The Binding of Isaac: Afterbirth+ – In den Keller des Wahnsinns

Die Geschichte rund um den kleinen Isaac begann schon im Jahr 2011 in The Binding of Isaac. Drei Jahre später kam auch schon das Remake The Binding of Isaac: Rebirth, in dem viel mehr Inhalt und neue Grafiken Einzug in das Spiel gefunden haben. Seither wurde das Spiel ständig weiterentwickelt und mit Zusatzinhalt vollgestopft. Daraus sind zwei DLCs entstanden: The Binding of Isaac: Afterbirth und The Binding of Isaac: Afterbirth+. Letzteres haben wir uns in der kürzlich von Headup Games veröffentlichten Standalone-Fassung für die Nintendo Switch angesehen. Diese gibt es natürlich in einer physischen Box, mit zwei Bögen voller liebevoller Sticker, sowie einer Retro-Spielanleitung.

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Der kleine Isaac lebt mit seiner Mutter alleine in einem Haus auf einem Hügel. Im Normalfall beschäftigt er sich mit sich selbst, zeichnet, spielt mit Spielsachen. Seine Mutter vergnügt sich währenddessen mit christlichen Fernsehsendungen, bis sie eines Tages eine Stimme vernimmt. Diese Stimme sagte ihr, dass der kleine Isaac verdorben ist und gerettet werden muss. Sie als Christin stimmt natürlich sofort zu und will alles unternehmen, um ihn zu retten. Kurze Zeit später entfernt sie alles Böse aus seinem Zimmer, doch das reichte der Stimme nicht. Sie meldete sich erneut zu Wort, dass Isaacs Seele immer noch verdorben ist, von allem Bösen abgeschnitten werden und seine Sünden bekennen muss. Daraufhin sperrte seine Mutter Isaac in sein Zimmer ein.

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Ein letztes Mal vernimmt Isaacs Mutter die Stimme, die ihr als Zeichen des Glaubens eine letzte Aufgabe stellt: Isaac zu opfern. Natürlich nimmt sie auch diese Forderung ernst und schnappt sich auf dem Weg zu Isaacs Zimmer ein Küchenmesser. Der kleine Isaac hat alles durch das Schlüsselloch seiner Tür beobachtet. Ängstlich und voller Furcht sucht er ein Versteck vor seiner Mutter, als er plötzlich eine versteckte Falltür unter seinem Teppich findet. Als er hört, wie seine Mutter die Tür aufsperrt, öffnet er kurzerhand die Falltür und quetscht sich hindurch, in die Tiefen unter seinem Zimmer.

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Nach dieser kurzen aber dennoch düsteren Einleitung beginnt auch das eigentliche Spiel. Zuerst wählen wir einen von den 13 verfügbaren Charakteren aus, von denen alle bis auf Isaac freigeschaltet werden müssen. Am Anfang fällt die Entscheidung ja nicht schwer, und dann geht die Reise auch schon los in die Untiefen unter Isaacs Raum. Wir beginnen im Keller und arbeiten uns von dort immer tiefer hinab, durch die Tiefen und durch die Gebärmutter. Ja, richtig gelesen. Unter dem Zimmer von Isaac befinden sich sehr viele, teilweise sehr beunruhigende Dinge. Man könnte glatt meinen, es wäre seine persönliche Hölle.

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Auf jeder Ebene, die wir wieder durch eine Falltür verlassen, kämpfen wir uns Raum für Raum voran. In so gut wie jedem lauern Gegner auf uns, die natürlich erst erledigt werden müssen, bevor wir weiter dürfen. Es warten über 180 verschiedene Gegnertypen auf uns, die von kleinen Fliegen, über Würmer und fliegende Bomben, bis hin zu kleinen Teufeln, Geistern und Klonen von Isaac reichen. Jeder Feind hat sein eigenes Angriffs- und Bewegungsmuster. Manche schießen nur ein Projektil ab, manche mehrere. Diese müssen auch nicht immer nur horizontal fliegen, können sich also auch vertikal oder diagonal durch den Raum bewegen.

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Weil wir gerade von den Projektilen gesprochen haben: Isaac verschießt seine Tränen in die Richtung, in die er gerade schaut. Wir schauen uns das ganze Spektakel nämlich aus der Draufsicht an. Auf der Nintendo Switch nutzen wir beispielsweise den linken Stick zum Bewegen, den rechten, um in eine Richtung zu sehen und zu schießen. Ähnlich funktioniert das Ganze auch auf der PS4 oder der Xbox One. Auf dem PC gleicht die Steuerung entweder dem Gamepad der bevorzugten Spielekonsole, oder es werden standardmäßig die WASD-Tasten zum Bewegen, und die Pfeiltasten zum Schießen benutzt.

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Da die Monster auf jeder Ebene immer stärker werden, ist es vorteilhaft, wenn wir unseren Charakter immer weiter aufrüsten. Das schaffen wir beispielsweise mit verschiedenen Pillen, die wir in Truhen finden und im Shop kaufen können. Auch erlegte Gegner lassen diese Kraftmacher fallen. Bei den Pillen kauft man allerdings die Katze im Sack. Manche bringen rein Garnichts, die anderen stehlen uns Lebensenergie, lassen uns einen „explosiven Durchfall“ haben, bei dem etliche Bomben aus unserem Hintern kommen, oder paralysieren uns. Das waren nur einige der Nachteile, die man erhalten kann. Glücklicherweise gibt es das Ganze auch noch im positiven Sinn. So erhalten wir Herzen, unsere Tränen werden größer oder aber etwas ganz anderes passiert.

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Da die Pillen ja nicht sonderlich zuverlässig sind, finden wir auch noch Truhen, von denen es unverschlossene graue, verschlossene goldene, sprengbare Steintruhen und teuflische schwarze gibt. Mit etwas Glück finden sich in diesen Power-Ups. Diese kann man mit Gold, das man auch in Truhen und durch das Töten von Feinden bekommen kann, kaufen. Auf den ersten Ebenen findet man auch einen Schatzraum, für den man meist einen normalen Schlüssel benötigt. In diesem befindet sich ein gratis Power-Up. Jedes Power-Up kann entweder ein aktiv benutzbarer oder ein passiver Gegenstand, sowie ein anlegbares Schmuckstück sein.

Aktive Gegenstände müssen meist aufgeladen werden, indem man Räume von Gegnern befreit. Diese lassen sich dann benutzen um beispielsweise eine kleine Gruppe Fliegen oder Spinnen zu beschwören, oder Isaac schießt eine Ladung Tränen in alle Richtungen. Hier gibt es eigentlich fast keine Grenzen. Schmuckstücke und passive Gegenstände stärken und schwächen unseren Charakter. Diese können unsere Tränen verbessern und größer werden lassen, ihnen verschiedene Effekte wie Gift oder Feuer hinzufügen, sie zielsuchend werden lassen oder ganz und gar in etwas anderes verwandeln. Das können zum Beispiel durchdringende Nägel, Sensen, Bomben oder aber sogar ein Laser sein.

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Hier darf man mal sagen: Krasser Scheiß! Die Entwickler haben hier ihrer Kreativität wirklich freien Lauf gelassen. Die ganzen Items lassen sich nämlich zusätzlich kombinieren, um so ganz ausgefallene und einzigartige Kombinationen zu ermöglichen. Und das Beste daran: Es gibt über 600 verschiedene Items, die man freischalten und sammeln kann! Das ist wirklich sehr viel, für das man zahlreiche Stunden Spielzeit benötigt.

Kommen wir noch mal auf die Räume zu sprechen. Jeder besitzt mindestens einen Ausgang, nämlich den Eingang, durch den wir hineingelangt sind. Ziel in jedem Raum ist es, entweder alle Monster zu töten, und falls keine vorhanden sind, einen oder mehrere Schalter zu drücken. Die einzelnen Ebenen bestehen aus vielen einzelnen Räumen, die sich selbst in Größe und Form unterscheiden und zusammen ein vernetztes Labyrinth bilden. Mit weit über 11.000 verschiedenen Raumkonfigurationen gleicht so kein Durchlauf dem vorherigen. Alles ist zufallsgeneriert und durch die zufälligen Items spielt sich auch jeder Durchlauf anders. Der Wiederspielwert ist extrem hoch!

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Es gibt neben den normalen Räumen auch ganz besondere, wie den Geheimraum, den Supergeheimraum, den Herausforderungs- und den Bossherausforderungsraum und noch viele mehr. Um alle zu beschreiben, würden wir noch Tage brauchen, deswegen verzichten wir darauf. Das findest du ja alles beim Spielen selbst heraus. Einen besonderen Raum müssen wir allerdings noch ansprechen, nämlich den Bossraum. In diesem wartet, wie der Name schon sagt, ein Boss auf uns. Hier gibt es weit mehr als 90 verschiedene, die uns das Leben schwer machen wollen. Haben wir ihn erledigt, erscheint auch schon die Falltür zur nächsten Ebene und dazu noch ein gratis Power-Up!

Mit jedem erfolgreichen Durchlauf kommen immer neue Ebenen dazu. Am Anfang sind es nur ein paar wenige, nach ein paar weiteren Siegen kommen wir immer tiefer in das Gefilde hinein. An jedem Ende bekommen wir auch eines von 20 verschiedenen animierten Enden zu sehen. Die meisten erhalten wir einfach durch das normale Durchspielen eines Durchlaufs, viele hängen an anderen Dingen, die wir aber auch nicht weiter erläutern möchten, um hier nichts vorweg zu nehmen. Wem der normale Schwierigkeitsgrad irgendwann zu langweilig wird, der darf sich am Hardcore Schwierigkeitsgrad probieren. Die allgemeine Schwierigkeit steigt zudem immer wieder mal an, sodass es nie zu einfach wird. Bereits der normale Schwierigkeitsgrad ist teilweise schon sehr schwer. Es gibt auch noch einen Greed-Modus, bei dem wir gegen Monsterwellen bestehen müssen.

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Mit an Bord von The Binding of Isaac: Afterbirth+ ist auch noch ein Herausforderungsmodus, bei dem wir einzelne Szenarios spielen können, die mit vorgegeben Items starten, die vielleicht nicht ganz so leicht zu handhaben sind. Man kann sich auch mit anderen Spielern in einer täglichen Herausforderung messen.

Optisch macht The Binding of Isaac: Afterbirth+ wirklich etwas her. Jede Ebene hat ihr eigenes Setting und selbst dieses kann sich im Lauf des Spiels verändern. Fangen wir in einem gewöhnlichen dunklen Keller an, kann dieser auch mal brennen oder überflutet sein, danach wird es immer dunkler, trostloser, gefährlicher und furchteinflößender. Das Gleiche kann man von dem überwältigenden Soundtrack sagen. Die Musik des Spiels spiegelt perfekt die bedrohliche Lage von Isaac wieder. Wir haben selten so eine perfekte musikalische Umsetzung gehört! Auf eine Sprachausgabe wurde weitestgehend verzichtet, was aber auch für das Setting des Spiels die richtige Entscheidung ist. Bis auf das kurze Intro Video, und ein paar Worte von Isaacs Mutter hört man keine Stimme, sondern einfach nur Laute von den Monstern oder Isaac, wenn er verletzt wird.

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Fazit:

Ich habe selten so ein perfektes Spiel gespielt wie The Binding of Isaac: Rebirth! Ich spreche hier extra vom Hauptspiel, da Afterbirth und Afterbirth+ im Grunde ja nur DLCs sind. Man kann hier wirklich weit über 200 Stunden an Spielzeit reinstecken und hat trotzdem noch nicht alles entdeckt! Jeder Durchlauf gleicht keinem vorherigen, da sich die Umgebung ständig ändert, neue Gegner auftauchen und natürlich auch ganz andere Items erscheinen. Der Wiederspielwert ist durch die vielen unterschiedlichen Charaktere, die vielen Ebenen, die vielen Items, die vorgefertigten Herausforderungen und die verschiedenen Modi einfach unglaublich hoch. Wie man weiter oben ja auch lesen konnte, besitze ich die Spiele unter anderem auch noch auf der PS4 sowie auf dem PC. In jedes habe ich schon jeweils weit über 100 Stunden Spielzeit investiert und bin immer noch davon fasziniert. Eine klare Kaufempfehlung für alle, die für wenig Geld einfach viel Inhalt haben möchten! Und ein weiteres Highlight ist natürlich der Inhalt der Box. Neben zwei Bögen mit Stickern, erhalten wir auch eine Retro-Spielanleitung, die uns in alten Zeiten schwelgen lässt.

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Positiv

  • Unglaublich hoher Wiederspielwert
  • Viele verschiedene Charaktere
  • Etliche Spielmodi
  • Bombastischer Soundtrack
  • Fordernder Schwierigkeitsgrad
  • Unzählige Gegner und Bosse
  • Weit über 600 verschiedene Items
  • Box mit Stickern und Retro-Spielanleitung

Negativ

  • Manchmal zu schwierig
97
Dominik Probst

Geschrieben von: Dominik Probst

Informatik-Student und Hobby-Spieleentwickler. Nebenbei auch noch auf Youtube als Let's Player unterwegs. Gamer aus Leidenschaft seit meiner Kindheit, mit einem Faible für die komplette "The Legend of Zelda"- und "Halo"-Reihe.

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  • Tim-Oliver Siegwart Tim-Oliver Siegwart: Black Flag hat mich von der Story her nicht packen können, hatte mir mehr erwartet und das Gameplay war damals einfach nichts für mich. Ist ja aber immer so, wenn in/an einer Serie was geändert wird, gibt es immer unterschiedliche Meinungen.
  • Daniel Walter Daniel: Ich war immer ein Fan der alten Herangehensweise und vermisse es daher im neuen Teil ein wenig. Trotzdem ist Origins wirklich gut, auch wenn es nicht an meine Favoriten AC 2 und AC Black Flag heranreicht.
  • Tim-Oliver Siegwart Tim-Oliver Siegwart: Die Neuausrichtung gefällt mir sehr gut. Die Architektur ist wunderschön und die Story gut gemacht. Auch die vielen Nebenquests und jetzt mit Level 40 die Community Events sind super. Das ewige geklettere und Dauerblocken aus den Vorgängern war einfach idiotisch, finde das jetzt überzeugender.