South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe

Nach dem Erfolg des South Park-Spiels Stab der Wahrheit war es nur eine Frage der Zeit, bis der nächste Titel Die rektakuläre Zerreißprobe fertiggestellt worden ist. Trotz der Versuche seitens des Publishers, das Game als Pre-Order an den Mann oder die Frau zu bringen, haben wir uns an Eric Cartmans Zitat zu diesem Thema erinnert: „You know what you get when you preorder a game? A big dick in your mouth.“ und erst die endgültig fertige Version für euch getestet.

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Der Neue ist da…

Die rektakuläre Zerreißprobe fängt ähnlich dem Vorgänger an. Der Protagonist, den der Spieler steuern darf, ist ein Kind, das neu in die Nachbarschaft von South Park Colorado gezogen ist. Die Handlung beginnt bei einem ersten gemeinsamen Spiel aller South Park Kids, das in eine epische Schlacht ausartet. Als König betitelt dürfen wir unsere Untertanen gegen die Mauren unterstützen. Belesene Fans erahnen sogleich, dass die Kreuzzüge vermutlich den ersten Hintergrund der kindlichen Hinterhofprügelei ausmachen. Allerdings kommt ein Drache zum Einsatz, der die Hobbit und Herr der Ringe-Thematik des Stabs der Wahrheit erneut aufgreift.

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Das allgemeine Schlachtgetümmel dient gleichzeitig als Tutorial, in dem die Grundzüge der Steuerung wie auch Kampfabläufe erläutert werden. Nach wie vor werden in JRPG-Manier Fähigkeiten gewählt und auf Gegner angewendet, während eine Aktivitätsleite die Reihenfolge der Kämpfer diktiert. Neu hinzugekommen ist die Positionierung der Charaktere auf dem Bildschirm. Je nach Standort wie auch Angriffsfähigkeit erhalten nämlich vereinzelte, gruppierte, aufgereihte oder sogar alle Feinde Schaden. Das Ganze bringt etwas mehr Taktik in die sonst monotonen Gefechte. Natürlich bietet der South Park typische Humor weitere Animationen, die zumindest beim ersten Anblick ein Schmunzeln auf die Gesichter seiner Fans zaubert.

Die mittelalterlich angehauchte Fantasy-Handlung wird schnell durch ein neues Szenario abgelöst. Superhelden und Superschurken dominieren das weitere Geschehen. Klar, dass Eric Cartman etwas mit dem plötzlichen Szenariowechsel zu tun hat, zumal er im vorhergehenden Spiel nur eine untergeordnete Rolle zu spielen schien. Als Coon durchstreift er die Hinterhöfe South Parks, jagt Verbrecher und kommandiert ein Team aus weiteren Gefährten über seine neueste Erfindung Coonstagram – eine Anspielung auf die weit verbreitete App Instagram. Der Neue muss sich erst seine Sporen bei ihm verdienen, um als vollwertiges Mitglied der Superhelden akzeptiert zu werden. Zahlreiche Superhelden-Klassen, von denen der Held sogar zwei gleichzeitig nutzen kann, indem er sich dafür an einer Schlüsselstelle im Spiel entscheidet, peppen die künftigen Kämpfe auf.

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Auf die Mütze

Obwohl sich der Hintergrund zu einer Superhelden-Story wandelt, bleiben die bereits vorgestellten Spielmechaniken erhalten. Zusätzlich kommen neue Fertigkeiten, die auch abseits der Kämpfe angewandt werden. Der altbewährte Furzwurf hat auch in der rektakulären Zerreißprobe Einzug gefunden. Dieser betäubt Gegner und erlaubt somit Erstangriffe, kann aber auch an Flammquellen zu verheerenden Explosionen führen. Ein geworfener Böller holt Gegenstände herunter, die sonst unerreichbar wären. Generell gibt es gefühlt mehr Rätsel in South Park, die man in Point-Click-ähnlicher Art und Weise löst. Nicht immer führt eine Lösung dazu, dass die Geschichte weiter geht, aber es gibt zahlreiche versteckte Schätze einzusacken.

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Der Sammeltrieb steht im neuesten South Park Abenteuer an erster Stelle, denn zahlreiche Gimmicks, Kostüme oder Crafting-Materialien wollen gefunden werden. Darüber hinaus ist es ein wesentlicher Bestandteil des Spiels, Selfies mit allen Mitbürgern zu erstellen. Für jede gefundene Sache oder ein Bild wird der Fortschritt in einem Charakterbogen vermerkt und bei einer bestimmten erreichten Anzahl gibt es Erfahrungspunkte. Sobald man genug EPs für einen Levelaufstieg gesammelt hat, wird dieser automatisch ausgeführt. Attributpunkte oder Fähigkeitenboni gibt es primär nicht zu verteilen. Es werden lediglich Plätze für Artefakte freigeschaltet, die Einfluss auf den Helden und seine Truppe haben.

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Neben dem Sammeln verdient der Protagonist sich seine Sporen, indem er unterschiedliche Aufträge erfüllt. Dabei handelt es sich erneut – wer hätte das gedacht – um Sammel- oder Kampfaufgaben, die ein wenig in die Story eingepackt sind. Gäbe es nicht die Hintergrundgeschichte sowie die bösen, South Park typischen Scherze, von denen manche nur den Kennern der Serie auffallen würden – wie etwa das Büro der Crack-Baby Basketball-Liga – könnte man den Unterhaltungswert als ziemlich gering einstufen. Auch etwaige Minispiele, wie zum Beispiel das simulierte Kacken auf einer Kloschüssel, bei dem die Darmbewegungen mittels eingeblendeten Kontroller-Tasten gesteuert werden, sind mit der Zeit einfach nur lästig.

Die Spielvielfalt ist auch nicht das Wesentliche am Erfolg der South Park Serie. Es ist viel mehr die offene Kritik an der Gesellschaft, das überzogene Widerspiegeln der Pop-Kultur. So wird die Rassismusdebatte durch den Schwierigkeitsgrad dergestalt gezeigt, dass eine dunklere Hautfarbe des Protagonisten zu schwierigerem Zugang zu Ressourcen führt. Auf die Kämpfe hat die Wahl keine direkte Auswirkung, indirekt sehr wohl, da man länger braucht, um an hochwertige Ausrüstung zu kommen. Zahlreiche ähnliche Seitenhiebe finden sich an jeder Ecke in South Park. Das hat sich im Vergleich zum Vorgänger nicht geändert und das ist auch gut so!

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Baby-Freistoß!

Die Spielsteuerung der rektakulären Zerreißprobe geht leicht von Hand, denn sie ist auf die PS4-Kontroller gut optimiert worden. Zugegebenermaßen gibt es bei einer 2.5-dimensionalen Levelgestaltung mit zeitunkritischem Spielverlauf kaum Möglichkeiten, irgendwelche Fehler bei der Bedienung zu produzieren. Eine Kameraführung sucht man vergeblich, denn die Perspektive von der Seite bleibt stets unverändert. Das führt dazu, dass manche Objekte erst bei genauem Hinsehen oder Hinlaufen entdeckt werden. Die grafischen Animationen des Spiels sind flüssig und vermitteln das Gefühl, selbst in einer interaktiven South Park Fernsehfolge mitzuspielen. Die Synchronisation enthält auch im Deutschen alle Stimmen der Original-Sprecher, nur der Protagonist bleibt wie im Vorgänger stumm.

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Fazit

South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe ist eine solide Fortsetzung der Reihe, die für meinen Geschmack etwas zu kommerziell ausgefallen ist. Allein die Tatsache, dass Pre-Order sowie Season Pass zusätzlich zu diesem Titel verkauft werden, spricht Bände darüber, dass wohl einige Prinzipien der Macher der South Park Serie auf der Strecke geblieben sind. Trotzdem ist das Spiel ziemlich unterhaltsam, wenn man den bisweilen deftigen, dunklen Humor verträgt. Die Anknüpfung an das vorhergehende Geschehen ist gut gelungen und ebenso der Übergang zu einer neuen Story. Ich hatte Spaß beim Testen dieses Titels, bin aber nicht sicher, dass es genrefremden Zockern gefallen würde. Viel zu simpel sind die spielerischen Herausforderungen und manchmal gibt es viel zu offensichtliche Lösungen für ein Rätsel. Als interaktives South Park Abenteuer taugt das Spiel aber sicherlich und wird von Fans bestimmt geschätzt werden.

Positiv

  • dunkler Humor
  • nahe am Original der Serie
  • zahlreiche Anspielungen auf gesellschaftskritische Themen

Negativ

  • Season Pass
  • Fixierung auf Sammeltrieb
  • geringer Wiederspielwert
85

Geschrieben von: Witali Blum

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  • Martin: Hey! Auch von mir vielen lieben Dank für den Guide :D Ist der "Hauptguide" nach dem ich mich richte bzw. mittlerweile der einzige, den ich nutze^^ Ich hätte aber noch eine Frage zu diesem Part: Held Vorheriger Held Soforttötung bis … Stufe Siyalatas/Fragsworth The Masked Samurai 30 – 50 Atlas Samurai Stufe 2500 150 – 175 Terra Atlas Stufe 1500 350 – 450 Phthalo Terra Stufe 1500 700 – 900 Orntcha Gladeye Phthalo Stufe 1500 1300 – 1700 … Orntcha Gladeye Stufe 1500 2500 – 3000 Kannst du das genauer erklären? Was sind z.B. Altas, Terra usw. und das mit den Stufen
  • Tim-Oliver Siegwart Tim-Oliver Siegwart: Black Flag hat mich von der Story her nicht packen können, hatte mir mehr erwartet und das Gameplay war damals einfach nichts für mich. Ist ja aber immer so, wenn in/an einer Serie was geändert wird, gibt es immer unterschiedliche Meinungen.