Sniper Ghost Warrior 3 Preview

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Kontrovers ist über Sniper Ghost Warrior 3 in der Vergangenheit berichtet worden. Erst komplett von der Bildfläche verschwunden, kam es anlässlich mehrerer Pressetermine wieder zum Vorschein. Bei jenen konnte der Entwicklungsstand begutachtet werden und hinterließ jedes Mal gemischte Gefühle. Außen hui, innen pfui war die einhellige Kritik. Nach einer weiteren Releaseverschiebung durch den deutschen Publisher Koch Media wendete sich Sniper Ghost Warrior 3 nun für einen kurzen open Beta Test an die Öffentlichkeit. MGM hat diesen Test natürlich mitgemacht und sagt Euch, was Ihr von diesem Spiel zu halten habt.

„Es ist kein Mensch, es ist kein Tier, es ist ein Panzergrenadier!“

Diejenigen, die noch das Vergnügen der Bundeswehrgrundausbildung hatten, werden sicherlich diesen Spruch kennen. Halb gehässig, halb bewundernd wird hier ein Grundmerkmal von Panzergrenadieren auf die Schippe genommen, welches auch für Scharfschützen überlebenswichtig ist: Tarnung.

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Doch alles zurück auf Anfang: Wie kommt es eigentlich, dass man sich schießenderweise Ballernderdings durch die Botanik bewegt? Leider kann man für die Hintergrundgeschichte den Werbeslogan:

„Eine Geschichte voll Romantik, Gefahr, Leidenschaft und Intrige. Eine Geschichte, viel zu groß um sie in ein kleines Programm zu packen“

nicht verwenden ohne schamlos zu lügen. Wie üblich bei einer Beta-Version ist natürlich noch nicht alles bekannt. Was aber schon von Seiten der Entwickler durchgesickert ist, ist unser John Wayne für Arme unterwegs um sein kleines Brüderchen zu finden, der irgendwo im Kaukasus verschwunden ist. Um sich offizielle Rückendeckung zu verschaffen und dabei noch auf größere Ressourcen zuzugreifen, ist der Protagonist im Auftrag einer größeren Organisation unterwegs.

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Wie bereits etwas sarkastisch angedeutet, leidet hier Sniper Ghost Warrior 3 unter dem berühmt-berüchtigten „Piranha Bytes-Effekt“: Alles schon mal dagewesen; alles nicht wirklich neu; alles ziemlich durchschaubar. Dabei helfen dann auch so kleine Spoiler der Entwickler, ob unser Sniper in Spe auch wirklich seinen Bruder finden wird und ob dieser wirklich darüber glücklich sein wird, nicht wirklich weiter. Ein halbwegs intelligenter Spieler kann hier schon nach drei Sätzen den Ausgang der Geschichte vorhersagen. Es bleibt daher zu hoffen, dass CI Games hier noch einmal in medias res geht und wenigstens kleine Änderungen vornimmt.

„Es macht Tick-Tack und wenn’s runter fällt ist die Uhr kaputt“

Leider waren in der vorliegenden Beta-Version nur zwei spielbare Missionen verfügbar und die Tatsache, dass weite Teile der sogenannten offenen Spielwelt noch gar nicht bevölkert waren, trug auch nicht gerade dazu bei, große Explorationen in das Gameplay von Sniper Ghost Warrior 3 durchführen zu können.

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Sniper Ghost Warrior 3 beginnt, ganz unüblich, mit einem Tutorialvideo anstatt einer Einführungsmission. Dies muss gar nicht einmal schlecht sein, denn gerade beim Visieren mit einem Scharfschützengewehr gibt es doch viel zu beachten und hier liegt auch eine der großen Stärken des Spieles: es simuliert die Abläufe beim „snipen“ sehr genau. Danach wird der Spieler jedoch erst einmal alleine gelassen und er findet sich ohne weiter Erklärung auf einer Bergstraße in einem Auto wieder. Aus verschiedenen Funksprüchen wird dann schnell klar, dass man sein Versteck aufsuchen soll.

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Dort angekommen wird auch schnell klar, dass dies das Operationszentrum ist, von welchem neue Missionen gestartet werden. nebst kleinen Funksprüchen mit Andeutungen über die mysteriöse Hintergrundgeschichte, Waffen und Skills aufgerüstet werden und neue Ausrüstungsgegenstände gekauft werden können. What a shocker!

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Per Pedes und via fahrbarem Untersatz hat der Spieler dann die Möglichkeit, entweder zu seinem Einsatzziel zu kommen oder aber ein wenig die Gegend zu erkunden. Leider gestaltet sich das „Gegend erkunden“ schnell als langweilig. CI Games verspricht hier aber für die Verkaufsversion eine wesentlich belebtere Welt mit vielen kleinen Nebenmissionen. Ansonsten beschränkt sich das Gameplay auf:

– bis auf die Zähne aufrüsten,
– Missionsgebiet erkunden,
– den Gesamtbetriebsgewinn (vor Steuern) der ortsansässigen Bestattungsunternehmen steigern.

Letztendlich muss hier aber jedes Urteil schlicht und ergreifend an den mangelnden Missionen scheitern. Bei nur zwei Spielabschnitten in nur einer Schwierigkeit kann kaum von einem „repräsentativen Querschnitt“ gesprochen werden.

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„In der Ruhe liegt die Kraft“

Die Steuerung von Sniper Ghost Warrior 3 ist gewöhnungsbedürftig. Obwohl alle Tasten an den gewohnten Stellen sind, also den üblichen Gepflogenheiten für Tätigkeiten wie Springen oder Hangeln entsprechen, reagiert die Steuerung trotzdem teilweise etwas zu träge und dann wieder zu empfindlich auf die Eingaben. Genauso wie an anderen Stellen des Spieles merkt man hier, dass unendlich viel Zeit in die Sniper-Simulation gesteckt wurde, alles andere hinterlässt dafür aber den Eindruck als wäre es „im Vorbeigehen“ mit erledigt worden.

Zusätzlich krankt das Spiel an etwas, dass es heutzutage eigentlich nicht mehr geben sollte. In Zeiten, in denen man in seinem USB-Hub-Fachgeschäft seiner Wahl USB-Hubs kiloweise kauft und einen die freundliche USB-Hub-Fachverkäuferin noch fragt: „Genau ein Kilo oder darf’s ein wenig mehr sein?“ sollte man als Entwickler davon ausgehen, dass mehr als ein Eingabegerät an der Zentraleinheit des elektronischen Datenverarbeitungssystems hängt. Leider lässt sich „Sniper Ghost Warrior 3“ aber von verschiedenen Eingabegeräten verwirren und wenn zusätzlich Exoten wie zum Beispiel eine 3D-Maus am Computer angeschlossen sind, wird das Spiel fast vollständig unspielbar.

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Grafik

Grafisch zieht Sniper Ghost Warrior 3 alle Register, die ihm die Cry-Engine als Basissystem bietet. Wunderschön animierten und detailreiche Landschaften strahlen einem vom Bildschirm entgegen. Der Entwickler CI Games gibt an, audiovisuelle Studien direkt vor Ort im Kaukasus betrieben zu haben und angesichts der spektakulären Sonnenuntergänge im Spiel ist man geneigt, dieser Angabe zu glauben.

Wie üblich gibt es jedoch noch einige Probleme in einer Beta-Version. Beispielsweise verwandeln sich gewöhnliche Geländefahrzeuge unbeabsichtigt in Hoovercrafts und schweben über dem Boden oder aber man trifft auf menschenscheue Wände, die sich beim direkten Betrachten in Luft auflösen. Hoffentlich beseitigt CI Games diese kleinen Mängel bis zur Verkaufsversion.

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Sound

Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten und entsprechend kann man von den kaukasischen Pop-Rock-Klängen, die einem aus den Lautsprechern entgegenschallt, angetan oder genervt sein. Leider überwog letztendlich das letztere beim Test. Nach einer gefühlten Unendlichkeit und der immer größer werdenden Angst, an Innenohrkrebs zu erkranken, wenn das Gedudel so weitergeht, wurde entsprechend der humoristische Kommentar unseres Helden: „das kann ja keiner aushalten“ und das anschließende Abschalten des Autoradios mit mehr als nur einem Lächeln quittiert.

Ansonsten beeindruckt die Beta-Version mit sehr detailreichen Umgebungsgeräuschen. Eine Tatsache die ja für ein Schleich-Spiel von überragender Bedeutung ist. Hier gibt es kaum etwas zu verbessern und deswegen überzeugt Sniper Ghost Warrior 3 in diesem Punkt auf ganzer Linie.

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Fazit

„Tritt nicht auf den grünen Stein, es könnt ein Panzergreni sein.“ Auch zum Fazit ein Spruchzitat aus der Bundeswehrzeit, das eigentlich sehr treffend auf Sniper Ghost Warrior 3 passt. Die gespielte Nachsicht in diesem Zitat trifft auch das Gefühl sehr gut nach Anspielen der Beta-Version. Der Eindruck des „alles schon mal da gewesen, alles schon bekannt“ mischt sich mit; aber was will man auch neues erwarten. Entsprechend zwiespältig muss man dann auch über Sniper Ghost Warrior 3 urteilen. Ja, die Arbeit, die in Simulation und Grafik stecken sieht man und die Liebe zum Detail ist wirklich spürbar, aber, es hätte dem Spiel auch gutgetan, wenn etwas dieser Kraft und Liebe in die zugrundeliegende Geschichte und Spieldesign geflossen wäre. Nun ist Sniper Ghost Warrior 3 noch im Beta-Stadium, deswegen bleibt zu hoffen, dass hier der Entwickler CI Games noch etwas Arbeitszeit von der Fehlerbeseitigung abzweigt und in das Hintergrunddesign steckt.

Bernd Kasperidus

Geschrieben von: Bernd Kasperidus

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Neueste Kommentare

  • Florian Richter Florian Richter: Ja Telltale weiß einfach wie man die Fans der Filme und die der Comics vereinen kann. Die Charaktere sind wirklich gut gelungen und man muss nicht überlegen wen man da auf dem Bildschirm hat.
  • Tim: Habe Guardians im Flugzeug gespielt, davor den 1. Kinofilm gesehen. Die Umstellung im Design der Charaktere ging recht schnell und ist einfach auch richtig gut gemacht.
  • Dominik Probst Dominik Probst: Kann ich schon verstehen. Aber Merchandise ist immer schön anzusehen :D