A Hat in Time

Über vier Jahren befand sich der über Kickstarter finanzierte 3D-Platformer in der Entwicklung. Nun ist das Spiel endlich fertig – und kann sich sehen lassen.

A Hat in Time ist ein 3D-Platformer, der laut Aussage der Entwickler an Klassiker wie Super Mario 64 und Banjo-Kazooie anlehnt. Zur Zeit der Veröffentlichung gibt es vier bunt gestaltete Welten, in denen die Protagonistin Hat Kid verlorene Zeitfragmente sammelt, um ihre Heimreise zu vollenden. Die Ähnlichkeit zu den vorher genannten Titeln zeigt sich sowohl im Gameplay als auch in der Präsentation des Spiels: Eine zentrale Hubwelt, eine Variation an zu sammelnden Gegenständen, in Akte unterteilte Welten, die sich bei jedem Besuch etwas anders anfühlen, aber auch viel Humor, leichtherzige Charaktere, eine Cartoon-Grafik und eingängige Hintergrundmelodien. Dennoch bietet das Spiel viel Abwechslung und steht auf seinen eigenen Beinen.

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Gameplay

In typischer Jump&Run-Manier muss Hat Kid Levels navigieren und meistern. Diese Levels sind, für gewöhnlich, offen Gestaltet und belohnen das Erkunden. Es ist also keineswegs Notwendig, die vom gewählten Akt abhängige Aufgabe direkt zu lösen. Im Gegenteil, werden die detailreichen Umgebungen größtenteils ignoriert, verliert das Spiel an Charme. Aufgaben sind immer abwechslungsreich: Zu bekannten Elementen wie das Sammeln bestimmter Gegenstände, Schleichsequenzen oder das Besiegen eines Endgegners kommen unter anderem die Unterstützung eines Filmdrehs oder das Lösen eines Kriminalfalls. Es kommt nie Langeweile auf.

Wie man bereits vom Namen schließen kann spielen Hüte in A Hat in Time eine zentrale Rolle. Im Verlauf des Spiels werden unterschiedliche Kopfbedeckungen gesammelt, die es dem kleinen Mädchen durch spezifische Fähigkeiten erleichtern, die Welt zu erforschen und Gegner zu bekämpfen.
Die Steuerung ist intuitiv und geschmeidig. Auch kleine Details wie schnelles Klettern an Leitern oder Krabbeln sowie das einfache Wechseln der Hüte während des Spielflusses sind entgegenkommend. Selten kommt es zu Situationen, die sich so anfühlen, als würde man gegen das Spiel spielen.

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A Hat in Time ist keinesfalls schwer. Hat Kid hält bis zu vier Treffer aus und die Lebensleiste lässt sich durch die vielen Herzen, die in jedem Level platziert sind, schnell wieder auffüllen. Sollte dennoch das Leben ausgehen kommt es nicht zum klassischen Game Over. Das Spiel wird am letzten Kontrollpunkt wieder aufgenommen, alle gesammelten Gegenstände werden beibehalten. Der niedrige Schwierigkeitsgrad eignet sich durchaus für junge Spielerinnen und Spieler. Aber auch wenn man sich durch die Schwierigkeit nicht gefordert fühlt, kann man A Hat in Time genießen, in dem man die Welt erkundet und das Spiel auf sich wirken lässt.

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Spielelemente
Hat Kids Raumschiff dient als zentraler Hub und ermöglicht Zugang zu den anderen Levels. Jedes Level verfolgt eine andere Thematik. Im ersten Kapitel, Mafia Town, wird eine kleine Inselstadt besucht, die fast ausschließlich von den kräftigen, wenngleich auch etwas dümmlichen, Mitgliedern der Mafia bewohnt wird. Das zweite Kapitel, Battle of the Birds, spielt im Dead Bird Filmstudio. Hier wetteifern zwei geflügelte Regisseure um den ausstehenden Filmpreis. Das dritte Kapitel, Subcon Forest, spielt größtenteils in einem unheimlichen Wald. Dort trifft Hat Kid auf den mysteriösen Snatcher, für den sie Verträge erfüllen muss. Das finale Kapitel heißt Alpine Skyline und spielt in einer Berglandschaft.

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Jedes Kapitel ist in mehrere Akte unterteilt. In jedem Akt muss eine andere Aufgabe erfüllt werden, um ihn abzuschließen. Ebenfalls treten in jedem Kapitel Endgegner auf. Diese verfügen jeweils über unterschiedliche Angriffsmuster, die sich schnell lernen und kontern lassen. Alles in allem fühlen sich diese Kämpfe fair an. Zusätzlich gibt es in jeder Welt drei versteckte Bonuslevels, die in einer minimalistischen Traumwelt spielen und verstärkt die Jump&Run-Fähigkeiten der Spielerin oder des Spielers auf die Probe stellen. In jedem Kapitel lässt sich eine Variation aus unterschiedlichen Gegenständen sammeln. Herzen und Edelsteine sind großzügig verteilt. Ersteres füllt die Lebensleiste, mit Letzterem lassen sich spätere Akte und Marken freischalten. Marken können ausgerüstet werden und bieten unterschiedliche Vorteile im Spielverlauf. Ebenfalls sind Hüte versteckt, die es ermöglichen, unterschiedliche Aktionen auszuführen. Sie werden früher oder später im Spiel gebraucht um diverse Akte beenden zu können. Dabei ist anzumerken, dass jeder Hut mehrfach gefunden werden kann. Es ist daher keineswegs nötig, jede Ecke einer Welt abzusuchen, um im Spiel voran zu kommen. Des weiteren können noch Relikte und Münzen gefunden werden, mit denen sich Bonuslevel oder alternative Kostüme freischalten lassen.


Grafik und Sound

A Hat in Time baut auf eine Cartoon-Grafik. Vom Design der Charaktere und den Welten, die mit viel Liebe zum Detail gestaltet sind, geht eine quirlig und ausgelassene Stimmung aus. Alles wirkt bunt und exzessiv. Die gewollte Anlehnung an alte 3D-Platform-Titel gelingt dadurch auf ganzer Linie. Auch die Animationen der einzelnen Charakter sind schön anzusehen. Der Soundtrack kann überzeugen. Unbekümmert und Laune machend untermalt er die Stimmung der Welten, vor allem auch durch den Einsatz dynamischer Elemente. Alle Personen im Spiel haben komplett gesprochene und zumeist ziemlich amüsante Dialoge, wobei Hat Kid selbst eher wenig spricht.

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Story
Die Story ist simpel. Durch einen Zwischenfall verliert Hat Kid alle Zeitfragmente, die ihr Raumschiff als Treibstoff benötigt. Beim Wiedereinsammeln trifft sie auf die unterschiedlichsten Charaktere, die manchmal die Macht der Fragmente lieber für sich selbst nutzen wollen. Die Story ist dabei natürlich keineswegs tiefgründig und die Pläne der Bösewichte könnten direkt aus einer Kinderserie stammen. Dies passt zur kompletten Aufmachung des Spiels. Wer bei A Hat in Time etwas anderes erwartet hat definitiv zum falschen Titel gegriffen.

Stärken und Schwächen
A Hat in Time macht vieles richtig. Eine verspielte Grafik, detailreiche und ausgefallene Levels, ein stimmiger Soundtrack und ein abwechslungsreiches Spielerlebnis sprechen alle für das Spiel. Misserfolge des Spielers oder der Spielerin werden nicht durch Neustarts oder lange Wiederholungen des Levels bestraft. Es wurde auch auf Kleinigkeiten geachtet: Nie ist die Sicht durch Objekte im Vordergrund versperrt, Klettern und Krabbeln gehen flott, Wandsprünge sind gut abzuschätzen, es ist möglich, Hüte im Spiel schnell zu wechseln ohne lästige Menüs navigieren zu müssen und die Durchquerung der Levels funktioniert makellos, es gibt also keine Probleme mit Kanten, unsichtbaren Mauern oder Ähnlichem.

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Leider ist A Hat in Time nicht perfekt. Dafür, dass es im Spiel so viel zu entdecken und finden gibt, ist die Steuerung der Kamera zu stark eingeschränkt. Beispielsweise ist es nicht möglich, die Welt aus der Ich-Perspektive zu betrachten und bei der Rotation der Kamera stößt man auch schnell an Grenzen. Auch kann es passieren, dass bei Sprüngen die automatische Kamera die Sicht auf den Zielpunkt verbirgt. Dies ist vor allem dann ärgerlich, wenn der Sprung dadurch im Abgrund endet. Beim Sprung gegen eine Mauer bereitet sich Hat Kid zum Wandsprung vor. Dies tritt aber auch bei Situationen auf, in denen ein Wandsprung hinderlich ist. Der schnelle Wechsel der Hüte funktioniert manchmal nicht so, wie gewollt. So kann es schnell einmal vorkommen, dass der selektierte Hut einfach nicht aufgesetzt wird. Die überschwängliche Art des Spiels funktioniert gut, vor allem auf grafischer Ebene. Aber gerade beim Gesprochenen wird gelegentlich über das Ziel hinausgeschossen.

Gewählte Stimmen wirken zum Teil unpassend und können durch die Überspitzung nervig klingen. Ein weiteres Manko des Spiels ist die auf englisch begrenzte Sprachausgabe. Es ist schade, dass ein solch kinderfreundliches Spiel auf übersetzte Texte verzichtet.Unterm Strich sind die genannten Kritikpunkte aber Gejammer auf hohem Niveau. Sie sind eher in Ausnahmesituationen anzutreffen und ansonsten wird ein sauberes Spielerlebnis geboten.

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Fazit
Wer auf der Suche nach einem humorvollen Spiel ist, das gerne mal nostalgische Gefühle aufkommen lässt oder einfach auf 3D-Plattformer steht, ist mit A Hat in Time bestens aufgehoben. Flüssige Jump&Run-Action, einzigartige Levels, liebenswerte Charaktere, Endgegner und allerlei Verstecktes warten. Wenngleich auch recht leicht, kann A Hat in Time zeitweise auch Können fordern. Die Entwickler des Spiels versprechen zudem in Zukunft zwei weitere Welten, die Unterstützung von Mods sowie einen Zweispieler-Modus, ganz ohne Extrakosten. Somit besteht die Hoffnung, dass ein solides und vor allem kurzweiliges Spiel bald noch mehr bieten kann.

Positiv

  • Flüssige Steuerung
  • Grafikstil
  • Abwechslung
  • Leveldesign
  • Qualität

Negativ

  • Kamerasteuerung
  • Kleinere Unannehmlichkeiten
92

Geschrieben von: Philipp Schrempp

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  • Tim-Oliver Siegwart Tim-Oliver Siegwart: Black Flag hat mich von der Story her nicht packen können, hatte mir mehr erwartet und das Gameplay war damals einfach nichts für mich. Ist ja aber immer so, wenn in/an einer Serie was geändert wird, gibt es immer unterschiedliche Meinungen.
  • Daniel Walter Daniel: Ich war immer ein Fan der alten Herangehensweise und vermisse es daher im neuen Teil ein wenig. Trotzdem ist Origins wirklich gut, auch wenn es nicht an meine Favoriten AC 2 und AC Black Flag heranreicht.
  • Tim-Oliver Siegwart Tim-Oliver Siegwart: Die Neuausrichtung gefällt mir sehr gut. Die Architektur ist wunderschön und die Story gut gemacht. Auch die vielen Nebenquests und jetzt mit Level 40 die Community Events sind super. Das ewige geklettere und Dauerblocken aus den Vorgängern war einfach idiotisch, finde das jetzt überzeugender.