, wird hier dennoch leidlich vermisst.

Die Lichteffekte und Fahrzeugmodelle sind hingegen sehr gut geworden. Das Ambiente ist also an einigen Stellen sehr gut, an anderen bleibt es aber hinter den Erwartungen zurück. Der Sound ist gut eingefangen und rettet die Stimmung etwas. In den Menüs wird man allerdings immer von derselben Hintergrundmusik gestört.

 

Multiplayer

Wer nicht alleine Fahren möchte, kann übrigens neben Online-Rennen auch auf den serientypischen Splitscreen-Modus zurückgreifen. Dabei wird der Monitor geteilt und jeder Spieler bekommt eine Bildschirmhälfte zugwiesen. Es stehen im Multiplayer-Modus alle Klassen und Fahrzeuge zur Auswahl. Beide Modi funktionieren einwandfrei, können aber nicht mit Innovationen glänzen. Aber der nostalgische Splitscreen-Modus, sorgt sicherlich für einige lustige Duelle vor den Monitoren.

 

Fazit

V-Rally ist zurück. Teil 4 findet sich aber selbst nicht und reiht sich daher weit hinter der Dirt-Serie ein. An sich hat der Arcade-Racer natürlich seine Momente und kann Arcade-Fans sicherlich kurzzeitig begeistern, die langweilige Karriere und das schlechte Fahrgefühl konnten uns letztendlich leider nicht überzeugen. Kylotonn Games haben mit der WRC-Serie gezeigt, dass sie es eigentlich besser können. Wer einfach ein bisschen Fahren möchte, gerne auch mit großem Vorsprung oder Rückstand, der ist hier genau richtig. Wer gerne etwas mehr realistisches Fahrzeug-Handling bevorzugt, der sollte sich lieber die WRC– oder Dirt-Serie anschauen. Für Hardcore-Fans bleibt lediglich der Verweis auf Dirt Rally.

Positiv

  • Splitscreen-Modus
  • Mehrere Disziplinen
  • Schöne Lichteffekte

Negativ

  • Langweilige Karriere
  • Präsentation durchschnittlich
  • Schlechtes Handling
  • Schlechte Steuerung
  • Nervige Musik
71
Tim-Oliver Siegwart

Geschrieben von: Tim-Oliver Siegwart

Beim Mighty Games Mag der Mann für Hardware, Rennsimulationen und First Person Shooter. Mit dem 286er und MS-DOS aufgewachsen und das Internet auf seinen ersten Schritten begleitet. Beruflich in der Gamesbranche tätig.

V-Rally 4

Entwickler:Kylotonn
Release Datum:September 2018
Kurzbeschreibung:Nachschub für Rally-Fans

Verfügbar für

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Genre

USK Alterseinstufung

Freigegeben ohne Altersbeschränkung gemäß § 14 JuSchG.

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