Als Kaiserin lebt man in Dunwall gefährlich. 15 Jahre nach der Ermordung von Jessamine Kaldwin droht nun auch ihrer Tochter und Thronfolgerin Emily Unheil.

Die Geschichte

Eine Frau namens Deliah beansprucht die Herrschaft für sich und putscht Emily mit der Unterstützung des Herzog von Serkonos vom Thron. Hier beginnt die eigentliche Geschichte von „Dishonored 2“. Als Emily Kaldwin oder als ihr Vater Corvo Attano (der Protagonist des ersten Teils) nehmen wir den Kampf mit den Verschwörern auf. Nach der Flucht aus Dunwall führt uns unsere Reise nach Karnaca, die Hauptstadt von Serkonos. Hier nehmen wir die Spur der Verschwörer auf.

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 Unsere Hauptaufgabe besteht vor allem darin, die wichtigsten Drahtzieher des Putsches aufzuspüren und auszuschalten. Dabei sammeln wir natürlich so viele Informationen wie wir können und erfahren auch so manches über die mysteriöse Delilah, die ein düsteres Geheimnis umgibt.

Der Zirkel der Verräter besteht zwar aus sehr interessanten Charakteren, die letztlich aber etwas farblos bleiben. Wir bekommen meist nur kurze Einblicke in deren Machenschaften wodurch wir ihnen gegenüber kaum eine echte Emotionalität entwickeln. Die Geschichte ist also solide Standardkost. Wir arbeiten einen Schauplatz nach dem anderen ab und fügen Stück für Stück das Puzzle der Geschehnisse zu einem Gesamtbild zusammen. Große Überraschungen bleiben hierbei aber aus.

Die Spielwelt

Der Großteil der Handlung spielt in der Küstenstadt Karnaca. Hier bereisen wir verschiedene Viertel, die meistens recht ähnliche Charakteristiken aufweisen. Neben einer gut bewachten Hauptstraße finden sich enge Gassen, Hinterhöfe und Dächer, über die wir uns unseren Weg bahnen können. Oftmals hilft auch die Durchquerung eines der zahlreichen, eng stehenden Gebäude, von denen nicht wenige mit gefährlichen Insekten regelrecht verseucht sind. In versteckten Winkeln finden sich zudem Schwarzmarkthändler, bei denen wir unsere Ausrüstung aufstocken oder verbessern können.
Das Spielareal ist zwar nicht weitläufig, aber durch den Aufbau über mehrere Ebenen dennoch sehr vielseitig. Insbesondere durch die Fähigkeit uns über kurze Distanzen zu teleportieren, lassen sich auch vermeintlich unzugängliche Areale der Karte erkunden. Diese bergen mitunter Artefakte, die uns einen tieferen Einblick in die Geschichte geben, oder uns die Möglichkeit eröffnen, neue Fähigkeiten zu erlernen. Es lohnt sich also, nicht immer den direkten Weg einzuschlagen.

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Die unglaublich dichte Atmosphäre der fantasievollen Steampunk-Welt hat uns während unseres Tests immer wieder ins Schwärmen gebracht. Sowohl die mit Liebe zum Detail entworfenen und eingerichteten Gebäude als auch die Vielzahl zu entdeckender und wundervoll anzusehender Gegenstände machen jeden Winkel des Spiels zu einem Blickfang.

Ein Schwachpunkt ist die nur schwach gesäte Bevölkerung. Wo wir in Titeln wie „Assassins Creed“ in der Menge untertauchen können, oder in „The Witcher 3“ das Leben auf Märkten und in Tavernen tobt, tummeln sich in „Dishonored 2“ nur eine Handvoll Zivilisten. Hier wird das Stadtbild vor allem von den allgegenwärtigen Wachen und anderen wenig freundlichen Zeitgenossen bestimmt. Entsprechend selten bietet sich die Gelegenheit zur Interaktion mit den Anwohnern. Zwar lassen sich vereinzelt Nebenaufgaben entdecken, ein wenig mehr Leben hätte dem Spiel aber dennoch gutgetan.

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In der Ruhe liegt der Spaß!

Zwar ist der Verlauf der Rahmenhandlung fest abgesteckt, doch es liegt am Spieler selbst, wie er sie im Detail ausgestaltet. Das Spiel lässt uns die Entscheidung, ob wir schleichen und betäuben oder stürmen und töten wollen. Oder stürmen und betäuben? Oder schleichen und töten? Mit übernatürlichen Kräften oder ohne? Direkt von Missionsziel zu Missionsziel oder wollen wir zusätzlich die Welt erkunden? Vor allem wer gerne mit verschiedenen Alternativen experimentiert wird hier seine Freude haben.

Eben diese Freiheit und die unzähligen Möglichkeiten, ans Ziel zu gelangen, machen jede Spielerfahrung ein Stück weit einzigartig. Unsere Spielweise bestimmt dabei auch maßgeblich die Spieldauer. Wer sich geradlinig und ohne Rücksicht auf Verluste durch die Missionen schlägt, wird das Ende des Spiels sehr schnell erreichen. Wer hingegen auf Schleichen und Erkunden setzt, ist bis zu 20 Stunden mit seinem ersten Durchlauf beschäftigt. Am Ende jedes Abschnitts wird unser Vorgehen analysiert. In Abhängigkeit davon, wie viel Chaos und wie viele Tote wir auf unserem Weg verursachen, verändern sich die Kommentare unseres Protagonisten und auch für das Ende unserer Geschichte, stehen zwei alternative Varianten bereit.

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Zwar bietet „Dishonored 2“ die Möglichkeit, durch brutales Vorgehen sehr schnell voran zu kommen, doch dafür ist dieses Spiel eigentlich nicht gemacht. Denn wer nur mit Blick auf die Geschichte durch die Missionen eilt, verpasst das, was eigentlich an Titel am meisten Spaß macht: das Erkunden der detailverliebten Welt, die uns immer wieder fasziniert inne halten lässt.

Das Gameplay

Das sichtlich auf Konsolen ausgelegte Gameplay geht auch am PC gut von der Hand. Dass das Spiel für Konsolen ausgelegt ist, macht sich vor allem beim Kampfsystem bemerkbar. Hier ist nicht die absolute Präzision gefragt, was teils zu einem etwas schwammigen Gefühl führt, uns das Ausschalten von Gegnern bisweilen aber auch deutlich erleichtert. Sowohl Corvo als auch Emily können auf übernatürliche Fähigkeiten zurückgreifen. Je nach dem, für welche Figur sich der Spieler entscheidet, stehen andere Optionen zur Verfügung. Sie vereinfachen vor allem das ungesehene Durchqueren der Spielwelt. Wer solchen Fähigkeiten jedoch nichts abgewinnen kann, kann sich auch frühzeitig zum Verzicht entscheiden. Aber „Dishonored 2“ bietet nicht nur Altbewährtes. Ein Highlight ist ein Abschnitt, in dem das gerne verwendete Element der Zeitreise in einer völlig neuen Art verwendet wird.

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[VORSICHT der folgende Absatz enthält leichte Spoiler]
Mittels eines eigenen Werkzeuges bewegen wir uns physisch in der einen Zeit, während wir durch eine Art Fenster parallel in eine andere blicken. Darüber hinaus können wir beliebig zwischen den Zeiten hin und her wechseln, um die Vergangenheit zu manipulieren und so Einflüsse auf die Gegenwart zu bewirken.[Spoiler ende]

Neben Schleich- und Kampfeinlagen bietet das Spiel immer wieder einige Rätsel. Zwar fallen diese meist recht einfach aus, indem wir mit ein wenig Sucharbeit zum Beispiel die Kombination für einen Tresor aufstöbern müssen, aber auch für Rätselkönige hat das Spiel eine harte Nuss zu bieten! So können wir uns in einem Teilabschnitt des Spiels eine ganze Menge Ärger ersparen, indem wir uns an das Knacken einer Türkombination heranwagen. Die nötigen Hinweise hierzu liefert ein komplexer Text, über den wir nach und nach die Kombination entschlüsseln können. Der Schwierigkeitsgrad liegt hier weit über dem, was man in ähnlichen Spielen sonst vorfindet, aber wer knifflige Rätsel mag, wird gerade das zu schätzen wissen.

Grafik und Vertonung

So brillant das Artdesign des Spiels auch ist, die Grafik hinkt hier etwas hinterher. Immer wieder fallen unscharfe Texturen auf und die Animationen der Figuren wirken bisweilen etwas steif. In Anbetracht der ansonsten atemberaubenden Spielwelt jammert man hier aber auf hohem Niveau. In der uns vorliegenden PC-Version sind vor allem bei der Vertonung immer wieder Probleme aufgetreten. So brachen Gespräche denen wir lauschten oft sehr abrupt und vollständig ab, wenn wir uns nur leicht davon abwandten oder einen Schritt in die falsche Richtung taten.

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Auch die Soundkulisse im Hintergrund setzte bei verschiedenen Gelegenheiten aus. Immer wieder entgingen uns so wichtige Informationen oder die Atmosphäre wurde empfindlich gestört. Es bleibt zu hoffen, dass hier ein Patch noch Abhilfe schafft. Die Synchronisation ist gut aber nicht überragend. Insbesondere Emotionen werden von einzelnen Sprechern nicht immer überzeugend transportiert.

Fazit

„Dishonored 2“ ist zweifellos das beste Stealth-Spiel, das seit Jahren auf den Markt gekommen ist. Die unglaublich dichte Atmosphäre gepaart mit den vielen großen und kleinen Geheimnissen sowie dem unglaublich beeindruckenden Artdesign erschaffen eine einzigartige wie auch faszinierende Spielwelt, die zum Erkunden einlädt. Durch die verschiedenen Fähigkeiten der beiden Hauptcharaktere ergeben sich unzählige Möglichkeiten, das Spiel zu meistern und sich den unauffälligsten Weg durch die Geschichte zu erarbeiten. „Dishonored 2“ legt damit die Messlatte für dieses Genre ein ganzes Stück nach oben. Für leidenschaftliche Schleicher also ein absolutes Muss!

Wer jedoch keinen großen Wert auf Heimlichkeit legt und nur wenig Freude am Experimentieren mit verschiedenen Lösungswegen hat, sollte vor einem Kauf gut abwägen. Die Geschichte von „Dishonored 2“ ist zwar gut, jedoch nichts Besonderes und wie schon im ersten Teil, vergleichsweise kurz gehalten. Das Spiel bietet zwar eine sehr intensive Erfahrung, doch der Wiederspielwert ergibt sich vor allem durch die Freude am Ausprobieren verschiedener Vorgehensweisen. Wer diese nicht mitbringt, sollte vielleicht noch die ersten Rabatt-Aktionen abwarten.

Spielerisch ist „Dishonored 2“ gegenüber seinem Vorgänger keine Revolution, hat aber doch einige innovative Ideen in Petto. Zudem trauen sich die Entwickler, den Spieler vor echte Herausforderungen zu stellen. Dabei bleibt es allerdings jedem selbst überlassen, ob man diese auch annimmt oder doch lieber einen einfacheren Weg einschlägt. Das erspart Frust und bietet ambitionierten Spielern zugleich ein forderndes Spielerlebnis.
Wie gut oder schlecht, wie schwierig oder einfach „Dishonored 2“ letztlich ist, hängt vom jeweiligen Spieler ab. Uns hat die Spielwelt beeindruckt und die Suche nach immer neuen Wegen sehr viel Spaß bereitet. Schade ist nur, dass in dieser so außergewöhnlichen Spielwelt eine doch eher schlichte Geschichte erzählt wird, die nur in wenigen Momenten wirklich fesseln und begeistern kann. Auch die teilweise leblos wirkende Stadt und kleinere Probleme mit dem Ton trüben den ansonsten sehr positiven Gesamteindruck.

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Positiv

  • Faszinierende Spielwelt
  • Innovative Ansätze
  • Vielseitige Spielweise
  • Viel zu entdecken

Negativ

  • Zu wenig Tiefgang
  • Probleme mit dem Ton
  • Etwas leblose Spielwelt
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Christian Heldmaier

Geschrieben von: Christian Heldmaier

Gelernter Mediengestalter und Master of Science in der Fachrichtung Publishing. Zertifizierter Social Media Manager mit Erfahrung im Verlagsmarketing und hauptberuflich derzeit im Webmonitoring tätig.

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