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Trüberbrook

Von Christian Heldmaier am 14. März 2019 in News

Herzlich Willkommen im Luftkurörtchen Trüberbrook! Was? Von diesem Ort habt Ihr noch nie gehört? Macht nichts, denn unserem Hauptprotagonisten, dem jungen amerikanischen Physiker Tannhauser geht es ebenso! Doch einem geschenkten Gaul schaut man bekanntlich nicht ins Maul und als Tannhauser eine Reise in das verschlafene Örtchen gewinnt, tritt er Sie natürlich auch an. Und das obwohl er sich eigentlich gar nicht erinnern kann, an einer Lotterie teilgenommen zu haben, bei der eine solche Reise verlost wurde…

Abendteuer in der deutschen Provinz

Das Mystery-Adventuregame des Entwicklers btf und dem Publisher Headup versetzt uns in eine deutsche Provinz in den späten 1960er Jahren. So weit so gut, aber was hat ein junger amerikanischer Physiker hier zu suchen?

Der brillante Wissenschaftler Tannhauser möchte eigentlich nur ein paar Tage ausspannen, um eine lästige Denkblockade zu lösen. Doch schon bald wird klar, dass sich hinter der biederen Fassade des Ortes mehr verbirgt, als man zunächst vermuten mag. Tannhauser gerät auf die Spuren eines düsteren Geheimnisses, dem auch die Paläanthropologin Gretchen auf den Grund gehen will. Gemeinsam machen Sie sich daran, die Rätsel des Ortes zu lösen. Die ländliche Idylle weicht im Verlauf der Geschichte zunehmend einem Science-Fiction Szenario, wobei der Charme einer Retrospektive nie gänzlich verloren geht.

Insgesamt bietet das Spiel hinsichtlich seiner Geschichte und der Charaktere ein solides Standardprogramm. Schrullige Figuren, überspitzte Klischees, subtiler Humor und natürlich auch die eine oder andere Anspielung auf Filme, Serien oder andere Spiele. Alles dabei! Auch eine überraschende Wendung in der Geschichte, verschiedene Gesprächsoptionen und teilweise absurde Lösungswege für die Rätsel dürfen im Repertoire eines Point-and-Click-Adventure natürlich nicht fehlen! Hier erfüllt Trüberbrook alle Erwartungen der Genre-Liebhaber.

Doch es gibt auch einige Mankos. So zündet der Humor aus verschiedenen Gründen nicht immer. Ein Faktor hierbei ist die Sprecher, die zwar an sich eine brauchbare Leistung abliefern, aber insgesamt zu wenig Emotionen transportieren. Auch das Maß an unterhaltsamer Absurdität hätte ruhig noch höher ausfallen dürfen. Und letztlich hätte selbst die Persönlichkeit Tannhausers etwas mehr Biss und Esprit vertragen können. Zu oft wirkt er konservativ, etwas behäbig und farblos, was zwar zur Rolle eines Physikers zwar passen mag, uns jedoch das Mitfiebern mit diesem phasenweise fast langweilig wirkenden Charakter erschwert. Trotz solider Hintergrundgeschichte und vielen guten Ansätzen gelingt es der Geschichte so kaum, uns wirklich mitzureißen oder denkwürdige Momente zu schaffen.

Rätsel mit Licht und Schatten

Point-and-Click-Adventure leben von Ihren Rätseln. Sie zu lösen, ist die Herausforderung des Spiels und neben der Geschichte das zweite zentrale Spielelement. Was hat Trüberbrook hier zu bieten?

Zuerst die gute Nachricht:

Die Rätsel in Trüberbrook fallen sehr abwechslungsreich aus. Von einfach bis zur echten Kopfnuss, ist alles dabei! Wir müssen Utensilien suchen, Informationen sammeln und aus Ihnen die richtigen Schlüsse ziehen oder auch mal einen kniffligen Code knacken. Auch die Länge der Rätselketten ist angemessen. Was uns besonders gefreut hat: Ganz wie in alten Zeiten mussten wir gelegentlich sogar Zettel und Stift zur Hand nehmen. Da kommt echtes Retro-Feeling auf. Super!

Nun aber auch die schlechte Nachricht:

Trüberbrook verzichtet auf eine Standardmechanik der Point-and-Click-Adventures, der Kombination von Gegenständen im Inventar. Zwar existiert ein Inventar, in das wir natürlich alles packen, was nicht niet- und nagelfest ist, jedoch dürfen wir uns nicht wie in vielen anderen Titeln darin austoben und alles Mögliche zu neuen, verrückten Werkzeugen zusammenbasteln. Natürlich werden auch in Trüberbrook Gegenstände zweckentfremdet und für viele Aufgaben ist auch mehr als ein Gegenstand auf einmal notwendig, jedoch wird die Kombination am Aktionsort automatisch angeboten. Schade, da gerade dieses MacGyver Gefühl für uns absolut dazugehört hätte.

Optischer Stil der Überzeugt!

Die größte Stärke des Spiels liegt in seiner Optik. Zwar wirken die Bewegungen etwas hölzern, doch das verzeiht man angesichts der liebevoll gestalteten Schauplätze nur all zu gerne.

Das besondere:
Sämtliche Landschaften wurden zunächst als Miniaturkulissen in der Werkstatt gebaut, wie Filmsets mit echtem Licht inszenieren und anschließend mittels Fotogrammmetrie digitalisiert und grafisch aufbereitet. Hier haben die Modellbauer wirklich ganze Arbeit geleistet!

Es ergibt sich ein praktisch unverwechselbarer Stil, der einen enormen Charme versprüht und eine wirklich besondere Spielwelt erschafft. Absolut sehenswert und wir hoffen, dass wir in Zukunft noch mehr Spiele in diesem Stil präsentiert bekommen.

Fazit

Trüberbrook ist für mich auf jeden Fall ein besonderes, aber leider nicht herausragendes Adventure. Der tollen Optik und den vielen guten, oft klassischen Ansätzen im Spiel stehen dann doch noch einige signifikante Schwächen gegenüber.

Es fehlt an denkwürdigen Momenten. Es fehlt ein wenig an Witz und Emotionen. Es fehlt an außergewöhnlichen Charakteren. Es fehlt etwas, das Trüberbrook abgesehen von der Optik, wirklich aus der Masse herausheben könnte.

Trüberbrook lässt mich als Tester mit gemischten Gefühlen zurück. Auf der einen Seite bin ich begeistert von der Liebe, die offensichtlich in dieses Projekt geflossen ist und eine Würdigung verdient. Von der Idee, dem Engagement und den vielen guten Ansätzen, die man erkennen kann. Auf der anderen Seite sind aber auch die Schwächen des Spiels einfach nicht zu übersehen.

Letztlich ist Trüberbrook ein gutes, aber eben leider nicht herausragendes Spiel geworden. Adventure-Freunde bekommen eine solide Story und eine breite Palette an Rätseln geboten und jeder, der sich zusätzlich auch nur ansatzweise für das Thema Modellbau interessiert, sollte in jedem Fall einmal einen Blick riskieren.

Ich hoffe, dass wir in Zukunft noch mehr Spiele vom Entwickler btf in diesem Stil präsentiert bekommen. Denn ich bin überzeugt: Mit Trüberbrook wurde ein guter Grundstein für die Zukunft gelegt auf dem noch herausragende Spiele entstehen können.

Positiv

  • Unverwechselbare Optik
  • abwechslungsreiche Rätsel
  • interessante Geschichte

Negativ

  • Humor zündet zu selten
  • Nur rudimentäre Spielmechanik
  • blasser Hauptcharakter
77
Christian Heldmaier

Geschrieben von: Christian Heldmaier

Gelernter Mediengestalter und Master of Science in der Fachrichtung Publishing. Zertifizierter Social Media Manager mit Erfahrung im Verlagsmarketing und hauptberuflich derzeit im Webmonitoring tätig.

Trüberbrook

Entwickler:btf GmbH
Release Datum:12. März

Verfügbar für

| |

Genre

USK Alterseinstufung

Freigegeben ab 6 Jahren gemäß § 14 JuSchG.

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