The Town of Light – Eine bewegende Zeitreise

Bei The Town of Light handelt es sich um ein Adventure, das auf einer realen Geschichte basiert, die zur Zeit des Zweiten Weltkriegs spielt. Ob der Ausflug in die Nervenheilanstalt in Italien geglückt ist, zeigt euch unser Test.

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Verdrängte Erinnerungen

The Town of Light spielt im Jahre 2016, als die Hauptfigur Renée in die Nervenheilanstalt in Volterra in Italien zurückkehrt, in der sie Teile ihrer Kindheit verbracht hat. Die Geschehnisse in der Vergangenheit, an die sich Renée nach und nach erinnert, fanden zur Zeit des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1942 statt.

Wir befinden uns nun auf dem Gelände der verlassenen und teilweise verfallenen Anstalt. Das Gebäude ist von Pflanzen überwuchert und auch am Mobiliar im Inneren ist die Zeit nicht spurlos vorbei gegangen. Wir erkunden die Umgebung aus der Ego-Perspektive heraus, sämtliche Interaktionen sind über die E-Taste möglich. Hierzu gehören das Öffnen von Türen und Schränken, das Betätigen von Lichtschaltern oder auch das Inspizieren von herumliegenden Objekten. In der Nahansicht können diese Objekte näher untersucht und von allen Seiten betrachtet werden. Ein Mitnehmen der Objekte, wie wir es aus anderen Adventures kennen, ist hier hingegen nicht möglich. Allerdings erfahren wir durch das Lesen von Dokumenten oder auch durch das Betrachten von Bildern weitere Details über Renées bewegende Vergangenheit.

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Packende Atmosphäre

Unsere Reise beginnt mit der Suche nach Renées alter Puppe Charlotte, die in ihrer Kindheit eine wichtige Rolle gespielt hat. Während der Suche nach Charlotte und auch danach erinnert sich Renée immer wieder an schreckliche Geschehnisse, die sich während ihrer Zeit in der Anstalt ereignet haben. Diese werden im Rahmen eindringlicher Sequenzen veranschaulicht, die auf einen künstlerischen Zeichenstil setzen. Diese groteske Art der Darstellung transportiert das Grauen, das Renée erlebt hat, sehr gut und gestattet uns einen Einblick in ihre Gefühlswelt, was immer wieder für Gänsehaut- und Schockmomente sorgt. Aber auch ihre seelische Labilität wird mithilfe verschiedener Stilmittel sehr gut in Szene gesetzt. So verändert sich beim Erkunden der Umgebung ab und zu einfach die Wahrnehmung. In diesen Momenten scheinen sich die Wände zu bewegen, alles um uns herum verschwimmt und der Boden wird uns im wahrsten Sinne des Wortes unter den Füßen weggerissen. Hier werden die Ängste sowie die seelische Achterbahnfahrt, mit denen Menschen mit psychischen Problemen zu kämpfen haben, anschaulich und sehr eindringlich dargestellt.

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Die Umgebung rund um die Anstalt sowie das Innere des Gebäudekomplexes wurden sehr detailliert gestaltet. Während uns im Außenbereich der Anlage eine idyllische Naturlandschaft mit Bäumen, Sträuchern oder hohen Gräsern erwartet, sieht das Innere der Nervenheilanstalt so aus, als wäre diese von heute auf morgen verlassen worden. Sämtliche Gerätschaften, die von gruseligen Untersuchungsinstrumenten, die allerdings eher nach Folter als nach Untersuchung aussehen, bis hin zu Küchengeräten reichen, stehen noch genau dort, wo sie früher auch benutzt wurden. Auch die zahlreichen Regale und Schränke sind voll von Dokumenten und Büchern und wurden offenbar niemals ausgeräumt. Der Zerfall des Gebäudes wurde ebenfalls sehr stimmungsvoll eingefangen. So können wir nicht nur Schimmel- oder Feuchtigkeitsflecken an den Wänden entdecken, sondern sehen auch immer wieder Risse in der Tapete oder Stellen, an denen der Putz teilweise oder vollständig abgebröckelt ist.

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Nahe am Geschehen

Im Spielverlauf haben wir regelmäßig die Chance, mit Renée ins Gespräch zu kommen. In diesen Dialogen, in denen sie quasi mit sich selbst spricht, stehen uns verschiedene Aussagen oder Fragen zur Verfügung, mit denen wir sie konfrontieren können. Renées Reaktion hängt dabei von der gewählten Aussage ab. Je besser wir uns anstellen, desto mehr Details können wir ihr in diesen Momenten entlocken. Durch den Einsatz dieser Gespräche versetzt uns das Spiel noch tiefer in die Handlung hinein, wodurch Renées Schicksal für uns noch einmal ergreifender wird.

Das Adventure speichert nach dem Abschluss eines Kapitels automatisch, eine manuelle Speicherung ist nicht möglich. Die einzelnen Abschnitte lassen sich anschließend auch einzeln auswählen und bei Bedarf ein weiteres Mal spielen. Zu Beginn der Handlung sind in der Anstalt noch viele Bereiche unzugänglich oder verschlossen. Je weiter wir voranschreiten, desto mehr Areale können wir betreten. Auch wenn der Fokus des Titels eindeutig auf der Geschichte und der Atmosphäre liegt, gilt es auch das eine oder andere Rätsel zu lösen. Diese finden aber nur am Rande statt und sind auch wirklich sehr schnell erledigt.

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Fazit

The Town of Light ist ab der ersten Spielminute vor allem eins, nämlich wirklich beeindruckend. Die Art und Weise, wie hier auf das Leiden psychisch kranker Menschen eingegangen und wie ihr täglicher Kampf veranschaulicht wird, ist absolut bemerkenswert. Auch die Darstellung der grausamen Methoden, die zur Zeit des Zweiten Weltkriegs in der Nervenheilanstalt praktiziert wurden, ist so gut gelungen, dass man beim Spielen immer wieder gleichermaßen ergriffen und sprachlos ist. Wenn man sich für das Spielen des Adventures entscheidet, sollte man sich definitiv darüber im Klaren sein, dass es sich hierbei um alles andere als ein Unterhaltungsspiel handelt. The Town of Light verlangt uns als Spieler vom emotionalen Aspekt her einiges ab und ist auch wirklich nichts für schwache Gemüter. Am Ende des Tests kann ich aber nur meinen imaginären Hut vor diesem mutigen Projekt ziehen und es jedem ans Herz legen, der sich für diese schwere Thematik interessiert.

Positiv

  • Stimmungsvolle Spielwelt
  • Hervorragend eingefangene Atmosphäre
  • Emotionaler Einblick in die Gefühlswelt psychisch kranker Menschen

Negativ

  • Sehr bedrückende Thematik
  • Definitiv kein Unterhaltungsspiel
85
Daniel Walter

Geschrieben von: Daniel Walter

Hat seit der ersten PlayStation keine Konsolengeneration ausgelassen und interessiert sich vor allem für Adventures, RPGs und Actiongames. Neben der Arkham- und Assassin's Creed Reihe liegen auch sämtliche Star-Wars-Titel stets hoch im Kurs.

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  • Tim-Oliver Siegwart Tim-Oliver Siegwart: Black Flag hat mich von der Story her nicht packen können, hatte mir mehr erwartet und das Gameplay war damals einfach nichts für mich. Ist ja aber immer so, wenn in/an einer Serie was geändert wird, gibt es immer unterschiedliche Meinungen.
  • Daniel Walter Daniel: Ich war immer ein Fan der alten Herangehensweise und vermisse es daher im neuen Teil ein wenig. Trotzdem ist Origins wirklich gut, auch wenn es nicht an meine Favoriten AC 2 und AC Black Flag heranreicht.
  • Tim-Oliver Siegwart Tim-Oliver Siegwart: Die Neuausrichtung gefällt mir sehr gut. Die Architektur ist wunderschön und die Story gut gemacht. Auch die vielen Nebenquests und jetzt mit Level 40 die Community Events sind super. Das ewige geklettere und Dauerblocken aus den Vorgängern war einfach idiotisch, finde das jetzt überzeugender.