The Norwood Suite – Auf in einen psychedelischen Trip

Cosmo Ds Zweitwerk ist nun erschienen. Der zwei Jahre alte Vorgänger Off-Peak stach seinerzeit aus der Masse der Indie-Games durch seine eigenwillige Atmosphäre, sowie sein einfaches Spielprinzip heraus und wurde von der Presse wohlwollend zur Kenntnis genommen. Ob dem Entwickler ein zweiter Geniestreich dieser Art geglückt ist, soll dieses Review klären.

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Unmenschen im Hotel

Ähnlich wie beim Vorgänger wird man gleich in das Geschehen hinein geworfen. Nach dem Mini-Tutorial, welches die wirklich sehr einfache Steuerung erläutert, geht es, nachdem man sich zu Fuß einen Berg hoch geschleppt hat, gleich zur Sache. Die Rezeptionisten des Hotels sind extrem planlos, man kann sich weder online einbuchen, da der WLAN-Router spinnt, noch sein eigentliches Zimmer beziehen, denn das wurde gleich doppelt vermietet. Nach dem Motto „Hilf Dir selbst, sonst hilft Dir eh keiner.“ muss der Router (ein Modell der Firma „Lunksys“) erst einmal wieder zum Laufen gebracht werden. Der Humor im Spiel kommt also schon einmal nicht zu knapp. Die gefühlt tausend Anspielungen auf Politik, Film und Fernsehen werden nicht nur echte Nerds zum Dauergrinsen verleiten.

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Der nette und sehr hilfreiche Concierge, welcher die personifizierte Form eines Quest-Logs darstellt, schickt uns dazu in die hauseigene Bibliothek. Dabei kann man das mehrstöckige Hotel auch gleich frei betreten, so hat es zumindest den Anschein.

Nach den ersten Startschwierigkeiten kommen natürlich gleich weitere hinzu. Bis man sich also in seinem Bett ausruhen kann, müssen einige Hindernisse überwunden werden. Das Rezeptionistenpaar ist, wie der Rest des Personals, zu nichts zu gebrauchen, sodass man unfreiwillig einen Job als Laufbursche annimmt. Bezahlt wird man in Energiedrinks eines großen Magnaten, der seine Mitarbeiter im Hotel sitzen hat und seine Produktpalette so oder so kostenlos zur Verfügung stellt. Sei’s drum.

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Four Looms

Der Gründer des Hotels Mister Norwood ist das große Mysterium des Spiels. Es gilt, das Geheimnis um sein Verschwinden zu lösen. Dazu dringt man unfreiwillig immer tiefer in das seltsame Uhrwerk seines Hotels ein. Versteckte Geheimgänge, Kleiderspinde die in Wirklichkeit Türen sind und ähnliche Raffinessen sorgen für klaustrophobische Rückenschauer. Dazu kommt ein völlig aus dem Ruder gelaufener Grafikstil, der Art déco und Dürer knallhart zusammenprallen lässt und dabei die allgemeine Verwirrtheit noch zusätzlich steigert. Hier dringt ein bisschen Bioshock durch, an anderer Stelle fühlt sich der Spieler an Half-Life erinnert. Und doch passt es irgendwie alles zusammen. Langeweile kommt so auf jeden Fall schon einmal nicht auf.

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Die Rätsel stehen eher im Hintergrund, der Schwierigkeitsgrad ist als moderat zu bezeichnen. Ganz klar steht die verrückte Geschichte um den ehemaligen Hotelchef im Vordergrund. Dieser war Musiker und Musik spielt auch eine gewisse Rolle in diesem doch insgesamt recht klassischem 3D-Adventure. Anders als bei Loom, wenn das Genre Adventure schon einmal im Raum steht, müssen hier keine Melodien eingeübt werden. Musik kann im Gegensatz zu REZ auch nicht aus vorgegebenen Parts selbst direkt erzeugt werden, vielmehr muss hier und da mal ein Instrument repariert oder Notenblätter gefunden und an einen NPC übergeben werden.

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The Grand Norwoodpest Hotel

Der eigentliche Clou am Spiel ist, dass viele Hotelräume eigene Klangteppiche weben und diese Patchworkarbeiten sind vom Feinsten. Zwar bleibt der Audiofaktor für das Spielgeschehen zumeist eher passiv, dennoch bestimmen diese Soundwolken den Kern von The Norwood Suite. Jazz-Klänge mischen sich unter leichte Elektro-Kost. Natürlich gehört auch etwas „Fahrstuhlmusik“ dazu. Auf der Website von Cosmo D steht „Cosmo D makes Music and Games“. Und vielleicht bietet dieses Adventure aktuell die interessanteste Vermischung von beidem. Das musikalische Gesamtkonzept ergänzt insgesamt ganz hervorragend den Stilmix, welcher die Optik des Spiels bestimmt.

Apropos Optik: Von der Grafik dürfen keine Wunder erwartet werden, Indie-Game gerecht gibt es an dieser nichts auszusetzen. Insgesamt ist diese auf Höhe des Vorgängers gehalten. Dafür sind die Charaktere liebevoll animiert. Sprachausgabe wäre nett gewesen, aber da Cosmo D wohl als One-Man-Show nur begrenzte Ressourcen zur Verfügung hatte, sei ihm das Fehlen dieser verziehen. In der Deluxe Edition für ein paar Euro mehr gibt es noch den Soundtrack dazu. Die Spielzeit beträgt so um die sechs Stunden. Je nachdem wie gut der Orientierungssinn des Spielers ausgeprägt ist, kann sich das Ganze auch etwas in die Länge ziehen.

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Fazit

Auch das Zweitwerk des Machers kann durch seinen seltsamen Stil abermals bestechen. Eine interessante Story, schrullige Charaktere sowie der durchgeknallte Stil des Spiels überzeugen von der ersten Minute an. Hier und da dringt die leicht beengende Statik des Spiels dennoch durch, aber das ist zu verkraften. Nichtsdestotrotz ein Muss für jeden Adventure-Fan.

Positiv

  • Exzentrische Charaktere
  • Ein legaler und ungefährlicher psychedelischer Trip
  • Gute Musik

Negativ

  • Spielzeit könnte länger sein
  • Mehr Bewegung im Spiel täte gut
89

Geschrieben von: Daniel Liebeherr

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  • Tim-Oliver Siegwart Tim-Oliver Siegwart: Black Flag hat mich von der Story her nicht packen können, hatte mir mehr erwartet und das Gameplay war damals einfach nichts für mich. Ist ja aber immer so, wenn in/an einer Serie was geändert wird, gibt es immer unterschiedliche Meinungen.
  • Daniel Walter Daniel: Ich war immer ein Fan der alten Herangehensweise und vermisse es daher im neuen Teil ein wenig. Trotzdem ist Origins wirklich gut, auch wenn es nicht an meine Favoriten AC 2 und AC Black Flag heranreicht.
  • Tim-Oliver Siegwart Tim-Oliver Siegwart: Die Neuausrichtung gefällt mir sehr gut. Die Architektur ist wunderschön und die Story gut gemacht. Auch die vielen Nebenquests und jetzt mit Level 40 die Community Events sind super. Das ewige geklettere und Dauerblocken aus den Vorgängern war einfach idiotisch, finde das jetzt überzeugender.