Assassin’s Creed Origins – Eine Reise ins Alte Ägypten

Nach Assassin’s Creed Syndicate legte Ubisoft ein Jahr Pause ein. Nun ist die erfolgreiche Spielreihe mit Assassin’s Creed Origins zurück und entführt uns diesmal ins Alte Ägypten. Ob die Zeitreise gelungen ist, zeigt euch unser Test.

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Zurück in die Heimat

In Assassin’s Creed Origins schlüpfen wir in die Rolle von Bayek, der nach einem Jahr der Abwesenheit in seinen Heimatort Siwa zurückkehrt. Hier hat sich seit seiner Abreise allerdings einiges verändert und definitiv nicht zum Guten. Bayek, der früher der Medjai des Dorfes war, also eine Art Gesetzeshüter, sieht sich nun dem mächtigen Medunamun gegenüber, der die Einwohner Siwas unterdrückt. Dieser ist besonders interessiert an einem alten Gewölbe unterhalb des Tempels und versucht mit Gewalt mehr darüber zu erfahren. Daher ist es Bayeks höchstes Ziel, Medunamun zu töten und seiner alten Heimat ihre Freiheit zurückzubringen. Um dies zu erreichen, schließt er sich mit alten Freunden zusammen, die ihn bei seinem Vorhaben unterstützen. Doch es ist nicht nur Mudunamun, der als Ibis bekannt ist, mit dem sich Bayek auseinandersetzen muss. Unser Protagonist hat es auf verschiedene mysteriöse Gestalten abgesehen, die als die Maskierten bekannt sind. Neben dem Reiher, der auf den Namen Rudjek hört und den Bayaek bereits in der Anfangsszene aus dem Verkehr gezogen hat, sowie dem bereits erwähnten Ibis in Siwa sind es noch weitere anfangs namenlose Widersacher, die wir in den verschiedenen Regionen ausschalten müssen. Wie wir anhand von Rückblenden erfahren, waren alle namenlosen Männer an einem Hinterhalt beteiligt, der Bayeks Leben für immer verändert hat. Wir befinden uns also auch in Origins auf dem ultimativen Rachefeldzug, wie so oft in der Assassin’s-Creed-Reihe. Auf unserer Reise verschlägt es uns nicht nur in ägyptische Städte wie Alexandria oder in die Wüste, sondern auch in die altehrfürchtigen Pyramiden, die diverse Geheimnisse und Schätze für uns bereithalten. Auch wenn Bayek die zentrale Figur der Geschichte ist, erlaubt es das Spiel, wie bereits im Vorgänger, in die Rolle einer zweiten, weiblichen Figur zu schlüpfen. Hierbei handelt es sich um Bayeks Geliebte Aya, die wir im Laufe der Geschichte kennenlernen werden.

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Alles neu

In den letzten Jahren musste sich Ubisoft immer wieder die Kritik gefallen lassen, dass die Assassin’s-Creed-Spiele zu sehr auf Nummer sicher gehen und einfach zu wenig vom altbewährten Spielprinzip abweichen. Sowohl in Sachen Kampfsystem, als auch bei den Klettereinlagen oder den Schleichpassagen wusste man als Fan der Reihe immer ganz genau, was einen erwartet und auf was man sich einstellen muss. In diesem Jahr hat Ubisoft definitiv an den Grundfesten der Spielreihe gerüttelt und einiges von Grund auf erneuert.

Eine von Beginn an sehr auffällige Neuerung ist das Kampfsystem. Hier fangen die Änderungen schon bei der Optik an, denn nie waren wir in den Kämpfen von der Perspektive her näher am Geschehen dran. Aber auch die Zeiten, in denen die Gegner ihre Angriffe mit einem kleinen Symbol ankündigten, sodass wir diese bequem parieren und anschließend zum Gegenangriff ausholen konnten, sind vorbei. Nun stehen uns in den Nahkämpfen grundlegend zwei Angriffe, nämlich ein leichter sowie ein schwerer zur Verfügung, wobei letzterer die Deckung der Feinde durchbricht, wenn diese unsere Attacken mit ihrem Schild blocken. Da es keine Angriffsanzeige mehr gibt, müssen wir die Bewegungen unserer Feinde genau im Auge behalten, um sie mit unserem Schild abwehren zu können. Hier kommt es viel stärker als in früheren Teilen auf das exakte Timing an, was gerade zu Beginn für einige Niederlagen sorgen könnte. Ergänzend hierzu steht uns eine Ausweichbewegung zur Verfügung, die es uns erlaubt, uns aus der Gefahrenzone zu bewegen. Eine weitere Neuerung ist unsere Spezialattacke, die wir in alter Beat-em-up-Manier durch verursachten Schaden aufladen müssen. Ist sie bereit, offenbart sie sich als brutaler Finishing-Move, der unseren Feinden ordentlich zusetzt. Insgesamt weiß das neue Kampfsystem ohne Frage zu gefallen. Es erinnert in seinen Grundzügen an das Nahkampf-Gemetzel For Honor, ebenfalls aus dem Hause Ubisoft, und lässt die Kämpfe deutlich intensiver wirken. Dennoch habe ich als Fan der Reihe das altbewährte Kampfsystem, das mich über die Jahre begleitet hat, schon ein bisschen vermisst und die Umstellung ging auch nicht ganz einfach von der Hand.

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Auch die Klettereinlagen wurden merklich überarbeitet. Während die Assassinen in den älteren Teilen sehr leichtfüßig die steilen Häuserfassaden hochgeklettert sind, wirken die Bewegungen in Origins sehr viel realistischer und schwerfälliger. Sie erinnern oftmals, was wohl auch am gewählten Setting liegt, eher an Schatzsucher-Spiele wie Uncharted, als an die Assassin’s-Creed-Reihe. Ob dies ein positiver oder negativer Aspekt ist, muss letztlich jeder für sich selbst entscheiden. Für meinen Geschmack hat man sich auch hier ein Stück zu weit von den Wurzeln entfernt, da man sich als Fan der Reihe ja auch schon auf die gewohnten Spielmechaniken freut.

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Sehr gut gefallen hat mir hingegen die Möglichkeit, auf einen Greifvogel zurückzugreifen, um in luftiger Höhe die Umgebung zu erkunden. Auf diese Weise lassen sich nicht nur Feinde ausmachen, sondern beispielsweise auch unterschiedliche Rohstoffe entdecken, von Holzvorkommen bis hin zu Herden an Wildtieren, die wir jagen können, um an ihr Leder zu kommen. Die Rohstoffe benötigen wir zum Herstellen verschiedener Ausrüstungsteile, wie zum Beispiel einem Köcher, der es uns erlaubt, mehr Pfeile zu tragen, oder einer Armschiene, die unseren Nahkampfschaden erhöht. Neben unserem Hauptziel warten in unserer Umgebung auch viele verschiedene kleinere Aufgaben auf uns, die uns dabei helfen, Erfahrungspunkte zu sammeln und dadurch im Level aufzusteigen. Auch diese können wir durch Einsatz unseres Vogel-Freundes bequem aus der Luft erkennen und markieren, um sie anschließend zu Fuß oder zu Kamel zu erreichen.

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Dank der Anzeige des empfohlenen Levels, die wir im Quest-Log neben sämtlichen verfügbaren Aufgaben ablesen können, wissen wir sofort, ob der jeweilige Job für uns schon machbar ist, oder, ob wir erst noch nach leichteren Aufgaben Ausschau halten müssen. Die Aufgaben präsentieren sich hierbei als ausreichend abwechslungsreich und reichen vom Töten von Gegnern, über das Beschaffen bestimmter Gegenstände, bis hin zum Erkunden von Gräbern. Um für zusätzliche Abwechslung zu sorgen, besteht außerdem die Möglichkeit, von feindlichen Gruppen kontrollierte Lager anzugreifen und zu befreien. Hierbei müssen wir uns nicht nur auf zahlreiche Gegner, vom Nahkämpfer bis hin zum Bogenschützen, einstellen, sondern bekommen es außerdem mit mächtigen Hauptmännern zu tun, bei denen wir all unser Geschick einsetzen müssen. Aber auch an anderen Stellen bekommen wir es mit anspruchsvollen Bossgegnern zu tun, was in der Historie der Spielreihe nicht immer der Fall war. Im späteren Verlauf können wir uns außerdem auf die aus Assassin’s Creed Blackflag bekannten Seegefechte freuen, wodurch auch die Piraten unter uns nicht zu kurz kommen.

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Atmosphärische Welten mit kleineren Tücken

Die Atmosphäre des Alten Ägypten ist insgesamt wirklich hervorragend eingefangen worden, egal, ob wir uns in den Dörfern, den größeren Städten oder in einer der Pyramiden aufhalten. Details wie die Lichteffekte oder der aufgewirbelte Sand unter unseren Füßen sorgen für eine realistische Umgebung. Auch Nebeleffekte oder die Bewegung der Bäume im Wind sehen wirklich sehr gut aus. Gleiches gilt beispielsweise auch für die Spiegelungen auf unseren Waffen oder dem Schild auf unserem Rücken, und auch die Veränderung der Tageszeit ist wirklich sehr stimmungsvoll gezeichnet. Gerade in der Dämmerung entfaltet das Spiel seine wahre Pracht, wenn die Dörfer von Fackeln erhellt werden. Trotzdem hat Assassin’s Creed Origins hier und da mit kleineren grafischen Patzern zu kämpfen. So verfärbt sich das Gewand unseres Assassinen während den Kämpfen zwar überzeugend blutrot, leider ist die Verfärbung aber schon nach wenigen Augenblicken wieder vollständig verschwunden und die Kleidung erstrahlt in altem Glanz. Auch die Bewegung unserer Robe kann nicht voll und ganz überzeugen. Wenn wir uns durch die Welt bewegen, verhält sich der herunterhängende Stoff noch sehr realistisch, innerhalb der Kämpfe bleibt er aber oftmals einfach steif, was gerade bei ausladenden Drehungen doch sehr auffällig ist. Gleiches gilt für die Beine unseres Protagonisten, die sich beim Laufen gerne einmal durch den Stoff hindurch bewegen, was wirklich alles andere als schön aussieht. Nichtsdestotrotz ist das Alte Ägypten ein optisches Meisterwerk, das förmlich danach schreit, von uns erkundet zu werden. Die riesige Spielwelt überzeugt ab der ersten Spielminute und je weiter wir vorankommen, desto größer wird die Faszination.

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Fazit:

Assassin’s Creed Origins beleuchtet die Anfänge des Assassinen-Ordens und nimmt uns dabei mit in ein stimmungsvolles, hervorragend inszeniertes Ägypten, das zum Erkunden, Verweilen und Bestaunen einlädt. Neben dem grafischen Bombast, der zwar an einigen kleineren Stellen ein paar Unstimmigkeiten aufzuweisen hat, aber dennoch insgesamt wirklich überzeugt, ist es auch gerade das überarbeitete Gameplay, das den neusten Teil der erfolgreichen Reihe ausmacht. Hier entfernt sich Ubisoft doch ein gutes Stück vom bewährten Assassin’s-Creed-Konzept und bietet uns gerade in den Kämpfen ein völlig neues Erlebnis, das auch definitiv zu gefallen weiß. Dennoch sollten sich passionierte Assassin’s-Creed-Spieler darüber im Klaren sein, dass mit den Neuerungen auch das bekannte Spielgefühl ein wenig verloren geht und durch ein neues, moderneres ersetzt wird. Wer am alten System hängt, könnte daher gerade in der Anfangsphase einige Eingewöhnungsschwierigkeiten haben. All diejenigen, die sich hingegen schon immer eine experimentierfreudigere, mutigere Herangehensweise an das AC-Thema gewünscht haben, werden Origins von Beginn an lieben.

Positiv

  • Überzeugende Darstellung des Alten Ägypten
  • Riesige Spielwelt lädt zum Erkunden ein
  • Viele Nebenquests
  • Stimmige Geschichte mit zwei Charakteren
  • Neues Kampfsystem
  • Greifvogel zum Auskundschaften der Umgebung

Negativ

  • Diverse kleinere Grafikfehler
  • Klassisches Assassin's-Creed-Spielgefühl ging etwas verloren
85
Daniel Walter

Geschrieben von: Daniel Walter

Hat seit der ersten PlayStation keine Konsolengeneration ausgelassen und interessiert sich vor allem für Adventures, RPGs und Actiongames. Neben der Arkham- und Assassin's Creed Reihe liegen auch sämtliche Star-Wars-Titel stets hoch im Kurs.

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  1. Tim-Oliver Siegwart
    Tim-Oliver Siegwart 10. November 2017 | Antworten
    Die Neuausrichtung gefällt mir sehr gut. Die Architektur ist wunderschön und die Story gut gemacht. Auch die vielen Nebenquests und jetzt mit Level 40 die Community Events sind super. Das ewige geklettere und Dauerblocken aus den Vorgängern war einfach idiotisch, finde das jetzt überzeugender.
  2. Daniel Walter
    Daniel 10. November 2017 | Antworten
    Ich war immer ein Fan der alten Herangehensweise und vermisse es daher im neuen Teil ein wenig. Trotzdem ist Origins wirklich gut, auch wenn es nicht an meine Favoriten AC 2 und AC Black Flag heranreicht.
  3. Tim-Oliver Siegwart
    Tim-Oliver Siegwart 10. November 2017 | Antworten
    Black Flag hat mich von der Story her nicht packen können, hatte mir mehr erwartet und das Gameplay war damals einfach nichts für mich. Ist ja aber immer so, wenn in/an einer Serie was geändert wird, gibt es immer unterschiedliche Meinungen.

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  • Tim-Oliver Siegwart Tim-Oliver Siegwart: Black Flag hat mich von der Story her nicht packen können, hatte mir mehr erwartet und das Gameplay war damals einfach nichts für mich. Ist ja aber immer so, wenn in/an einer Serie was geändert wird, gibt es immer unterschiedliche Meinungen.
  • Daniel Walter Daniel: Ich war immer ein Fan der alten Herangehensweise und vermisse es daher im neuen Teil ein wenig. Trotzdem ist Origins wirklich gut, auch wenn es nicht an meine Favoriten AC 2 und AC Black Flag heranreicht.
  • Tim-Oliver Siegwart Tim-Oliver Siegwart: Die Neuausrichtung gefällt mir sehr gut. Die Architektur ist wunderschön und die Story gut gemacht. Auch die vielen Nebenquests und jetzt mit Level 40 die Community Events sind super. Das ewige geklettere und Dauerblocken aus den Vorgängern war einfach idiotisch, finde das jetzt überzeugender.