Tekken 7 – Die Saga geht weiter

Die altehrwürdige Prügelspielreihe geht in die nächste Runde. Nachdem Tekken 7 bereits 2015 für Spielautomaten erschien, folgt nun die Version für PC und Konsole. Wir haben den neusten Teil der Beat ‚em up-Legende für Euch genau unter die Lupe genommen und uns mit Kung-Fu-Kämpfern, russischen Killern und japanischen Schulmädchen geprügelt. Und mit Pandabären.

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Die Saga der Mishimas

Tekken 7 schickt sich an, die verworrene Familienfehde der Mishimas zu einem vorläufigen Ende beziehungsweise Höhepunkt zu bringen. Konzentriert wird sich dabei komplett auf das ewige Duell zwischen Familienoberhaupt Heihachi und dessen verhassten Sohn Kazuya. Weitere Familienmitglieder wie z.B. Enkel Jin, Asuka oder Neuzugang Kazumi Hachijo, Heihachis Ehefrau, haben nur kurze Auftritte oder kommen überhaupt nicht vor. Wäre vielleicht aber auch zu viel des Guten gewesen.

Der Storymodus ist sehr schick inszeniert, wenn auch etwas verworren und mit einem gehörigen aber unterhaltsamen Trashfaktor. Kleinere Quick-Time-Events und die flüssige Inszenierung zwischen Sequenz und Kampf lockern das Spiel sehr schön auf. Die Spielzeit fällt allerdings mit um die 2 Stunden sehr knapp aus. Einige der Zwischenbosse sind zudem ganz schön hart zu knacken, aber das war auch schon in den Vorgängern so. Welcher Tekken-Veteran erinnert sich hier nicht an den fantastisch inszenierten aber bockschweren Boss-Kampf gegen Jun in Tekken Tag Tournament 2?

Nett: Für alle Charaktere, die in der Story nicht vorkommen, gibt es eine eigene Rubrik „Charakterepisoden“, in welcher per Text und Zwischensequenz gezeigt wird, wie es ihnen während des 7. King of Iron Fist Tournament ergeht. Weniger nett: Diese Episoden beschränken sich auf einen einzigen Kampf. Da wäre so viel mehr drin gewesen.

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Die Kämpferriege

Satte 36 Kämpfer stehen in Tekken 7 zur Auswahl, eine stattliche Anzahl. Zu vielen Veteranen wie Paul Phoenix, Nina Williams oder Yoshimitsu gesellen sich ganze 9 Neuzugänge, so z.B. die japanische Pop-Göre Lucky Chloe, der arabische Kämpfer Shaheen oder Gastcharakter Akuma aus Street Fighter.

Dafür fehlen aber auch viele altgediente Recken. So sucht man z.B. Julia oder Michelle Chang, Lei Wulong, Känguru Roger, Bruce Irving oder Hwoarang-Lehrer Baek-Do-San vergebens. Das finden wir sehr schade, gehörten doch gerade Polizist Lei Wulong und Indianerbraut Julia Chang quasi zum Inventar.

Tekken 6 bot hier noch 40 Kämpfer, und von diesen fehlen in Tekken 7 sage und schreibe 14. Etwas unverständlich, da man auf der einen Seite viele Kämpfer entfernt hat, dann aber Kuma und Panda diesmal sogar als verschiedene Kämpfer führt.

In der Story haben die Neuzugänge mit einer Ausnahme zudem keine große bis gar keine Rolle. Sich mit ihnen zu identifizieren, fällt daher etwas schwer.

Der Auftritt der altgedienten Kämpfer wurde geringfügig verändert, so trägt nun zum Beispiel Hwoarang eine Augenklappe und Marshall Law zieren einige Narben. Wem das nicht ganz so zusagt, der kann aber auch die Kostüme aus dem Vorgänger anwählen.

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Das Kampfsystem, eine runde Sache

Am grundlegenden Kampfsystem der Tekken-Reihe hat sich auch mit dem neusten Teil wenig geändert. Jede Aktionstaste steht für eine Gliedmaße, also rechter und linker Arm bzw. rechtes und linkes Bein. In Verbindung mit den Richtungstasten und verschiedener Anordnung der Aktionstasten ergeben sich somit diverse Kombinationsmöglichkeiten. Wer wild auf den Tasten herumhämmert ohne zu wissen was er tut, kann somit auch durchaus Erfolg haben, gerade bei Charakteren wie Capoeira-Kämpfer Eddy Gordo. Dennoch ist enorme Tiefe vorhanden. Bis man einen Charakter und seine Moves einigermaßen beherrscht, gehen einige Spielstunden ins Land. Vor allem wenn man bisher noch keinen Teil der Tekken-Reihe selbst gespielt hat. Hier bietet sich der umfangreiche Trainingsmodus an.

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Tekken 7 läuft zu jeder Zeit schön flüssig. Die Charaktermodelle und Kampfarenen sehen sehr gut aus. Allerdings halten sich die Zerstörungseffekte in Grenzen. Schlägt ein Kämpfer auf den Boden auf, hinterlässt er zwar deutliche Spuren, einen Effekt auf die Umgebung hat dies allerdings nicht. In manchen Kampfarenen ist es möglich, durch den Boden oder die Levelbegrenzung zu brechen. Hier hinkt man aber meilenweit Injustice 2, dem Genreprimus in Sachen Kampfpräsentation, hinterher.

Ein neues Detail hat man sich von Dead or Alive 5 abgeschaut, die Kämpfer schwitzen nun während des Kampfes. Kampfspuren an den Klamotten oder Schmutz an den Kämpfern sucht man allerdings vergebens, hier ist noch Luft nach oben.

Die Kämpfe werden durch einige neue Animationen aufgelockert. Speziell der KO-Schlag am Ende einer Runde wird mit einer schicken Zeitlupe zelebriert. Sind beide Spieler am Rande ihrer Lebensenergie angelangt und schlagen beinahe zeitgleich zu, ergeben sich hier öfters mal spannende „Wenn erwischt es jetzt zuerst?“-Situationen.

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Das Kampftempo hat sich im Vergleich zu den Vorgängern gefühlt nochmals etwas erhöht. Selbst behäbigere Charaktere wie Robo-Krieger Jack 7 sind nun ziemlich flott unterwegs.

Neu hinzugekommen sind die so genannten Rage-Aktionen, quasi Finishing-Moves. Auch hier orientiert man sich ganz klar an Genre-Größen wie Mortal Kombat oder Injustice 2. Wessen Lebensbalken sich zuerst dem Ende neigt, der erhält die Möglichkeit per Tastendruck einen schön inszenierten Finisher einzusetzen, welcher locker ein Viertel der gegnerischen Lebensenergie vernichtet. Ziemlich praktisch, um ein Match noch zu drehen. Doch wie schon bei den genannten Vorlagen gibt es nur einen Finisher pro Figur.

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Die Spielmodi

Neben dem Storymodus bietet Tekken 7 für Solospieler noch einige andere Spielmodi an. Diese wären der obligatorische Arcade-Modus sowie der Treasure-Modus. Erstgenannter erklärt sich quasi von selbst, man absolviert eine gewisse Anzahl von Kämpfen bis hin zum Endboss. Bei letzterem kann man fortlaufend gegen immer stärker werdende Gegner antreten und erhält für einen Sieg sowohl Ingame-Währung für den Kauf von Kostümen und Accessoires als auch spezielle personenbezogene Ausrüstungsgegenstände für die Figuren.

Wie bereits in den vorangegangenen Serienteilen bietet sich nämlich auch wieder die Möglichkeit, die Charaktere zu individualisieren. Dies umfasst Frisuren, Oberteile, Hosen, aber auch die Tekken-typischen Partikeleffekte, welche bei einem Treffer auftreten. Die Bandbreite der Ausrüstung reicht hierbei von coolen Totenschädeln über Pilze bis hin zu einer Pizza auf dem Rücken des Kämpfers. Tekken nimmt sich also selbst wieder einmal nicht zu ernst. Im Treasure-Modus tritt man zudem gegen Kämpfer an, welche bereits mit neuer Ausrüstung modifiziert wurden, da ergibt sich so manch schräge Kombination.

Für jeden Kämpfer lassen sich zusätzlich zu den bereits vorhandenen Outfits bis zu 10 verschiedene Kostüme erstellen und abspeichern, der Kreativität sind somit wenige Grenzen gesetzt.

Abseits der genannten Spielmodi enthält Tekken 7 die Möglichkeit, Soundtracks und Videosequenzen aus allen vorangegangenen Teilen freizuschalten. Für Fans der Tekken-Reihe ein schöner Bonus, hier kann man in Erinnerungen schwelgen.

Das war es dann aber auch mit Spielmodi. Zeitangriff, Survival-Modus, Tekken-Force, das alles sucht man im neusten Teil leider vergebens. Hier fehlt etwas die Abwechslung.

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Mehrspielerkämpfe

Eines der Herzstücke eines guten Beat’em ups ist natürlich immer der Kampf gegen menschliche Gegner. Tekken 7 bietet hier einen umfangreichen Online-Modus inklusive einer eigenen Statistikseite. Für Offline-Kämpfer fehlt diese Funktion in Duellen leider völlig. Einzige Möglichkeit, offline gegeneinander zu spielen ist der Versus-Modus. Ein Tag-Team-Modus oder ein Teamkampfmodus, der sich ja gerade bei einer so umfangreichen Kämpferriege anbietet, fehlen völlig. Gut, der Tag-Team-Modus war bisher natürlich den Tekken-Tag-Tournament-Teilen vorbehalten. Dennoch wäre etwas mehr Auswahl schön gewesen.

Anders als bei den direkten Vorgängern erhält man für einen Offline-Versus-Kampf keinerlei Belohnung in Form von Ingame-Währung. Dies hat das kürzlich erschienene Injustice 2 beispielsweise deutlich besser gelöst, hier erhält jeder Kämpfer auch bei einer Niederlage Erfahrungspunkte. Insgesamt wird der Offline-Multiplayer etwas stiefmütterlich behandelt. Einen Versus-Modus hat man notgedrungen eingebaut, mehr Aufwand hat man hier aber nicht betrieben. Schade, denn gerade der Teamkampfmodus war in den letzten Serienteilen immer vorhanden. Warum diesmal nicht?

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Fazit

Tekken 7 ist beileibe kein schlechtes Spiel, bietet einige interessante Neuerungen wie die cool inszenierten Finishing-Moves und auch einen durchaus unterhaltsamen, wenn auch zu kurzen Storymodus. Insgesamt ist Tekken 7 aber einer der schwächeren Serienteile. Gerade im Vergleich zu Tekken 6 wurde beinahe überall abgespeckt. Weniger Kämpfer, weniger Modi, kürzere Story. Hier wäre mit etwas mehr Umfang auch deutlich mehr drin gewesen.

Positiv

  • Große Auswahl an Kämpfern inklusive 9 Neuzugänge
  • Schön inszenierter Storymodus mit herrlichem Trashfaktor
  • Nach wie vor griffiges Kampfsystem
  • Große Auswahl an Arenen
  • Technisch sauber
  • Videosequenzen und Musik aus allen Vorgängerteilen freischaltbar

Negativ

  • Wegfall vieler altgedienter Kämpfer
  • Umfang des Storymodus überschaubar
  • Leichte Frustgefahr durch ziemlich starke Zwischengegner
  • Vorhandene Spielmodi stark gekürzt
  • Umfang des Offline-Multiplayer ist gelinde gesagt ausbaufähig
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Geschrieben von: Alex Krause

1 Kommentar hinzugefügt

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  1. Torsten 29. Juni 2017 | Antworten
    Das mit der Präsentation ist mir beim Spielen gar nicht so negativ aufgestoßen. Aber jetzt wo ich es lese - stimmt natürlich schon, die ist nicht ganz zeitgemäß. Bei der zerstörbaren Umgebung wäre deutlich mehr gegangen und auch die Outfits sollten heutzutage nicht mehr unzerstörbar und schmutzabweisend sein. :-) Das mit der mangelnden Vielfalt bei den Spielmodi sehe ich genauso. Warum braucht man den "Treasure-Modus"? Man hätte da Gutes aus den Vorgängern einfach übernehmen können und die Boni aus dem Treasure-Modus einfach gerecht auf Erfolge in anderen Modi verteilen können. Hier war man ein wenig faul. Schöner Test, danke!

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Neueste Kommentare

  • Tim-Oliver Siegwart Tim-Oliver Siegwart: Black Flag hat mich von der Story her nicht packen können, hatte mir mehr erwartet und das Gameplay war damals einfach nichts für mich. Ist ja aber immer so, wenn in/an einer Serie was geändert wird, gibt es immer unterschiedliche Meinungen.
  • Daniel Walter Daniel: Ich war immer ein Fan der alten Herangehensweise und vermisse es daher im neuen Teil ein wenig. Trotzdem ist Origins wirklich gut, auch wenn es nicht an meine Favoriten AC 2 und AC Black Flag heranreicht.
  • Tim-Oliver Siegwart Tim-Oliver Siegwart: Die Neuausrichtung gefällt mir sehr gut. Die Architektur ist wunderschön und die Story gut gemacht. Auch die vielen Nebenquests und jetzt mit Level 40 die Community Events sind super. Das ewige geklettere und Dauerblocken aus den Vorgängern war einfach idiotisch, finde das jetzt überzeugender.