XCOM 2 – War of the Chosen

Die Entwickler von Firaxis Games lassen nicht locker und hauen eine kostenpflichtige Erweiterung nach der anderen für ihr bestes Pferd im Stall XCOM 2 raus. Der aktuelle DLC War of the Chosen ist ebenso wie alle anderen Extras nicht alleine lauffähig, schlägt aber mit satten 39,99 € zu Buche. Normalerweise raten wir bei MightyGamesMag davon ab, Updates zum Vollpreis eines neuen Spiels zu kaufen. Jedoch hat uns der offizielle Eröffnungstrailer neugierig gemacht, welche Story sowie neuartigen Spielelemente Firaxis Games sich vergolden lassen möchte.

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Terroristen oder Freiheitskämpfer

War of the Chosen ändert nichts an der allgemeinen Hintergrundgeschichte von XCOM 2. Die Aliens nehmen direkten Kontakt zur Menschheit auf, erobern sie und investieren in ihre technische wie auch geistige Weiterentwicklung. Die fortan als Advent bezeichneten Außerirdischen haben die irdische Gesellschaft derart gründlich unterwandert, dass Politik, Medien und Militär bedenkenlos nach deren Pfeife tanzen. Nur vereinzelte Splittergruppen wehren sich mit Waffengewalt gegen die allgegenwärtige Präsenz der Fremden. Diese Terroristen werden als fanatische Störenfriede tituliert und mit allen konventionellen Mitteln bekämpft.

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XCOM ist eine der Gruppierungen, die den Guerillakampf gegen Advent aufgenommen hat, weil sie die verdeckten Machenschaften der Aliens kennt. Die gesamte Erde ist für die Fremden ein großes Militärlabor, in dem Menschen als Rohstoff für genetisch veränderte Soldaten dienen. Im scheinbar aussichtslosen Kampf gegen einen übermächtigen Feind steht der letzten menschlichen Verteidigungslinie nur eine mobile Einsatzzentrale sowie äußerst knappe Ressourcen zur Verfügung. Die Zeit ist ebenfalls ein negativer Faktor, denn je mehr davon verstreicht, desto größere Schrecken kann Advent entwickeln, um sie den tapferen Trupps der XCOM entgegen zu werfen.

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Zusätzlich zu den hochgerüsteten Truppen der Aliens treffen die XCOM-Soldaten bei ihren Einsätzen auf die Auserwählten der Advent. Diese technisch, genetisch wie auch psionisch unerreichbar spezialisierte Sondereinheiten greifen aktiv in laufende Kampfeinsätze ein, richten beträchtlichen Schaden an und nehmen sogar Kämpfer gefangen. Insgesamt gibt es davon drei, doch jeder Einzelne davon ersetzt fast eine ganze Advent-Armee. Eine unsichtbare Attentäterin, ein Scharfschütze mit unendlich Munition und ein Psioniker mit einer Geisteskraft über 9000 mischen die XCOM auf. Zum Glück nicht gleichzeitig, denn die Spezialisten wetteifern untereinander darum, wer alle Untergrundkämpfer erlegen kann und dafür die Erde als Herrschaftsdomäne erhält. Sollte mal eine Guerilla-Truppe es schaffen, einen Auserwählten auszuschalten, verschwindet dessen Körper auf mysteriöse Weise und der Finsterling taucht in den nächsten Einsätzen erneut auf – nur stärker, weil er aus seinen Fehlern gelernt hat. Wie bekämpft man also Unsterbliche?

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Modifikation

Wie im Grundspiel XCOM 2 steht auch in der Erweiterung War of the Chosen der rundenbasierte taktische Kampf im Vordergrund. Dabei rüstet der Spieler einen Gefechtstrupp aus zunächst nur vier Soldaten zu Einsätzen gegen Advent-Truppen aus. Überfälle auf Nachschubkonvois, Zerstörung von Datenrelais, Rettung von VIPs oder auch mal eine Geiselbefreiung, sind nur einige der vielen Möglichkeiten seine Söldner sinnvoll einzusetzen und Erfahrung zu sammeln. So werden aus jungen Rekruten knallharte Spezialisten wie Grenadier, Scharfschütze, Ranger, technischer Spezialist. Bei entsprechendem Training werden viele nützliche Fähigkeiten freigeschaltet, die die Waage der Gerechtigkeit im Kampf wieder ausgleichen. Trotzdem bleibt XCOM 2 – nicht zuletzt auch wegen eines knapp bemessenen Zeitlimits bei manchen Missionen – äußerst herausfordernd. Die Auserwählten (engl. Chosen) treiben selbst den einfachasten Schwierigkeitsgrad nochmals auf die Spitze und selbst eigene Psioniker, die erst im späteren Spielverlauf zur Verfügung stehen, können wenig daran ändern.

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Die Truppengefechte sind in eine Art Wirtschaftssimulation eingebettet, die die Entwicklung der XCOM-Zentralle abbildet. Das mobile Hauptquartier – ähnlich dem fliegenden Flugzeugträger aus dem Film Avengers – bringt die Kämpfer zu den Gefechten, scannt nach neuen Verbündeten und sammelt abgeworfene Rohstoffe ein. Das Luftschiff kann mittels neuer Räume erweitert werden, die unterschiedliche Boni bieten. Allerdings stehen für den Ausbau nur knappe Ressourcen und wenig Energie für den Betrieb zur Verfügung. Darüber hinaus wollen die eigenen Soldaten ausgerüstet werden, während Forschung wie auch technische Entwicklung nicht vernachlässigt werden dürfen, um dem Feind feuerkraftmäßig Paroli bieten zu können. Das alles und noch viel mehr enthält – relativ kurz gefasst – schon das Grundspiel. Was bietet nun die teure Erweiterung?

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Neben den bereits erwähnten feindlich gesinnten Auserwählten gibt es drei freundlich gestimmte Widerstandsgruppen, die XCOM in ihrem Kampf gegen die Aliens unterstützen. Die Schnitter sind meisterhafte Scharfschützen mit einem sehr ausgefeilten Schleichmodus, der es ihnen ermöglicht, direkt hinter dem Gegner Stellung zu beziehen, ohne dass er es bemerkt. Sie verteilen gerne Claymore-Minen unter Feinden, die ferngezündet werden können, ohne dass die Deckung der gesamten Truppe auffliegt. Die Scharmützler dagegen sind genetisch veränderte Menschen, die früher als Spezialtruppen für Advent dienten und sich ihres psionischen Jochs entledigen konnten. Ausgerüstet mit Kletterhaken wie Nahkampfklaue gehen sie gerne auf Tuchfüllung mit dem Feind. Aber auch ihre mehrschüssige Waffe teilt guten Distanzschaden aus. Absolute Nahkampfspezialisten sind nur noch die mysteriösen Templer. Ihre Handklingen zerfetzen jede Rüstung. Zusammen mit ihrer psionischen Veranlagung teilen sie Zerstörung und Verderben aus.

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Aber auch die Advent-Truppen haben konventionelle Unterstützung erhalten. Zum einen gibt es mit Flammenwerfern wie auch Brandgranaten ausgerüstete Purifikatoren, die nach ihrem Ableben in einem Flammeninferno explodieren. Die Phantom-Einheiten verschwinden schnell aus dem Blickfeld, nur um in der Nähe von

XCOM-Soldaten aufzutauchen, diese zu binden und ihre Kopien aus Nanomaschinen gegen Kameraden kämpfen zu lassen. Die Advent-Priester schaffen mehr psionische Unterstützung für die Alien-Bodentruppen, indem sie mittels Gedankenkontrolle die Einheiten des Spielers direkt übernehmen. Alternativ buffen sie eigene Kämpfer oder versetzen Feinde in einen handlungsunfähigen Zustand – die Stasis. Nicht einmal ein tödlicher Treffer macht ihnen direkt den Garaus, denn kurz vor dem Ableben aktiviert sich ein undurchdringbarer Schild, der den Alien-Priester über eine weitere Kampfrunde hinaus zu retten vermag. Zusammen mit den alteingesessenen Einheiten des Grundspiels liefert War oft he Chosen mehr taktische Tiefe.

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Schließlich gibt es Abseits des Konflikts zwischen Advent und XCOM eine weitere Fraktion, die sich neutral verhält, indem sie bei jeder Gelegenheit einfach beide attackiert. Die sogenannten Verlorenen sind zombieähnliche Wesen, die in sehr großen Scharen den Gegner bedrängen. Sie können ziemlich weit laufen und kräftig zuhauen. Laute Geräusche wie etwa Explosionen locken immer mehr von ihnen an. Zum Glück greift bei diesem Gegnertyp ein neuer Spielmechanismus, dass pro getöteten Zombie eine Aktion des eigenen Soldaten erstattet wird. Bei ausreichend Schaden wie Trefferquote können unzählige Monster erlegt werden. Die Verlorenen sind nicht bei jeder Mission anzutreffen, doch wenn sie auftauchen, kann man mit gezielter Geräuschentwicklung durch Schallgeneratoren oder Handgranaten, die Neutralen gegen den Feind ausspielen.

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Kampfgetümmel

An der allgemeinen Spielmechanik von XCOM 2 – War of the Chosen hat sich nicht viel geändert. Es sind lediglich mehr Elemente hinzugekommen. Noch immer bewegt der Spieler Zug um Zug rundenbasiert seine Soldaten über ein dreidimensionales Spielfeld, das Zwecks Übersicht jedoch aus einer frei drehbaren isometrischen Perspektive zu betrachten ist. Laufen, Schießen und Interaktionen mit der Umwelt verbrauchen Teil-Züge der aktuellen Runde, bis keine weiteren Tätigkeiten mehr erfolgen können. Je nach Missionstyp gibt es Ziele zu erfüllen, wobei manchmal auch ein Timer die Spannung sowie den Schwierigkeitsgrad in die Höhe treibt. Zwischen den Einsätzen fliegen die XCOM-Kämpen in ihrem mobilen Hauptquartier über den Globus, kontaktieren Widerstandszellen, führen verdeckte Operationen gegen die Auserwählten und sammeln dringend benötigte Rohstoffe ein. Forschung wird durch gefundene Alien-Artefakte sowie wissenschaftliches Personal vorangetrieben. Ingenieure treiben dagegen den Basisausbau voran und verbessern den Betrieb. Nicht zuletzt bauen die Tüftler die Ausrüstung für die Widerstandskämpfer. Damit setzen sie die erlangten Forschungsergebnisse in die Praxis um.

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Zielhilfe

Die Präsentation der XCOM 2-Erweiterung ist auf einem qualitativ hochwertigen Niveau. Alle Zwischensequenzen wie auch neue Charaktere wurden mit talentierten Synchronsprechern vertont, die der Bedrohung durch die Auserwählten Detailtiefe verleihen. Zu den Missionsgebieten sind einige neue Landschaften dazugekommen, die sich jedoch vom Grundspiel nicht großartig abgrenzen. Dafür sind die neuen Einheitentypen sehr gut grafisch in Szene gesetzt. Freund wie Feind sehen einfach originell aus, auch wenn nach der x-ten Mission gelegentlich Langeweile aufkommt, weil die Aufträge mit zunehmendem Spielverlauf keine Abwechslung mehr bringen. Irgendwann hat man einfach alles gesehen und möchte endlich zum Schluss kommen, der trotz War of the Chosen immer noch in der Sabotage des Avatar-Projektes gipfelt. Da erkennt man wieder, dass das zugegebenermaßen teure Addon immer noch kein eigenes Spiel ist, weil es auf den Grundinhalten des Originals aufbaut.

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Fazit

War of the Chosen ist eine sehr gute Erweiterung zum Grundspiel XCOM 2, die viele interessante Elemente einbringt und den Spielumfang komplettiert. Die Idee, untereinander rivalisierende Alien-Generäle mit Spezialfähigkeiten, gegen die Menschheit antreten zu lassen finde ich sehr unterhaltsam, weil sie dem nach einer Weile sonst tumben Missionsverlauf die oftmals vermisste Schärfe verleiht. Storytechnisch ist das neue Kapitel perfekt in die Grundgeschichte integriert. Allerdings finde ich den Preis von knapp 40 Euro für diesen DLC sehr überzogen, auch wenn ich verstehen kann, dass das meiste Geld vermutlich für die meisterhaften Synchronsprecher investiert worden ist. Mich persönlich interessieren jedoch die tatsächlichen Spielinhalte und da merkt man War of the Chosen immer noch den Charakter eines Addons an. DLCs zum Vollpreis eines neuen Spiels sind nach wie vor ein Tabu, das nicht einfach bedenkenlos beiseite gewischt werden kann. Nur gut betuchte Gamer sollten sich die Erweiterung holen, sofern sie das Grundspiel besitzen. Allen anderen empfehle ich abzuwarten, bis die Preise sinken oder eine vollständige Edition mit allen Inhalten im Angebot verkauft werden wird.

Positiv

  • Sehr gute Präsentation
  • Spannende Neuerungen im Gefecht
  • Gut durchdachte Einheitentypen

Negativ

  • Hoher Kaufpreis
  • Hoher Schwierigkeitsgrad für Anfänger
  • Relativ kurze Spieldauer (bezogen auf den Konflikt mit den Auserwählten)
87

Geschrieben von: Witali Blum

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Neueste Kommentare

  • Tim-Oliver Siegwart Tim-Oliver Siegwart: Black Flag hat mich von der Story her nicht packen können, hatte mir mehr erwartet und das Gameplay war damals einfach nichts für mich. Ist ja aber immer so, wenn in/an einer Serie was geändert wird, gibt es immer unterschiedliche Meinungen.
  • Daniel Walter Daniel: Ich war immer ein Fan der alten Herangehensweise und vermisse es daher im neuen Teil ein wenig. Trotzdem ist Origins wirklich gut, auch wenn es nicht an meine Favoriten AC 2 und AC Black Flag heranreicht.
  • Tim-Oliver Siegwart Tim-Oliver Siegwart: Die Neuausrichtung gefällt mir sehr gut. Die Architektur ist wunderschön und die Story gut gemacht. Auch die vielen Nebenquests und jetzt mit Level 40 die Community Events sind super. Das ewige geklettere und Dauerblocken aus den Vorgängern war einfach idiotisch, finde das jetzt überzeugender.