Forza 5

Forza 5

Gentleman, starten Sie ihre Konsolen! „Forza Motorsport 5“ steht in der Garage und will ausgefahren werden. Als Launch-Titel von Microsofts neuer Xbox One setzen Rennsport-Fans große Erwartungen in den Exklusiv-Titel. Die Bleifuß-Serie setzte seit ihrem Bestehen immer wieder neue Maßstäbe in Sachen Realitätsnähe, Fahrgefühl, Grafik und Umfang. „Turn10“ arbeitete dieses Mal allerdings mit Hochdruck an der Fertigstellung und konnte die neue Rennsimulation gerade noch in letzter Sekunde in die Startaufstellung bringen. Ob „Forza Motorsport 5“ daher ohne Mängel durch unseren virtuellen TÜV kommt, oder aufgrund des Zeitdrucks Kompromisse bei Ausstattung und dem Komfort gemacht wurden, lesen Sie wie immer hier beim Mighty Games Mag.

Die ersten Meter

Die Geschichte in „Forza Motorsport 5“ ist herrlich puristisch und daher schnell erzählt. Es geht um das Beherrschen von über 200 Fahrzeugen im absoluten Grenzbereich auf der Rennstrecke. Über die Hälfte der Autos sind absolute Edel-Karossen die für die wir töten oder zumindest unsere Konsole eintauschen würden. So auch der McLaren P1. Direkt nach erfolgreicher Installation und den Updates – man waren das herrliche Zeiten, als wir auf Konsolen noch einfach eine Disc eingelegt und losgespielt haben – finden wir uns auch schon in einem heißen Rad an Rad Duell mitten in der wunderschönen Altstadt von Prag wieder. Unser britischer Supersportwagen schreit nach Haftung als wir ihn todesmutig um die engen Kurven den Berg hinauf peitschen, die Verfolger lauern bereits – grimmig grinsend und dramatisch groß direkt im Rückspiegel – auf einen Fahrfehler. Der Drehzahlmesser kommt in den roten Bereich, das Fahrwerk gibt bereits alles, unsere Handschuhe spiegeln sich lebensecht in der Windschutzscheibe, sie umklammern das Lenkrad, fast schon mehr um sich bei dieser Beschleunigung festzuhalten, als um das PS-Monster gekonnt durch die Kurven zu lenken. Unser Blick schweift durch das linke Fenster am Außenspiegel vorbei auf das herrliche, verträumte Prag, die Karlsbrücke, über die wir in Kürze rasen werden, die Kirchen,die Boote auf der Moldau. Ein wahrlich wunderschöner Anblick, fast zu schade, dass wir nicht zum Sightseeing, sondern zum Racen gekommen sind. Doch der Traum ist schnell ausgeträumt, zumindest der des McLaren P1, denn nach diesem schönen Einführungsrennen finden wir uns wieder auf dem Boden der Tatsachen zurückgesetzt. Bis zum erneuten Wiedersehen mit dieser Rennmaschine werden wir viele Rennen fahren und das Preisgeld immer brav aufs Sparbuch legen müssen.

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Vom Käfer zum springenden Pferd

Zu Beginn der Karriere erwählt man einen kostenlosen Kompaktwagen aus und bestreitet seine ersten Rennen. In „Forza Motorsport 5“ gibt es eine Einteilung in F,E,D,C,B,A,S,R,P und die X-Klasse, wobei wir den VW Käfer in der F-Klasse und Kimi Raikkönens Formel 1 Lotus aus dem Jahr 2013 in der X-Klasse antreffen. Eigentlich überflüssig zu erwähnen, dass es uns zunächst lediglich für die etwas alltäglicheren, ähm, Traumautos reichen wird. Nach jedem Event werden nun Erfahrungspunkte und Credits gutgeschrieben. Den Zaster braucht man selbsterklärend für bessere Autos. Es gibt aber auch die Möglichkeit, seine Fahrzeuge mit Tuningteilen aufzuwerten. Das Entwicklerstudio „Turn 10“ hat wie bereits in den Vorgängern ein wahres Arsenal an Tuning-Teilen vorgesehen. Vom Motor über das Fahrwerk, die Aerodynamik, Gewichtsreduzierung und und und können wir das gewonnene Preisgeld direkt wieder in das geliebte Fahrzeug investieren. Das Gute dabei ist, dass die eingebauten Komponenten auch wirklich eine Auswirkung auf das Fahrverhalten unseres Autos haben. Es gilt aber auch zu beachten, dass das ein oder andere Upgrade nur mit abgeschalteten Fahrhilfen in vollem Umfang genutzt werden kann. Ein Rennsportgetriebe bringt zwar immer ein paar Zehntel auf die Runde zusammengerechnet, aber nur wer manuell schaltet, wird den Vorteil richtig ausnutzen können. Auf die zuschaltbaren Fahrhilfen und die KI gehen wir später noch genauer ein. Neben den Credits für jedes Rennen bekommt der Spieler auch Erfahrungspunkte gutgeschrieben. Damit steigen wir im Fahrerlevel auf, das sichert uns mit jeder Stufe auch einen beachtlichen finanziellen Zuschuss, welchen wir sogleich wieder in bessere Autos oder deren Aufwertung stecken können. Je mehr Siege und Erfahrungspunkte wir auf einer bestimmten Automarke ansammeln, desto höher steigt unser Affinitätslevel. Ist unser Ansehen bei einem Hersteller einige Stufen gestiegen, so bekommen wir dessen Upgrades vergünstigt und am Ende sogar kostenlos. Im Laufe der Zeit wird sich also ein schöner Fuhrpark, zusammengesetzt aus allen Klassen, ansammeln. Den wir für die verschiedenen Herausforderungen und Rennserien auch brauchen werden.

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Freude am Fahren

Leider gibt es in „Forza Motorsport 5“ erneut keinen richtigen Karrieremodus, auch wenn er vom Namen her vorhanden ist. Keine Videos, keine lächerlich aufgesetzte Story, nichts. Realistisch betrachtet handelt es sich um aneinandergereihte Rennen in einer Klasse, wo es völlig egal ist ob wir als Erster über die Ziellinien brausen oder nicht. Hier geht ordentlich Rennsportfeeling flöten. Wie schon in „Forza Motorsport 4“ kann der Spieler zwar aus verschiedenen Klassen und Rennserien auswählen, da es bei den Rennen aber weder Punkte noch ein anderes Wertungssystem gibt, entbrennt zu keiner Zeit ein harter Konkurrenzkampf. Es gibt lediglich die Abstufungen Gold, Silber und Bronze. Wobei Gold zum Beispiel für die Plätze 1-3 vergeben wird. Damit ist, von den Erfahrungspunkten abgesehen, ein dritter Platz genauso viel Wert wie ein Sieg. Diese Regelung hätte direkt von Bernie Ecclestone stammen können. Wenn es also keine Meisterschaft mit Punkten gibt, wer hat dann gewonnen? Keine Ahnung, aber am Ende der Rennserie bekommt man noch mal einen Bonus gutgeschrieben. Wer gewonnen hat, ist ja auch egal, es gibt schließlich auch keine Siegerehrungen oder Pokale. Für Rennpuristen mag es ja ausreichend sein, dass es lediglich um das Rennen geht, für eine Karriere ist das aber eigentlich gähnend langweilig und es heißt nunmal Karriere. Man hangelt sich also von Meisterserie zu Meisterserie, wertet sein Auto auf oder kauft sich ein neues. Hier ist leider überhaupt kein Fortschritt zum Vorgänger zu sehen und es bleibt viel Potenzial auf der Strecke. Apropos Strecke, davon gibt es lediglich 14 Stück im Spiel, einige Klassiker wie der Nürburgring aus „Forza 4“ sind leider nicht mehr am Start, doch auch dazu später noch mehr.

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Frischer Lack

Auch der Fuhrpark ist deutlich geschrumpft. Durften wir uns anno 2011 noch an über 400 Fahrzeugen von den verschiedensten Herstellern erfreuen, so sind es 2014 nur noch 200 Exemplare. Die Wirtschaftskrise hat scheinbar auch vor Videospielen nicht halt gemacht. Weitere Autos werden nach und nach als Car-Packs in DLCs erscheinen. Das hört sich jetzt vielleicht negativer an, als es in Wirklichkeit ist. Alle 200 vorhandenen Rennschleudern sind nämlich wieder vom Allerfeinsten und bis ins kleinste Detail herausgearbeitet. Der virtuelle Rundgang um den Wagen mit vielen Hintergrundinfos und kleinen Video-Einspielern und natürlich das virtuelle Cockpit sind nach wie vor alle mit dabei, da wurde wieder das volle Programm aufgefahren. Die Showrooms der Fahrzeuge könnten direkt aus einer Hersteller-Präsentation stammen und zeigen so richtig die Grafikpracht von „Forza Motorsport 5“. Der Lack sieht wieder einmal nicht nur wunderschön aus, der Spieler hat auch erneut die volle Kontrolle über das Aussehen seines Fuhrparks. Nach dem Autokauf kann man sich direkt für einige Designs der Community entscheiden oder man schwingt die Lackpistole und kreiert eigene und stellt diese wiederum der Allgemeinheit zur Verfügung. In der Lackiererei können wir nicht nur die Grundfarbe unseres Rennwagens bestimmen, sondern ihn auch mit diversen Mustern, Aufklebern etc. versehen und ihn zur fahrenden Litfaßsäule umgestalten. Der Kreativität ist dabei eigentlich nur durch die etwas umständliche, gewöhnungsbedürftige aber dann doch ganz eingängige Steuerung, Grenzen gegeben. Mittels einiger Grundformen kann so ziemlich jedes existierende Firmenlogo nachgebaut und gespeichert werden. So können diese Mustergruppen dann für alle Fahrzeuge angewandt werden. Das Ganze ist sehr zeitintensiv und mit Sicherheit nichts für den Gelegenheitsfahrer, dieser wird einfach vorgefertigte Designs verwenden, aber der Aufwand lohnt sich wirklich und ist ein echtes Highlight der „Forza“-Serie. Der Gamertag lautet „TheBadriot“. Ein bisschen hier und dort schrauben Das eigene Auto steht nun also frisch lackiert in der Garage und will endlich den Tiger aus dem Tank lassen. Wer nicht nur als Kätzchen etwas auf der Rennstrecke spielen möchte, der sollte sich unbedingt auch an das Fahrzeugsetup machen. Diese Option findet man etwas unpraktisch bei den Upgrades versteckt und nicht mehr wie früher auch direkt vor jedem Rennen (Vor den Rennen können lediglich schon abgespeicherte Setups geladen werden). Nur wer sein Auto direkt auf die Strecke anpasst, wird ganz vorne mitfahren können, das gilt besonders für den Multiplayer-Modus. „Forza Motorsport“ ist eine Rennsimulation und kein Arcade-Rennspiel. Das muss der Spieler immer im Hinterkopf behalten. Seine Einstellungen im Setup reichen von der Aerodynamik, Fahrwerkseinstellungen wie Federn und Dämpfer, Getriebe, Differenzial und und bis ins kleinste Detail. Auch hier gilt wieder, jede Änderung ist auch auf der Rennstrecke spürbar – sofern die Fahrhilfen ausgeschaltet wurden. Natürlich wirken sich die Bremsbalance und der Bremsdruck gravierender aus, wenn die Fahrhilfe ABS und Bremshilfe abgeschaltet wurde. Ansonsten wird hier Potenzial verschenkt. Damit das richtige Setup einfacher zu finden ist, kann man direkt eine Testfahrt wählen, um während der Fahrt die Einstellungen vorzunehmen. Hat man den goldenen Schlüssel zum Erfolg letztendlich gefunden, kann man das eigene Setup speichern und auch anderen Fahrern zur Verfügung stellen. Wenn euch interessiert, wie man einen Wagen richtig einstellt, dann schreibt doch in die Kommentare und wir erstellen für euch ein kleines Tutorial mit den Grundeinstellungen.

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Sofaathleten unter sich

Ein weiteres Highlight ist natürlich der Multiplayer-Modus. Hier tritt man gegen Fahrer aus aller Welt an. Wobei so richtig allein fährt man in „Forza Motorsport 5“ eigentlich eh nie wirklich. Denn eine der großen, neuen Errungenschaften ist der sogenannte Drivatar. Ein digitales Ebenbild seines Herren. Der Drivatar zeichnet das Fahrverhalten auf; sprich, wie und wann wird gebremst oder auch verbremst, wie wird die Kurve gefahren, wie geschickt wird überholt. Im Offline-Modus tritt man nun gegen die Drivatare der anderen Spieler an. Somit erfährt der Spieler ein ziemlich realistisches Fahrverhalten richtiger Menschen. Wer Freunde in seiner Liste hat, wird auch vornehmlich gegen diese auf der Strecke antreten. Der Drivatar stellt für uns eine richtige Innovation dar und hat in der Praxis sehr gute Ergebnisse abgeliefert. Aber wie immer, nichts schlägt das Erlebnis eines Rad-an-Rad-Duells mit einem Menschen aus Fleisch und Blut. Realistischer geht es nunmal nicht. Sucht man ein Multiplayer-Rennen, so wird man, unabhängig von der gewählten Klasse, sehr schnell fündig. In der Lobby kann zudem über das nächste Rennen abgestimmt werden und mittels Kinect fällt auch die Kommunikation mit den anderen Fahrern nicht schwer. Vor dem Start sollte man nun auch ein passendes Auto und nach Möglichkeit ein gutes Setup wählen. Sind alle Spieler bereit, kann das Rennen losgehen. Sobald die Ampel auf Grün springt und die Motoren aufheulen, sollte sich jeder seiner Grenzen bewusst sein und fair fahren. „Forza Motorsport 5“ ist kein Arcade-Racer, hier wird nicht sinnlos in andere Fahrzeuge reingerammt oder sie gar als Bremshilfe in der Kurve verwendet. Das ist ein absolutes No-Go. Verlässt man nach einem Fahrfehler die Rennstrecke, so sollte man sich ordentlich wieder in den Verkehr einfädeln und nicht quer über die Fahrbahn eiern und anderen das Rennen versauen. Sind Fahrzeugschäden aktiviert, kann das nämlich das vorzeitige Rennende bedeuten. Sobald der Führende die Ziellinie überquert hat, beginnt ein Countdown und alle Fahrer müssen bis er abgelaufen ist auch das Rennen beenden. Danach finden sich alle in der Lobby wieder und die nächste Runde kann beginnen. Natürlich können auch zwei Spieler via Splitscreen an einer Xbox One gegeneinander fahren.

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Ab durchs Kiesbett

Kommen wir zu den bereits angesprochenen Fahrhilfen. „Forza Motorsport 5“ bietet natürlich eine Menge davon, damit auch Grünschnäbel Freude am Fahren entwickeln können. Was nützt einem schon ein italienischer Sportwagen aus Maranello, wenn man ihn auf Teufel komm raus nicht auf der Strecke halten kann. Man muss schließlich Neueinsteigern und Profis gleichermaßen gerecht werden. Den Spagat wagte „Turn 10“ erneut und es ist ihnen gelungen. Alle Fahrhilfen sind stufenweise zuschaltbar und erleichtern den Anfängern den Umgang mit den PS-Monstern um einiges. So kann sich der Spieler neben der Bremshilfe auch die Ideallinie anzeigen lassen, auch automatisches Schalten ist kein Problem, dazu noch die Traktions- und Stabilitätskontrolle aktiveren und sollte jemand dann wirklich immer noch den Abflug ins Grüne machen, so spult er im Singleplayer-Modus einfach mit Y die Zeit zurück und fährt die Kurve erneut. Learning by doing.

Aber bitte nur im Singleplayer!

Es ist schließlich noch kein Meister vom Himmel gefallen. Die Fahrhilfen sind allesamt sehr nützlich und – wie schon erwähnt – einzeln abschaltbar. So kann man an der Fahrzeugbeherrschung feilen und zum Beispiel die Ideallinie nur in der Kurve anzeigen lassen. Bremshilfe durch ABS ersetzen und später sogar komplett deaktivieren. Sukzessive wird man zum kompletteren Rennfahrer – sofern man das möchte. Auch im Multiplayer-Modus können, sofern der Veranstalter dies erlaubt, alle Fahrhilfen aktiviert sein. Dem Realismus tut das recht wenig ab und ohne Fahrhilfen lässt es sich auch besser und schneller fahren. Der Computer weiß schließlich nicht, was der optimale Gang für die nächste Kurve ist oder wie hart das Bremsmanöver sein muss. Die neuen Xbox-Kontroller sind im Übrigen eine unglaubliche Hilfe, darauf werden wir
gleich noch gesondert eingehen müssen. Die Fahrzeuge reagieren überaus realitisch auf die Lenkmanöver, hüpfen über Bodenwellen und brechen bei zu viel Gas hier und da aus. Die Physik ist in „Forza Motorsport“ seit jeher ein ganz wichtiger und hervorragend umgesetzter Faktor. Auf der Konsole gibt es derzeit kein besseres Spiel in diesem Bereich. Es gibt aber auch unschöne Kompromisse. Derzeit wird in der WEC (World Endurance Championship – die Langstreckenmeisterschaft mit Prototypen) darüber diskutiert wie man z. B. LeMans sicherer machen kann. Seriensieger Tom Kristensen (mit 9 Gesamtsiegen der erfolgreichste Fahrer bei den 24h von Le Mans) vertritt hier den interessanten Standpunkt, dass zu viel Sicherheit dem Sport schadet. Fehler müssen bestraft werden. Wenn eine Strecke alle Fehler verzeiht, wie trennt sich dann die Spreu vom Weizen? Ein sehr bekanntes Problem aus der mittlerweile gähnend langweiligen Formel 1. „Forza Motorsport 5“ übertreibt hier aber gewaltig. Fährt man teileweise nur wenige Zentimeter abseits der Strecke, so wird man schlagartig von 300 km/h auf 70 km/h herabgebremst. Die Intention ist ganz klar, es soll der Kampf gegen Cheater, die Schikanen etc. abkürzen wollen, aufgenommen werden und im Ansatz daher sinnvoll. Doof ist aber, wenn man sich verbremst hat und neben die Strecke gerät. Da wird man mal ganz locker doppelt bestraft und verliert völlig den Anschluss. Besonders schlimm ist es in Le Mans. Kurz nach Mulsanne auf der Geraden beim Anbremsen auf die Indianapolis Kurve ist die Toleranzzone direkt an den Curbs. Sprich, man drischt seinen Audi R18 mit 330 Sachen durch den Wald, kommt zu besagtem Rechtsknick und nimmt ihn innen eng. Schwupps. 70 km/h. Das wird hoffentlich mittels Patch noch ausgebessert werden. Denn auch in vielen Multiplayer-Partien kommt es einfach oft dazu, dass man in der Hitze des Gefechts etwas übers Ziel hinausschießt. Davon abgesehen, und wir haben wirklich lange gesucht, ist uns aber weiter nichts Negatives aufgefallen. Auch das Schadensmodell ist erneut hervorragend umgesetzt worden. Bei größeren Beschädigungen ist es unabwendbar, dass man die Boxengasse aufsucht und die Schäden behoben werden. Leider gibt es keine Boxencrew, sodass der Wagen quasi von Geisterhand repariert wird. Dicker Minuspunkt.

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Schönwetterfahrer

In Sachen Grafik versägt „Forza Motorsport 5“ so schnell niemand an der Ampel. Zugegeben, es wird leider nur bei schönstem Wetter gefahren und auch immer nur tagsüber. Aber davon abgesehen gibt es absolut nichts zu bemängeln. Alle Fahrzeugmodelle sehen wunderschön und bis ins kleinste Detail echt aus. Besonders die Cockpitperspektive ist atemberaubend. Hier spiegeln sich die Armaturen und sogar unsere virtuellen Hände in der Scheibe wieder. Respekt, denn das Ganze läuft bei konstanten 60 FPS ab. Da hat man „Need for Speed: Rivals“ mit seinen 30 FPS aber deutlich auf Platz zwei verwiesen. Die Beschädigungen am Auto wirken allesamt realistisch, absolute Krönung sind die tausenden ermordeten Fliegen auf unserer Motorhaube nach dem Rennen. So sollte NextGen aussehen. Alle Fahrzeuge sollen übrigens über den Originalsound verfügen. Da die Ferraris der Redaktion gerade wegen Falsch-Parken nicht verfügbar waren und sich der McLaren bei der Inspektion befindet, können wir das nicht seriös widerlegen und daher müssen wir das einfach mal glauben. Was wir aber sicher sagen können, der Sound ist klasse. Die Fahrzeuge lassen sich alle voneinander unterscheiden. Das Räubern über die Curbs, das Quietschen der Reifen, alles ist super umgesetzt. Im Vergleich zu einigen anderen Rennspielen gibt es keinen Radiosender, aber es handelt sich hier auch um Motorsport, nicht um Sonntagsausflüge.

Etwas kontrollieren, das außer Kontrolle ist

Tom Cruise liebt es, im Rennfilm „Days of Thunder – Tage des Donners“, etwas zu kontrollieren, was außer Kontrolle ist. Er meint damit seinen Rennwagen und der Spieler darf in „Forza Motorsport 5“ ähnliches vollbringen. Grund dafür ist der nagelneue Kontroller der Xbox One. Dieser wurde nämlich in Zusammenarbeit mit dem Entwicklerstudio „Turn10“ von „Microsoft“ entwickelt. Keine Wunder, dass die neuen Features in Ihrem Spiel dann auch als erstes zum Einsatz kommen. Das besondere daran ist, im Vergleich zum Kontroller der Xbox 360 arbeiten hier zwei weitere Motoren im Gehäuse. Die LT und RT sind nun mit Force-Feedback ausgestattet. Viele werden jetzt stöhnen und an sinnloses Gerüttel denken. Bei „Forza 5“ aber weit gefehlt. Durch die feine Abstimmung bekommt der Spieler jederzeit Feedback über das Verhalten des Autos, besonders die Haftung wird mitgeteilt. Der Kontroller wird quasi zu Hans-Joachim Stucks legendärem Popometer. Geben wir zu viel Gas und die Reifen beginnen durchzudrehen, so beginnt der Trigger ganz langsam zu rütteln und der Spieler weiß somit, dass er etwas Gas zurücknehmen muss. Genauso verhält es sich beim Anbremsen auf Kurven und Schikanen. Hoffentlich wird dieses Feature auch bald in anderen Spielen eingesetzt, denn das Feedback ist wirklich Gold wert und hat sich einen Award für die Steuerung verdient. Beim Lackieren unseres Rennwagens hätten wir uns hingegen aber gewünscht, dass es ein Feature wie bei „FIFA“ gäbe, wo wir die Textur auch bequem am PC erstellen und später auf die Konsole importieren können. So ist es doch etwas umständlich und erfordert Geduld. Hochschalten, Runterschalten, Runterladen „Forza Motorsport 5“ wird wieder einige DLCs anbieten. Bis jetzt sind bereits zwei Car-Packs erschienen. Ob auch Trackpacks angeboten werden, ist derzeit unklar. Dem Rennspiel täte es sicherlich gut. 14 Stecken sind deutlich zu wenig, besonders wenn man bedenkt, dass viele Fahrzeuge auf vielen Strecken nicht sinnvoll fahren können. Wir vermissten in unserem Test auch den Nürburgring, einstig die Paradestrecke von „Forza Motorsport“. Der Umfang steht deutlich im Schatten von „Forza Motorsport 4“. Hier hatte man gut doppelt so viel Fahrzeuge und Rennstrecken zur Auswahl. Da es sich um einen Release-Titel der Xbox One handelt, wird man den Eindruck nicht los, dass hier einiges mit heißer Nadel gestrickt wurde. Von der Grafik und dem Kontroller abgesehen ist „Forza 4“ eigentlich das bessere Rennspiel mit deutlich mehr Umfang. An sich nicht schlimm, die neue Konsolengeneration wird viel mehr als in der Vergangenheit von Updates und DLCs leben. Man darf also hoffen, dass hier noch einiges auf den Spieler zukommt.

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Fazit
Mit leichten Mängeln ohne Probleme den MGM TÜV bestanden. „Forza Motorsport 5“ ist das beste Rennspiel auf der Konsole. Punkt. Die Grafik ist brillant, das Fahrgefühl herrlich. Am liebsten wäre ich aus dem Auto ausgestiegen und hätte Prag erkundet. Leider fehlen aber nach wie vor richtige Rennserien und Meisterschaften mit Punktesystem, sodass viel Atmosphäre verloren geht. Auch der Umfang ist im Vergleich zu „Forza Motorsport 4“ deutlich geschrumpft. Vermutlich werden auch noch Trackpacks erscheinen, aber die wollen ja auch bezahlt werden. „Forza 5“ bekommt von uns eine 89% Wertung. Das klingt hervorragend und das ist es auch. Mit mehr Strecken, einigen Fahrzeugen dazu, Tag und Nachtrennen (das wäre für Le Mans sehr wichtig) und einem Punktesystem stünden hier aber sicherlich eher 96%. Das Spiel macht sowohl den Einsteigern als auch den Rennprofis in unserer Redaktion eine Menge Spaß und ist damit die absolute Kaufempfehlung im Segment Rennsimulation auf der Xbox One. Wunderschönes Autos, traumhafte Strecken, perfektes Fahrverhalten, geniale Kontrollerunterstützung, Rennsport pur, das ist „Forza Motorsport 5“. Wenn ihr Tutorials zum Fahrzeugsetup oder der Lackiererei wünscht, dann schreibt uns das in den Kommentaren. Mit einem Zitat von Steve McQueen verabschieden wir uns nun wieder auf die Rennstrecke:

„A lot of people go through life doing things badly. Racing’s important to men who do it well. When you’re racing, it’s life. Anything that happens before or after is just waiting“

Positiv

  • Sehr gute Grafik
  • Gute Fahrphysik
  • Gute Langzeitmotivation
  • Drivatar als Innovation

Negativ

  • Geringer Umfang
  • Kein Punktesystem
  • Keine Nachtrennen
89
Tim-Oliver Siegwart

Geschrieben von: Tim-Oliver Siegwart

Seit bereits über 30 Jahren Gamer mit Leib und Seele. Bei den Mightys quasi der Experte für Rennsimulationen und Shooter. In der Gamesbranche tätig, dabei unter anderem als Producer, PR-Manager, Localization Manager, QA Lead und Submission Manager bei mehreren Entwicklerstudios und Publishern.

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Neueste Kommentare

  • Florian Richter Florian Richter: Ja Telltale weiß einfach wie man die Fans der Filme und die der Comics vereinen kann. Die Charaktere sind wirklich gut gelungen und man muss nicht überlegen wen man da auf dem Bildschirm hat.
  • Tim: Habe Guardians im Flugzeug gespielt, davor den 1. Kinofilm gesehen. Die Umstellung im Design der Charaktere ging recht schnell und ist einfach auch richtig gut gemacht.
  • Dominik Probst Dominik Probst: Kann ich schon verstehen. Aber Merchandise ist immer schön anzusehen :D