Uncharted 4 (PS4)

Vor neun Jahren begaben wir uns zum ersten Mal mit Nathan Drake auf Schatzsuche. Am 10.Mai 2016 kehrt der Abenteurer zum mittlerweile vierten Mal zurück. Wir haben uns Naughty Dogs Meisterwerk einmal genauer angesehen und klären ob das PS4 Debüt gelungen ist. (ACHTUNG: Spoiler möglich)

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Normal kann nicht jeder

Wie wurde Nathan Drake zu so einem unvergleichlich charmanten und liebenswerten Schatzsucher? Nachdem Naughty Dog bereits in Uncharted 3 ein wenig die Kindheit des Protagonisten beleuchtet hat, kommt nun noch mehr Licht ins Dunkel. Nates Kindheit war alles andere als leicht: Nach dem Tod der Mutter vom Vater abgeschoben in ein katholisches Kinderheim, allein gelassen von seinem Bruder und eher introvertiert fristet er mehr oder weniger sein Dasein, prügelt sich mit anderen Kindern und hat eigentlich so garkeine Lust sich an Regeln zu halten. Doch so hat er früh gelernt, für sich selbst zu sorgen, auch wenn ihn das auf die schiefe Bahn gebracht hat. Einige Jahre später, als Nate das Heim verlassen hat, jagt er furchtlos und mit einiger Cleverness verschollenen Schätzen nach, genauer gesagt dem Schatz des Piraten Henry Avery. Unterstützung erhält er hierbei von seinem Bruder Sam und Geschäftspartner Raphael „Rafe“ Adler. Doch ganz so einfach wie Nate sich die Schatzsuche vorgestellt hat, ist es nicht. Als er mit seinen Kollegen in einem Gefängnis in Panama nach Hinweisen sucht, verliert Rafe die Beherrschung und erschießt den korrupten Gefängnisdirektor, was die Drei zur Flucht zwingt, während der Sam von den Schüssen der Wachen getroffen wird. Unter Schock folgt Nate Raphael aus dem Gefängnis, gibt die Suche nach Averys Schatz schließlich auf und bricht den Kontakt zu seinem Geschäftspartner ab. Viele Jahre später sind die Geschehnisse von El Dorado, Shambhala und Ubar längst zu Anekdoten geworden.

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Nathan und Elena, die Reporterin die Ihn schon seit Teil eins begleitet, sind verheiratet, haben ein gemeinsames Haus und ein geregeltes, ehrliches Leben, als plötzlich jemand an Nates Bürotür klopft. Sam, der totgeglaubte Bruder, steht vor ihm. Nachdem sie die vergangenen Jahre aufgearbeitet haben, gesteht Sam seinem Bruder, dass ein Drogenboss, der ihm bei der Flucht aus dem Gefängnis geholfen hat, verlangt, dass Sam Averys Schatz findet, um so sein Leben zu erkaufen. Zwar hatte Nathan geschworen, dieses Leben hinter sich zu lassen, doch den wirklichen Tod seines Bruders als Alternative vor Augen bricht er ein letztes Mal zu einem Abenteuer auf, in dessen Verlauf sich auch ein alter Bekannter wieder einmal zeigt. Rafe hat das Vermögen seiner Familie genutzt, um auf eigene Faust denselben Schatz zu finden. Und so werden aus ehemaligen Partnern erbitterte Feinde, wodurch Nate zum ersten Mal einen Gegner auf Augenhöhe zur Seite gestellt bekommt. Kein zwei Meter großer Steroidjunkie wie Zoran Lazarevic, kein eingebildeter Schnösel mit zu viel Geld, der sich nicht die Hände schmutzig macht wie Gabriel Roman, nein, diesmal geht es so „fair“ zu wie nie zuvor. Zwar hat er wie die üblichen Antagonisten auch eine Privatarmee bei sich, die nach und nach dezimiert werden muss, aber er hat keine Angst selbst mit anzupacken und ist auch kein allzu talentloser Schatzsucher, was dazu führt, dass er unseren Helden immer auf den Fersen ist. Naughty Dog hat wie auch bei den vorangegangenen Titeln Story-technisch noch eine Schippe draufgelegt. Ob der Rückblick auf Vergangenheit, die Tatsache das er das Abenteuer vermisst oder die Schwierigkeiten bei seinen zwischenmenschlichen Beziehungen, die Geschichte ist dieses Mal so tiefgründig und fesselnd wie nie zuvor.

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Neuer Schwung für alte Knochen

Schon seit dem ersten Teil gilt Nate als die männliche Version von Lara Croft. Klettern, schießen oder auch mal eine ordentliche Schlägerei,nichts hält den Tausendsassa auf. Und auch dieses Mal bewegen wir unseren Helden eher selten auf geraden Pfaden über den Boden. Im Gegenteil, denn Naughty Dog hat noch einmal aufgestockt und Nathan zwei weitere Möglichkeiten zur Fortbewegung spendiert. Da wäre zum einen das Rutschen an abschüssigen Flächen, bei dem man nur bedingt Kontrolle hat und den Absprung zur nächsten Kante richtig timen muss. Die zweite und wesentlich nützlichere Variante ist der Enterhaken, den man an bestimmten Punkten einhaken und dann schwingend Klippen überwinden, Mauern erklimmen oder Gegner aus der Luft K.O. hauen kann. So schön diese beiden Neuerungen auch sind, haben die Entwickler den Einsatz dieser (gerade das Rutschen) ein wenig übertrieben. So recht mag man das den Entwicklern aber nicht vorwerfen, denn gerade als großer Fan der Serie hat man immer diese Stimme im Hinterkopf, die einem sagt, dass das doch nicht so schlimm ist. Nichts desto trotz machen sie das ganze Spiel noch etwas freier. Insgesamt fühlt sich das ganze Klettern, Laufen, Schießen und Prügeln wesentlich flüssiger, wesentlich „glatter“ an. Bei den weitläufigeren Leveln kommen wieder einmal Autos zur Fortbewegung zum Einsatz, die man diesmal sogar selbst fahren darf, was zwar ganz gut gelungen ist, sich aber ein wenig holprig anfühlt. Trotzdem ist es eine willkommene Abwechslung und so kann man die ganze Pracht der Umgebung bewundern, ohne Stundenlang in eine Richtung laufen zu müssen. Und das sollte man auch tun, denngerade die Tour durch Madagaskar zeigt, wie detailverliebt man bei Naughty Dog ist. Eine unfassbare Menge an Pflanzen, Tieren, unterschiedlichen Terrains, Lichteffekten und gewaltigen Strecken lassen den Spieler regelrecht in die Welt eintauchen und laden zum stundenlangen Erkunden ein.

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Falten, Staub und viel Bling Bling

Schon die ersten drei Uncharted-Spiele hatten grafisch einiges zu bieten und reizten die Leistung der damals aktuellen PS3 ziemlich gut aus und die Entwickler haben in dieser Beziehung nicht nachgelassen. Deswegen hat die Nachfolgegeneration ordentlich zu ackern und kann mit diesem Titel beweisen, was in ihr steckt. Die Charaktere sind insgesamt gut gealtert, was man ihnen auch durchaus ansieht. Falten und graue Haare zeigen eindrucksvoll, dass doch etliche Jahre ins Land gegangen sind, seit Nate das letzte Mal auf Schatzsuche war. Wie auch in den vorangegangenen Teilen leihen u.a. Nolan North und Emily Rose den Charakteren ihre Bewegungen und Stimme, was diese erheblich lebendiger und glaubhafter wirken lässt, wobei das Motion Capturing noch einmal besser ist, als bei den Vorgängern. Auch der Spielwelt kommt die Leistung der current Gen zugute. Dynamisches Blattwerk, aufgewirbelter Staub beim Fahren, fließendes Wasser, Tiere und nicht zuletzt die vielen Gebäude sehen fantastisch aus und machen das Spielgefühl noch wesentlich intensiver.

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Gewohnte Töne

Neben den gewohnten Originalsprechern sind auch wieder die altbekannten deutschen Synchronsprecher mit an Bord und allesamt machen wieder einen hervorragenden Job. Ob tiefgründige Gespräche zwischen den zwei Drake Brüdern in einer verfallenen Piratensiedlung oder Drohungen von Seiten des extrovertierten Rafe bis hin zu den sarkastischen Witzen, alles ist perfekt und professionell eingesprochen und der Situation angemessen. Lässt man während der Erkundungstouren einfach mal die Umgebung auf sich wirken, wird man auch die Vielfältigkeit der Umgebungsgeräusche bemerken, die wieder einmal zeigen, wie viel Mühe und Herzblut in diesem Werk stecken. Und auch wenn es im Grunde kein Shooter ist, so sind auch die Waffensounds sehr überzeugend und grenzen die einzelnen Gewehre, Pistolen und Co. wunderbar voneinander ab.

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Fazit

Was Naughty Dog mit Uncharted 4 abgeliefert hat, darf sich nach meiner Meinung zu Recht „Actionspiel des Jahres“ nennen. Es ist zwar kaum zu glauben, aber sie haben es tatsächlich geschafft, die vorhergehenden Teile noch einmal zu übertreffen, sowohl grafisch  – was dank des Umstiegs von PS3 auf PS4 nicht sonderlich schwer gewesen sein dürfte -als auch Story-technisch. Dieses Spiel ist eines der wenigen, gerade in der letzten Zeit, das seinem Hype mehr als gerecht wird. Und sollte dies tatsächlich das Ende dieser Ära sein, so kann man sich als Fan mehr als nur glücklich schätzen, glücklich darüber wie dieses Ende zustande gekommen ist und glücklich darüber „wessen“ Ende es ist – oder eben nicht. Für mich ist dieses Spiel der künftige Standard, an dem sich alles andere messen muss.

Positiv

  • grandiose Grafik
  • fesselnde Story
  • wunderschönes Level design
  • überzeugendes Motion-Capturing

Negativ

  • übertriebene Verwendung neuer Features (Enterhaken, Rutschen)
97
Florian Richter

Geschrieben von: Florian Richter

Nerd,Technikbegeistert, Gamer aus Überzeugung. Nebenbei auch noch auf YouTube ab und zu aktiv. Fan der Uncharted - und Ratchet&Clank - Spielereihe.

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  • Martin: Hey! Auch von mir vielen lieben Dank für den Guide :D Ist der "Hauptguide" nach dem ich mich richte bzw. mittlerweile der einzige, den ich nutze^^ Ich hätte aber noch eine Frage zu diesem Part: Held Vorheriger Held Soforttötung bis … Stufe Siyalatas/Fragsworth The Masked Samurai 30 – 50 Atlas Samurai Stufe 2500 150 – 175 Terra Atlas Stufe 1500 350 – 450 Phthalo Terra Stufe 1500 700 – 900 Orntcha Gladeye Phthalo Stufe 1500 1300 – 1700 … Orntcha Gladeye Stufe 1500 2500 – 3000 Kannst du das genauer erklären? Was sind z.B. Altas, Terra usw. und das mit den Stufen
  • Tim-Oliver Siegwart Tim-Oliver Siegwart: Black Flag hat mich von der Story her nicht packen können, hatte mir mehr erwartet und das Gameplay war damals einfach nichts für mich. Ist ja aber immer so, wenn in/an einer Serie was geändert wird, gibt es immer unterschiedliche Meinungen.