The Inner World

The Inner World ist ein deutsches Point&Click Adventure aus dem Hause Studio Fizbin. Das Spiel erschien bereits 2013 für PC und wird nun auch für Xbox One und PlayStation 4 nachgereicht. Zudem kann sich der Titel damit rühmen, 2014 mit dem Deutschen Computerspielpreis in der Kategorie „Bestes Deutsches Spiel“ ausgezeichnet worden zu sein. Schauen wir also mal, ob es sich den Preis auch verdient hat.

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Von Flötennase Robert und Zicke Laura

In The Inner World reisen wir in das sonderbare Land Asposien. Das Land befindet sich in einem gigantischen Hohlraum, der von Erdreich umgeben ist und durch drei Windbrunnen beatmet wird. Nach und nach versagen diese jedoch ihren Dienst und als dann noch die Windgötter das friedliche Land heimsuchen und die Bewohner versteinern, ist das Chaos perfekt.

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Hier kommt nun Flötennase Robert ins Spiel, der als Hofmusiker bei seinem Ziehvater Comroy lebt, die Welt da draußen noch nie selbst gesehen hat und nur das kennt, was ihm sein angeblicher Vater weismachen will. Eines Tages stiehlt eine verfressene Taube Comroys heißgeliebtes Amulett und so wird Robert losgeschickt, dieses wiederzuholen. Schnell lernt der Naivling, dass die Welt ganz anders aussieht, als es ihm immer beschrieben wurde. Als er sich dann auch noch in die zickige Diebin Laura verknallt, ist er mitten drin im Abenteuer. Gemeinsam lernen die Beiden zahlreiche sonderbare Asposer und seltsame Tiere kennen.

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Die Story wird im Laufe der fünf Kapitel und einer Spielzeit von etwa sechs bis acht Stunden spannend erzählt, obwohl die eine oder andere Wendung doch ziemlich vorhersehbar ist. Doch die sympathischen Charaktere und die interessante Spielwelt trösten darüber hinweg und sorgen dafür, dass man dennoch weiterspielen möchte.

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Ein kleiner Klick für mich…ein großer Klick für die Asposer

In Asposien warten zahlreiche Details, witzige Dialoge und merkwürdige Kreaturen darauf, entdeckt und angeklickt zu werden. So gibt es knuddelige Wollmäuse, einen aggressiven Igel und hochgiftige und unglaublich hässliche Schrofs. Jede Kreatur weiß auf ihre eigene Art und Weise zu begeistern, sei es mit witzigen Dialogen oder mit ihrem durchgeknallten Verhalten. Dazu gibt es noch eine Prise abwechslungsreiche Personen wie einen inhaftierten Schneider, eine laszive aber mindestens genauso hässliche Bardame, einen spielsüchtigen Windmönch und und und. Leider ist gerade die Hauptfigur Robert im kompletten Spiel die Person, die am wenigsten auffällt. Natürlich ist vor allem seine naive und tollpatschige Art ein Garant dafür, dass wir das eine oder andere Mal schmunzeln mussten. Doch zugegeben, irgendwann nervt diese Angewohnheit doch ein wenig.

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Im Gegensatz dazu sind seine Begleiterin Laura und ihre Taube Hack im kompletten Spiel einfach nur liebenswürdig. Die Diebin sorgt mit ihrer dauergenervten und sarkastisch-ironischen Art für diverse Lacher. Genauso liebenswürdig ist auch das gefiederte Tierchen an ihrer Seite, das mit seinem trotteligen und verfressenen Verhalten für Unterhaltung sorgt.

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Murmeln + Lunchbox = Schatz der Basylen

Natürlich sind in einem Point & Click Adventure nicht nur die Charaktere und die Spielwelt ein wichtiger Aspekt, sondern vor allem die Rätsel. Die Knobeleien werden meist durch klassische Kombinationen von Gegenständen aus dem Inventar oder der Umgebung überwunden. So ergeben eine abgebrochene Krücke, ein Wurm, den man zuvor mit Alkohol betrunken macht und ein Korken eine Steinschleuder, um die Taube Hack von einem Fenstersims zu vertreiben.

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Kreativ wird es jedoch dann, wenn man auch in Gesprächen bestimmte Optionen kombinieren muss, damit der Gesprächspartner eine bestimmte Aktion ausführt. Roberts besondere Flötennase klingt nicht nur musikalisch, sie wird sogar mit dem Aspekt in Rätseln genutzt. So wird beispielsweise in einem Rätsel verlangt mithilfe seines Riechorgans eine bestimmte Melodie nachzuspielen. Doch keine Sorge, die Rätsel sind selbst für unmusikalische Menschen machbar. Sollte es dennoch mal bei einem Rätsel hängen, kann man das mehrstufige Hilfesystem nutzen. Dieses ist so aufgebaut, dass nach und nach offensichtlichere Tipps gegeben werden. Während es anfangs nur einen ungefähren Hinweis gibt, was zu tun ist, werdet ihr bei der letzten Option schon fast mit der Nase darauf gestoßen, was euch weiterbringt. Im Großen und Ganzen sind alle Rätsel von The Inner World machbar, wenn auch ohne Tipps manchmal echt knifflig. Gerade weil die kreativen Rätsel bereits bewiesen haben, dass Studio Fizbin durchaus Ideen hat, ist es schade, dass es nur so wenig Knobeleien dieser Art gibt und der Großteil nur mit Kombinieren gelöst wird. Hier wurde leider etwas Potenzial verschenkt.

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Der Knopf? Oder eher der Knopf? Ahhh…der Knopf

Für die Konsolenspieler gibt es zugegeben nicht besonders viele Point&Click Adventures, was wohl auch daran liegt, dass die Steuerung mit dem Gamepad nicht einfach von der Computermaus übertragbar ist. Umso schöner ist es, wenn Entwickler dennoch den Mut haben, Spiele von PC auf Konsolen zu portieren. Zugegeben, anfangs haperte es auch bei uns in The Inner World mit der Steuerung, obwohl es zu Beginn des Spiels ein Tutorial gibt. Die Interaktion mit den Charakteren und dem Inventar wirkt zu holprig, wenn man erst mit der einen Taste durch die Hotspots schaltet, um dann mit dem gewünschten Objekt zu interagieren. Dann müsst ihr mit dem Stick die entsprechende Aktion wählen und diese mit dem nächsten Knopf bestätigen. Dies überfordert schnell, geht aber nach bereits kurzer Spielzeit in das Unterbewusstsein über und wirkt nach längerer Verweildauer in The Inner World immer weniger befremdlich. Schön ist, dass als Ausgangspunkt beim Durchschalten der Objekte immer der Hotspot ausgewählt wird, dem der Charakter am nächsten ist. So minimiert sich das Durchschalten aller Handlungsoptionen auf das Minimum.

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Kinderbuch trifft Erwachsenenhumor

Obwohl die Dialoge auch immer wieder erwachsene Inhalte und sogar schlüpfrige Anspielungen enthalten, erinnert die Grafik doch eher an ein Kinderbuch. Die Charaktere und Umgebungen können mit zeichentrickreifen Animationen und schönen handgemachten Zeichnungen überzeugen. Obwohl dies wohl eher Ansichtssache ist, denn man muss diese minimalistische und kindliche Zeichenweise auch mögen. Egal ob man die Grafik nun liebt oder nicht, man kann nicht abstreiten, dass die Entwickler mit viel Liebe an der Arbeit waren und das sollte auf jeden Fall honoriert werden. Zudem gibt es zahlreiche verschiedene Umgebungen wie eine Altstadt, einen Sumpf, ein Theater und eine Werkstatt, die erkundet werden können. Dies sorgt für Abwechslung, auch wenn man immer wieder nur zwischen den einzelnen Orten hin und her wechselt, weil man von Ort A einen Gegenstand braucht, den man dann in Ort B benutzen muss. Besonders ärgerlich ist hierbei, dass es bei jedem Wechsel der Umgebung auch direkt einen Ladebildschirm kostenlos dazu gibt, der den Spielfluss doch das eine oder andere Mal stört.

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Um die Nerven zu beruhigen, werdet ihr von ruhiger und atmosphärischer Musik begleitet, die sich gut in das Gesamtbild einpasst und nie negativ auffiel. Auch die deutsche Vertonung der Charaktere wirkt professionell und erweckt die Figuren passend zum Leben. Hier wurde einfach alles richtig gemacht. Diejenigen, die wenig Lust auf das Gerede und die Sequenzen haben, können diese per Knopfdruck auch einfach überspringen.

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Fazit

The Inner World ist eines der wenigen Point&Click Adventure, das auch für Konsolen umgesetzt wurde. Das Spiel kann mit einer interessanten Geschichte inklusive sympathischen Charaktere und witzigen Dialogen überzeugen. Die meisten Rätsel waren leider reine Kombinationsrätsel, obwohl es durchaus Versuche von interaktiven Umsetzungen gab. Nicht immer ist die Lösung der Knobeleien logisch, doch für den Fall eines Hängers gibt es ein tolles mehrstufiges Hilfesystem, das immer nur so viel verrät, wie man selbst möchte.

Die Grafik und die Animationen sind eher minimalistisch und kindlich gehalten, doch wer sich darauf einlässt, wird seinen Spaß daran haben. Alle anderen werden sich wenig mit dem interaktiven Kinderbuch anfreunden können.

Positiv

  • Sympathische und knuddelige Charaktere
  • Witzige und unterhaltsame Dialoge
  • Interessante Story und Umgebungen
  • Mehrstufiges Hilfesystem
  • Tolle Synchronisation
  • Möglichkeit deutsche oder englische Version zu spielen
  • Dialoge und Videosequenzen können übersprungen werden

Negativ

  • Wenige innovative Rätsel
  • Anfangs ist die Steuerung gewöhnungsbedürftig
  • Häufige Ladebildschirme
  • Kurze Spielzeit
82

Geschrieben von: Anja Schmidt

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Neueste Kommentare

  • Thxice: Stimmt gar nicht, im Moment nur Fehler und bugs. Vom Träger überhaupt keine spur
  • Stephanie Walter Stephanie Walter: Ich glaube, es kommt einfach darauf an, was man gerne spielt. Klar lassen sich Taktik und Teamplay nicht mit einem Titel wie Battlefield vergleichen aber ich denke, dass trotzdem viele Spaß an Battlefront II haben werden. Gerade auch Gelegenheitsspieler, die schnell mal ne Runde zocken wollen. Ihr hab natürlich Recht, die Grafik und das Feeling stimmen und vielleicht tut sich in Sachen Teamplay noch ein bisschen was vorm Release, gerade bei den Gruppenpunkten wäre das wünschenswert. Ich freue mich auf jeden Fall richtig auf die Kampagne.
  • Daniel Walter Daniel: Ist das erste Mal, dass ich es am PC spiele, früher stundenlang an der PS2 :-)