Power & Revolution – Politiksimulator 4

Wenn ihr schon immer mal wissen wolltet, wie man an die Macht eines Staates kommt und diesen dann auch richtig führt, solltet ihr euch mal „Power & Revolution“ anschauen. Aber kann das Spiel auch wirklich überzeugen und einen realistischen Einblick in die Politik geben?

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„Power & Revolution“ ist eine geopolitische Simulation von Eversim, die auch schon die drei vorherigen Teile entwickelt haben. Im vierten Teil der Serie dürfen wir uns aussuchen, ob wir ein aktueller Staatschef, ein Parteichef der Opposition oder ein Rebellenanführer sind. Wir schreiben dabei unsere eigene Geschichte.

Zu Beginn suchen wir uns eine Kampagne aus, die unsere Siegbedingungen und allgemeine Voraussetzungen festlegt, welche Länder und Parteien wir auswählen können. Am Anfang gibt es nur drei unterschiedliche Kampagnen. Aber mit der Zeit schalten sich neue frei, die schwierigere Aufgaben beinhalten.

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Die erste Kampagne stellt uns vor die Aufgabe, ein amtierender Staatschef zu sein. Bei der zweiten schlüpfen wir in die Rolle eines Parteichefs der Opposition und wollen natürlich an die Macht kommen – egal mit welchen Mitteln. Als drittes können wir uns als Rebellenanführer versuchen, der die Regierung stürzen möchte. Wenn wir dies ausgewählt haben, können wir einstellen, ob wir einen oder mehrere Charaktere spielen wollen. Hierzu wählen wir ein Land von 175 unterschiedlichen Ländern aus und legen dann unsere Figur fest. Diese ist aber von vorneherein gestaltet, hat keine besonderen Eigenschaften, sondern nur eine politische Partei. Hierbei kommt es immer darauf an, welche Parteien es in dem Land gibt. Im europäischen Raum hat man eigentlich fast alles, von linken Umweltschützern bis Rechtsradikalen, vertreten. In anderen Gebieten gibt es teilweise auf Grund der Verbote und der aktuellen politischen Lage weniger Möglichkeiten. Wenn wir den ersten Staatschef ausgewählt haben, können wir noch bis zu insgesamt acht Staatsoberhäupter auswählen. Danach wählen wir noch einen von drei Schwierigkeitsgraden aus und starten das Spiel.

Danach kommen wir zu einer großen Weltkarte. Diese zeigt alle Länder an und markiert, wo zurzeit ein gewaltsamer Konflikt herrscht.

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Im unteren Bereich haben wir ein Interface, welches unterschiedliche Menüs öffnet. Diese Menüs unterteilen sich nach Themengebieten. Wenn wir auf den entsprechenden Button klicken, bekommen wir zum Beispiel Informationen zu unserem Haushalt oder unserer Wirtschaft. Hier sehen wir auch unsere Möglichkeiten, wie zum Beispiel Regler für die Steuererhöhungen oder welche Aktionen wir in einem Bereich tätigen können.

Als Präsident eines Staates haben wir alle Freiheiten, Gesetze zu erlassen, Steuern zu erhöhen, öffentliche Gebäude zu bauen, Handelsverträge zu vereinbaren und vieles mehr. Die Liste ist lang. Hierbei hat jede Aktion Auswirkungen auf unsere Beliebtheit, die im Spiel durch Popularität dargestellt wird. Wenn unsere Popularität hoch ist, mag uns das Volk. Falls nicht, sind unsere Wiederwahlen in Gefahr. Um Gesetze durchzubekommen, kommt es darauf an, was wir für ein Regime führen. Wenn wir in einem demokratischen Land sind, bestimmt das Parlament mit darüber, ob es verabschiedet wird, was teilweise dazu führen kann, dass ein Gesetz abgelehnt wird.

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Dies können wir vermeiden, indem wir mit den Menschen reden und sie für uns gewinnen. Dafür nutzen wir Termine, die wir mit den einzelnen Personen vereinbaren. Bei diesen Treffen haben wir immer festgelegte Aktionen. Je nachdem, was wir sagen oder tun, mögen uns die Leute, mit den wir reden mehr. Es ist wichtig sich mit den Leuten gut zu stellen, damit man seine Ziele erreichen kann.

Wir haben einen Berater, der uns ab und zu Informationen zu bestimmten Dingen gibt, aber immer nur Empfehlungen oder sogar nur Erklärungen anbietet. Es wird nie gesagt:“ Tu dies.“

Wenn wir Monarch oder Kommunist sind, wird es einfacher Gesetze zu erlassen, da uns keiner widersprechen kann. Jede Entscheidung, die wir treffen hat ihre Konsequenzen im In- und Ausland. Wenn man in Deutschland eine rechte Partei verbietet, kann es passieren, dass wir von den Franzosen zu hören bekommen, dass sie das nicht gutheißen. Oder ein Völkerrechtler aus einem deutschen Verband beschwert sich, dass dies gegen die Meinungsfreiheit verstößt. Hierbei sehen wir, dass „Power & Revolution“ wirklich mit aktuellen politischen Einflüssen in den einzelnen Ländern arbeitet. In Frankreich regiert aktuell wirklich eine rechtsorientierte Partei. Das macht auch eine große Stärke des Spiels aus. Es ist wirklich an das Jahr 2016 angepasst. Viele der aktuellen größeren Konflikte, wie der IS sind auch im Spiel integriert und lassen es so sehr realistisch und interessant wirken. Und ganz ehrlich, wer will nicht derjenige sein, der den IS-Terror zerschlägt und wieder Ruhe in den Nahosten bringt. Dies kann sehr motivieren.

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Allerdings muss man erstmal dahin kommen. Dies zu schaffen ist nicht sehr einfach. Da das Spiel sehr komplex ist und es kaum erklärt wird, kann es als Staatschef wirklich sehr lange dauern, bis man auch nur angefangen hat Handelsbeziehungen aufzubauen. Es gibt zwar ein Tutorial, aber hierbei werden nur die einfachsten Grundprinzipien des Spiels erläutert. Den Rest muss man sich durch Lesen und ausprobieren erschließen. Das kann teilweise sehr frustrierend sein, weil man nicht weiß, warum man jetzt schon wieder von der gesamten Bevölkerung gehasst wird und das halbe Land protestiert. Wenn man aber die Grundprinzipien verstanden hat und nicht alle Gesetze auf einmal verabschieden will, sieht man, was man für Möglichkeiten hat. Diese sind wirklich immens. Man kann den Menschen viel Gutes tun, in Umwelt und erneuerbare Energien investieren und die Bildung stark verbessern. Problem ist nur, wer soll das bezahlen. Wir müssen immer unser Konto im Auge behalten. Und natürlich das Bruttoinlandsprodukt.

Hatten wir schon erwähnt, dass jede Entscheidung Konsequenzen nach sich zieht? Dies ist eine weitere Stärke des Spiels. Die Konsequenzen sind wirklich realistisch. Wenn wir zum Beispiel die KFZ-Steuer zu hoch setzen und dann den Autofahrern auch noch eine Umweltsteuer aufdrücken, haben wir im ganzen Land Aufstände und Proteste. Wäre im echten Leben auch so.

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Die Resultate aus unseren Entscheidungen kommen meist ein oder zwei Tage, nachdem das Gesetz oder der Beschluss durchgekommen ist.

Das Spiel wird an sich Tag für Tag gespielt. Es ist nicht rundenbasiert sondern die Zeit läuft immer weiter, wenn wir nicht den Pausebutton drücken. Wir können auch zum nächsten Ereignis springen, welches uns betrifft. Neuigkeiten werden immer mit einem kleinen Icon oben links im Bild angezeigt, in dem das Gesicht auftaucht, von demjenigen, der etwas von uns will.

Aber wie ist es denn mit der Grafik?

Zwar hat man eine große und detailgetreue Landkarte, diese ist aber sehr karg. Man hat Markierungen von einzelnen Städten und kann auch an sie heranzoomen, aber sie sehen sich alle sehr ähnlich. Mal sind sie etwas größer mal kleiner.

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Die Highlights werden meist in Fernsehauftritten in einem kleinen Fernseher gezeigt. Diese sind recht simpel gestaltet und sehen nicht besonders schön aus. Man merkt, dass die Entwickler nicht allzu viel Wert auf die Grafik gelegt haben. Auch wenn wir einen Aufstand in einer Stadt niederschlagen, ist dort nur ein Querschnitt einer Stadt zu sehen und meine Truppen als Icons. Diese kann ich dann hin und her schicken und kämpfen lassen. Aber auch dies ist recht karg und einfach gehalten. Außerdem gibt es ab und zu Grafikbugs, die zwar nicht unbedingt stören, aber doch auffallen.

Der Sound hingegen ist gut. Das Spiel wird von ständiger Hintergrundmusik begleitet, die aber nicht nervt und auch unterschiedliche Tracks beinhaltet. Auch die deutsche Vertonung ist vernünftig, auch wenn es dort einige kleine Aufnahmefehler gibt. Allerdings sind diese sehr selten. Die Sprecher sind zwar manchmal etwas monoton, vor allem bei Kriegserklärungen, aber an sich sehr solide. Es könnte aber etwas mehr Text geben. Die Treffen mit den Leuten, was einen großen Teil des Spiels ausmacht, verlaufen sehr repetitiv. Oft sagen unterschiedliche Leute auch den komplett selben Text. Dasselbe gilt für die Fernsehauftritte. Dies nimmt etwas vom Spielspaß, da man sie nach einiger Zeit alle mitsprechen kann und deshalb auch etwas genervt ist. Gut das man sie früher beenden kann.

Fazit

Insgesamt finde ich, dass „Power & Revolution“ eine sehr komplexe und vielfältige Simulation ist. Man hat alle Freiheiten, die man sich wünscht, und niemand sagt einem, was zu tun ist. Das klingt natürlich toll, führt aber am Anfang zu einer Hilflosigkeit, da man einfach in das Geschehen hineingeworfen wird. Leider hilft dem Spieler weder das Tutorial, noch der Berater. Das Tutorial erklärt  nur die Steuerung und einfachste Dinge. Alles Weitere muss man sich selbst beibringen. Wenn man sich aber durchbeißt offenbart das Spiel seine Möglichkeiten und motiviert. Wer mag es nicht, Angela Merkel so sehr in der Öffentlichkeit schlecht zu machen, dass sie Neuwahlen veranlasst und dann auch noch gegen uns verliert, weil wir der Liebling der Nation sind. Oder man stürzt innerhalb von einem Monat das kommunistische Regime auf Kuba, indem man eine ganze Stadt einnimmt. Man merkt, das Spiel und man selbst schreibt seine eigenen Geschichten. Leider verschenkt das Spiel grafisch viel Potential und auch die Bugs senken den Spielspaß. Vor allem wenn das Spiel mitten drin einfach mal abstürzt, was leider einmal vorkam. Oder wenn auf einmal ein ganzer Text auf Französisch ist und ich ihn daher nicht verstehen kann.

Meiner Meinung nach ist das Spiel auf jeden Fall etwas für Genreliebhaber, da es sehr komplex und vielfältig ist. Ansonsten ist dieses Spiel mit Vorsicht zu genießen, da es doch seine Ecken und Kanten hat, die frustrieren und stören können.

Positiv

  • sehr detaillierte und komplexe Simulation
  • hoher Wiederspielwert
  • hohe Freiheit

Negativ

  • schwache Grafik
  • Bugs
  • schwaches Tutorial
  • überfordert gerade am Anfang
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Nikolas Rau

Geschrieben von: Nikolas Rau

Kinderpfleger und angehender Erzieher. Großes Hobby natürlich PC-Spiele, dabei gerne auch neue und innovative Dinge aus dem Bereich Indie. Neueinsteiger in der Branche.

6 Kommentare hinzugefügt

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  1. DemonX 15. Juni 2016 | Antworten
    Schöner Test, allerdings stimmt die Aussage dass in Frankreich eine rechtsorientierte Partei regiert nicht. Es regieren die Sozialisten zusammen mit der PRG, teilweise unterstützt von den Grünen. Das sind alles linke Parteien.
    • Nikolas Rau
      Nikolas Rau 15. Juni 2016 | Antworten
      Hallo, DemonX, danke für deinen Kommentar und die Richtigstellung. Ich hatte beim Schreiben nur im Kopf, dass die FN gewählt wurde, dabei aber vergessen, dass es sich bei den Wahlen um die Europawahlen handelt. Da es schon zwei Jahre her ist, habe ich da was verwechselt. Beim nächsten Mal werde ich besser recherchieren, bevor ich so etwas schreibe. Danke noch mal dafür. Lieben Gruß
  2. VLS 15. Juni 2016 | Antworten
    Hört sich nach einem interessanten und spielenswerten Game an! Danke für die ehrliche Kritik :)
  3. Barry 19. Juni 2016 | Antworten
    Solides review und strukturiert auf den Punkt gebracht. Gerade in diesen Tagen (Brexit etc.) spiegelt das Game eine wichtige Thematik unserer Zeit wieder. Ein aktuelles Game sollte daher nicht mit so einer veralteten und unübersichtlichen Grafik den Käufer abschrecken.

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Neueste Kommentare

  • Florian Richter Florian Richter: Ja Telltale weiß einfach wie man die Fans der Filme und die der Comics vereinen kann. Die Charaktere sind wirklich gut gelungen und man muss nicht überlegen wen man da auf dem Bildschirm hat.
  • Tim: Habe Guardians im Flugzeug gespielt, davor den 1. Kinofilm gesehen. Die Umstellung im Design der Charaktere ging recht schnell und ist einfach auch richtig gut gemacht.
  • Dominik Probst Dominik Probst: Kann ich schon verstehen. Aber Merchandise ist immer schön anzusehen :D