Tokyo Mirage Sessions #FE

Mit Tokyo Mirage Sessions #FE wirft der Entwickler ATLUS ein JRPG auf den Spielemarkt der Nintendo Wii U. Ob das Spiel ein Top-Titel oder ein Flop ist, finden wir im folgenden Test heraus.

Alles beginnt in einem Opernhaus. Auf der Bühne singen die Darsteller als ginge es um ihr Leben und die Zuschauer sind ganz aus dem Häuschen. Immer wieder schwenkt die Kamera zwischen einem kleinen Mädchen unter den Zuschauern, den Hauptdarstellern auf der Bühne und dem Orchester hin und her. Gerade als das Duett startet, wechselt die Musik zu einem eher nervösen und dramatischen Stil und es beginnen eine Reihe von seltsamen Ereignissen. Erst verschwindet die Hauptdarstellerin spurlos, danach vereinzelte Zuschauer, jetzt auch noch der Hauptdarsteller. Die restlich verbliebenen verschwinden auch langsam aber sicher restlos, bis auf das kleine Mädchen. Sie ist die einzige, die noch im Opernhaus sitzt und versteht die Welt nicht mehr. Kurz darauf flattern auch schon die Schlagzeilen der Zeitungen auf den Bildschirm: „Massenhaftes Verschwinden im Opernhaus. Tausende Zuschauer vermisst. 13-jährige Einheimische einzige Überlebende.“ Fünf Jahre später startet dann das eigentliche Spiel.

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Wir spielen Itsuki Aoi, einen 18-jährigen High-School-Schüler, der gerade im Daitama Observatory unterwegs ist. Dort haben wir uns mit unserem Freund Touma Akagi verabredet, doch er scheint noch nicht anwesend zu sein. Deswegen packen wir unser Kommunikations-Gerät „Topic“ aus und kontaktieren ihn. Dieses Gerät wird auf dem Wii U GamePad angezeigt und kann jederzeit eingesehen werden. Immer wieder erhalten wir Nachrichten von unseren Freunden, die entweder ein bisschen Smalltalk mit uns betreiben, uns auf Nebenquests hinweisen oder über aktuelle Ereignisse quatschen möchten. Es ist hin und wieder auch möglich, selbst eine Nachricht zu senden, indem wir eine von mehreren vorgegebenen Antworten wählen.

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Da Touma keine Zeit hat, schauen wir uns einfach etwas um. An unserem Ort scheint eine Art Event zu sein und da sehen wir auch schon Tsubasa Oribe, eine 18-jährige Mitschülerin, die am „One of Millennium“-Event teilnehmen will, bei dem Leute als „Idol“ vorsingen können. Man kann es sich wie eine Casting Show ala „Deutschland sucht den Superstar“ vorstellen. Tsubasa ist an der Reihe und geht auf die Bühne, der Moderator stellt ihr einige Fragen. Zuerst sind diese auf die Show bezogen, doch plötzlich verändert sich die Richtung etwas. Er fragt sie über Dinge aus, die er eigentlich gar nicht wissen kann und die mit dem großen Verschwinden vor fünf Jahren zu tun hat. Sie ist das kleine Mädchen, das damals überlebt hat. Kurz darauf verwandelt er sich in eine Art Monster, die den Leuten die Energie („Performa“) aussagt. Hinter ihm öffnet sich ein Durchgang in eine „Idolasphere“, in die er leider auch Tsubasa mitnimmt. Nun liegt es an uns, sie zu retten, den Moderator von seiner bösen Macht zu befreien und die Geschehnisse von vor fünf Jahren aufzuklären.

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Storymäßig hat „Tokyo Mirage Sessions #FE“ einiges zu bieten, denn das war nur ein winziger Teil des Prologs und es folgen noch einige Kapitel, sechs um genau zu sein. Die Thematik des ganzen Spiels ist auf das Acting ausgelegt, sei es Modeln, Schauspielern oder Singen. Alles kommt dran und wird auch in der Haupt- und in den Nebenmissionen konsequent aufgegriffen. Im Laufe der Geschichte verfolgen wir etliche Karrieren von unseren Freunden, wie sie immer besser, erfolgreicher und bekannter werden. Wer sich jetzt fragt, wieso das Ganze, dem sei gesagt, dass wir Teil einer Talentagentur sind, die sich Fortuna Entertainment nennt. Geleitet wird das von der hübschen Dame namens Maiko Shimazaki, die unter anderem Touma und eine bekannte Sängerin namens Kiria Kurono unter Vertrag hat. Auch Itsuki darf sich weiterentwickeln, auch wenn er nicht genau weiß, in welche Richtung er gehen soll. Ob als Model, Schauspieler oder Sänger, das findet man Laufe des Spiels heraus.

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Vielleicht hat sich schon jemand gefragt, warum das Spiel „Tokyo Mirage Sessions #FE“ heißt? Vor allem warum hat der Titel ein Hashtag? Zerlegen wir ihn doch einfach mal und gehen auf die Punkte ein.

Tokyo

Geografisch spielt das Spiel in Tokyo. Wir haben jederzeit die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Orten in Tokyo zu wechseln. Zu Beginn stehen uns lediglich das Daitama Observatory, das Bürogebäude von Fortuna Entertainment und der Stadtbezirk namens Shibuya bereit. Mit zunehmenden Fortschritt in der Story schalten wir etliche weitere Schauplätze frei. In jedem Ort gibt es verschiedene Personen, mit denen wir uns unterhalten können oder die uns sogar Nebenmissionen anbieten. Um schnell herauszufinden, welche Personen ansprechbar sind, werden alle „unwichtigen“ Leute als farbige Gestalten dargestellt. Sie haben also die Form von Menschen, nur wurden sie eben nicht ausmodelliert, was natürlich auch Ressourcen spart und das Spiel schneller laufen lässt. Das sieht gut aus, funktioniert gut und lässt Tokyo richtig lebendig wirken.

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Natürlich gibt es auch Shops in die man gehen kann. Hier gibt es zum einen einmal den „Hee Ho Mart“, einen kleinen Supermarkt mit süßem Maskottchen, in dem wir etliche verschiedene Heilgegenstände, Stärkungszauber, Angriffszauber sowie Angriffsgegenstände (Wurfspeere, Pfeile, Wurfäxte) kaufen können. Zum anderen gibt es noch den Schmuckladen namens „Carabia“, bei dem wir uns Ringe zulegen können, die als Rüstungsteil fungieren. Da es keine anderen Rüstungsteile gibt, sollte immer darauf geachtet werden, stets die neuesten Ringe zu tragen. Diese erhöhen nicht nur den Rüstungswert, sondern je nach Modell auch einen oder mehrere Attributswerte. Insgesamt gibt es Strength (Stärke), Magic (Magie), Skill (Fähigkeit), Speed (Geschwindigkeit), Defense (Verteidigung), Resistance (Resistenz) und Luck (Glück). Mit jedem Level-Up erhöhen sich diese Werte bei jedem Charakter.

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Mirage

Nachdem wir Tsubasa und ihrem Entführer in die Idolasphere gefolgt sind, treffen wir zum allerersten Mal auf Gegner, die auch Mirages genannt werden. Dass es nicht nur böse Mirages gibt, merken wir spätestens dann, wenn Itsuki und Tsubasa wieder vereint sind. Durch die Kraft des Performa der beiden, können sie zwei Mirages in ihre ursprüngliche Form zurückverwandeln. Diese unterstützen Itsuki und Tsubasa im Kampf. In diesem Spiel wurde theoretisch auf die altbekannten Waffen verzichtet, die man sich beim Händler kaufen oder in Truhen finden kann. Dieses Mal gibt es eben die Mirages, die sich mit ihrem „Master“ in den Kampf stürzen. Dafür verwandeln sie sich nicht nur in eine Waffe, sondern geben dem Master auch noch einen klasse Look dazu. Das Ganze nennt sich dann „Carnage Form“.

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Nach jedem Kampf erhält man mit ein wenig Glück die Seelen der besiegten Gegner und vielleicht eine, nennen wir es mal Währung, die sich „Star Prestige“ nennt. Diese geht von „1-Star Prestige“ bis hin zu „6-Star Prestige“. Mit den Seelen und der Währung ist es möglich, im „Bloom Palace“, einem Hinterzimmer von Fortuna Entertainment, die Mirages weiterzuentwickeln und somit in eine neue Form/Waffe zu bringen. Jeder Mirage bleibt dabei aber seiner Klasse treu, so ist Itsukis Mirage namens „Chrom“ ein Schwert und wird es auch immer bleiben. Mit jeder Weiterentwicklung steigt der Angriffswert, es verändern sich unter Umständen auch die Resistenzen gegen verschiedene Angriffstypen. Insgesamt gibt es zehn verschiedene Typen: Schwert, Speer, Axt, Pfeil und Bogen, Feuer, Eis, Elektro, Wind, Licht und Tot.

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Sessions

Die Kämpfe sind rundenbasiert und laufen alle vom Prinzip her gleich ab. Je höher der Speed Wert ist, desto schneller kommt man in der Runde dran. Ist der Gegner schneller, kommt eben dieser vor unserem Team zum Zug. Unser Team kann maximal aus drei Leuten gleichzeitig bestehen, wobei wir aber im späteren Spielverlauf – außer es ist von einer Mission anders vorgeschrieben – jeden Charakter auswechseln können, ohne einen Zug zu verlieren. Itsuki ist dabei allerdings eine Ausnahme, da er ständiger Bestandteil der Gruppe sein muss. Wir besitzen verschiedene Angriffe, die entweder physischer oder magischer Natur sind. Um neue Attacken zu lernen, muss der Mirage-Partner im Kampf oft eingesetzt werden. Damit erlangt er mehr „Skill“ (nicht zu verwechseln mit dem Attribut) und steigt somit im Level auf. Jedes Level des Partners bringt eine neue Fähigkeit mit sich. Nach vier Leveln ist allerdings Schluss und es muss eine neue Entwicklung für ihn her.

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Es gibt drei verschiedene Arten von Skills, die wir von unserem Mirage Partner lernen können. Da wären die „Command Skills“, die als Attacke gelten. Dann gibt es noch die „Passive Skills“, die wie der Name schon sagt, unserem Charakter Passive Fähigkeiten verleiht. Und zu guter Letzt gibt es die „Session Skills“. Jeder Gegner ist gegen bestimmte Angriffstypen entweder „Weak“ (Empfindlich), „Resistent“, „Repel“ (Angriff prallt ab und kommt auf uns zurück), „Null“ (Angriff wird Annulliert) oder einfach „Normal“, was so viel bedeutet wie, dass er weder eine Schwachstelle noch eine Resistenz dagegen hat.

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Puh, ganz schön viel Theorie, die man aber in der Praxis unbedingt wissen sollte. Es gilt nämlich, die Schwachstellen bei unserem Gegner herauszufinden, um somit eine Session auszulösen. Nehmen wir mal an, unser Gegenüber ist gegen Schwertattacken empfindlich und wir greifen mit Itsuki, dessen Partner ein Schwert ist, an. Sollten wir treffen, wird bei unseren Teammitgliedern die Session Skills Liste durchforstet, ob irgendeine Fähigkeit vorhanden ist, die auf einer Schwertattacke basiert. Tsubasa besitzt eine Fähigkeit, die sich „Sword-Lunge“ nennt. Aufgepasst, es wird wieder etwas theoretischer. Der erste Begriff bezieht sich auf die Attacke vorher, also in unserem Fall bezieht sich Sword natürlich auf den Schwertangriff von Itsuki. „Lunge“ bedeutet in diesem Fall, dass Tsubasa mit einem Speer angreifen wird. Sollte unser dritter Kamerad nun eine Attacke besitzen, die zum Beispiel „Lunge-Elec“ heißt, würde dieser auf den Angriff von Tsubasa reagieren und einen Elektro-Angriff starten.

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Hier liegt aber dann auch schon der Hund begraben. Sollte nämlich während einer Session ein Angriff danebengehen oder auf eine „Null“ Resistenz treffen, wird die Session abgebrochen. Der erste Fall ist in unserem Test aber nur ein bis zwei Mal aufgetaucht, und das bei mehr als 40 Stunden Spielzeit.

Jeder Charakter besitzt auch noch verschiedene Spezialfähigkeiten, die durch den „Stage Rank“ freigeschaltet werden können. Insgesamt gibt es 20 „Stage-Ranks“, die ein Charakter aufsteigen kann. Manche starten auf Rang 1, manche auch auf einem höherem. Gesteigert wird dieser, indem das zugehörige Teammitglied im Kampf teilnimmt. Mit jedem Rang schalten wir eine neue Fähigkeit frei, die wir im Bloom Palace entwickeln können. In den Nebenmissionen der Hauptcharaktere, von denen jeder insgesamt drei besitzt, können wir unter anderem „Ad-lib Performances“ freischalten. Hierbei handelt es sich um Spezialangriffe, die weder EP (Mana) kosten, noch auf die Resistenzen achten. Es lässt sich nicht beeinflussen, wann genau ein Spezialangriff ausgeführt wird, doch diese treffen in der Regel immer alle Gegner und leiten eine Session ein.

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Das Kampfsystem ist wirklich ausgeklügelt und macht echt Spaß. Man muss sehr viel überlegen und kein Kampf gleicht dem anderem. Leider fängt das Spiel hin und wieder an zu laggen, sobald zu viele Gegner auf dem Bildschirm auftauchen. Das Gleiche passiert auch im späteren Spielverlauf. Vermutlich, weil zu viele Objekte geladen werden müssen und die Nintendo Wii U an ihre Grenzen kommt, vielleicht liegt es aber auch an der Programmierung.

#FE

Gehen wir mal vom Kampfsystem weg und widmen uns dem sagenumwobenen Hashtag im Titel. FE steht für „Fire Emblem“. Um hierbei aber nicht zu viel zu verraten sei gesagt, es tauchen vor allem im späterem Spielverlauf Hinweise auf die Spielereihe „Fire Emblem“ auf. Man sollte hier auch noch einmal erwähnt haben, dass es verschiedene Schwierigkeitsgrade für das Spiel gibt: Leicht, Normal, Schwer. Wir haben auf „Normal“ getestet und sind mit allen Nebenmissionen unserer Teammitglieder, sowie dem kompletten aufdecken der Karte auf mehr als 40 Stunden Spielzeit gekommen. Auf einem niedrigeren Schwierigkeitsgrad wird man vermutlich nicht so lange brauchen, genauso, wenn man so schnell wie möglich durchkommen möchte. Das Spiel bietet allerdings noch weit mehr Spielzeit als wir gerade angegeben haben. So gibt es zum Beispiel noch etliche weitere Quests, die wir erledigen könnten oder aber eine Arena, in der wir uns messen können.

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Grafik & Sound

„Tokyo Mirage Sessions #FE“ ist komplett im Anime Stil gehalten. Das merkt man vor allem an den Zwischensequenzen, da diese wie in einem Anime sind. Wie man es auch von japanischen RPG’s kennt, ist alles sehr bunt und farbenfroh, wirkt dadurch aber auch lebendig. Es ist nicht nur hübsch anzusehen, sondern macht auch Freude herumzulaufen.

Jeder einzelne Ort hat seine eigene Hintergrundmelodie, jedoch nur eine einzige, was aber eigentlich gar nicht auffällt. Die Hintergrundmusik wurde nämlich wirklich gut komponiert und beginnt nahtlos wieder von vorne. Die Musikstücke passen auch zu den jeweiligen Örtlichkeiten, sodass die Atmosphäre nochmals unterstrichen wird. Dies macht sich in den verschiedenen Idolasphären bemerkbar. Was uns besonders gefällt ist, dass bei jedem Konzert beziehungsweise Gesangsauftritt sogar extra Lieder für das Spiel geschrieben worden sind. Sie klingen echt gut und manche haben sogar Ohrwurmfaktor.

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Das Spiel hat NUR eine japanische Sprachausgabe und besitzt englische Untertitel. Somit sollten alle, die weder des Englischen noch Japanischen mächtig sind, sich nicht an das Spiel wagen, um nicht enttäuscht zu werden. Allerdings schreibt Nintendo diesen Hinweis auch auf die Produktseite des Spiels.

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Fazit

Mit „Tokyo Mirage Sessions #FE“ hat ATLUS ein richtig gutes Spiel auf die Wii U gebracht. So niedlich die Zwischensequenzen und Charaktere sind, so verzwickt ist das Kampf- und Level-System. Die Geschichte ist interessant, auch wenn man sich teilweise fragt, was denn gerade eigentlich los ist. Mir persönlich haben vor allem die musikalischen Auftritte der Agentur- und Teammitglieder gefallen. Von einem Lied habe ich jetzt noch einen Ohrwurm, obwohl ich weder Japanisch kann und daher kein Wort davon verstanden habe. Glücklicherweise gibt es englische Untertitel, die beim Verständnis helfen. Ich kann jedem Wii U Besitzer, der ein Fan von Rollenspielen ist, diesen Titel nur ans Herz legen.

Positiv

  • Schöne Geschichte
  • Viele Stunden Spielzeit
  • Verschiedene Schwierigkeitsgrade
  • Gefühl von Verbundenheit durch Smalltalk mit den Hauptfiguren

Negativ

  • Untertitel leider nur Englisch
  • Vor allem im späteren Spielverlauf laggt das Spiel ab und an
90
Dominik Probst

Geschrieben von: Dominik Probst

Informatik-Student und Hobby-Spieleentwickler. Nebenbei auch noch auf Youtube als Let's Player unterwegs. Gamer aus Leidenschaft seit meiner Kindheit, mit einem Faible für die komplette "The Legend of Zelda"- und "Halo"-Reihe.

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