Syberia 3 – Atmosphärische Reise nach Sibirien

Mit Syberia 3 kommt Leben in das Genre der guten alten Adventures. Wie sich der neuste Teil der beliebten Reihe in der Praxis schlägt, erfahrt ihr bei unserem Ausflug nach Sibirien.

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Im Rahmen einer einleitenden Sequenz treffen wir auf die Hauptfigur Kate Walker, die bewusstlos auf dem Boden im Schnee liegt. Sie wird von einer Gruppe Nomaden entdeckt, die sie mit sich nehmen und in ihr Dorf bringen. Nach einem Schnitt erwacht Kate im Bett eines Krankenhauses, das zugegebenermaßen schon bessere Tage gesehen hat. Ihr Zimmergenosse scheint sie offenbar zu kennen, denn er spricht sie direkt an, nachdem er ihr Aufwachen bemerkt hat. Er stellt sich als Kurk vor und erklärt uns außerdem, dass er zum Stamm der Youkol gehört, dem Nomadenstamm der Kate vor dem eisigen Tod bewahrt hat. Nach der Erstversorgung durch die Schamanin des Stammes wurde Kate von den Stammesmitgliedern ins nächstgelegene Krankenhaus nach Valsembar gebracht, um dort vollständig genesen zu können. Aber auch Kurk ist nicht als Gast in der Klinik, sondern wartet auf die Fertigstellung seiner Beinprothese. Er hat einen Teil seines Beines bei einem Bombenanschlag verloren, den feindlich gesinnte Soldaten auf seinen Stamm verübt haben.

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Weiterhin erfahren wir, dass Kurk zum Anführer der Youkol ernannt wurde und dass es seine Aufgabe ist, den Nomadenstamm auf einer heiligen Reise zu führen. Da dieses Ereignis nur alle paar Jahre stattfindet, ist es eine große Ehre führ ihn, dass er dafür auserwählt wurde. Solange Kurk allerdings auf seine Prothese wartet, sitzt sein Stamm am nahegelegenen Gewässer fest. Am Ende des Gesprächs beschließt Kate, das Personal der Klinik darüber zu informieren, dass sie aufgewacht ist, um das Krankenhaus möglichst bald verlassen zu können. Da die Tür des Krankenzimmers verschlossen sowie die Sprechanlage defekt ist, muss Kate zunächst die Türsteuerung reparieren, wodurch sie direkt vor ihrem ersten Rätsel steht. Ist die Aufgabe gelöst, gelangt sie in den Aufenthaltsbereich des Krankenhauses, wo sie sich endlich etwas freier bewegen sowie ihre Umgebung erkunden kann. Auf diese Weise finden wir allerdings sehr schnell heraus, dass es sich bei der Einrichtung nicht um eine gewöhnliche Klinik, sondern eher um eine Nervenheilanstalt handelt. Auch die Ärzte verhalten sich mehr als merkwürdig, wodurch sich das Verlassen des Gebäudes als weitaus schwerer herausstellt, als Kate es für möglich gehalten hat. Was es mit der mysteriösen Klinik auf sich hat und wie das alles mit dem Anschlag auf die Nomaden zusammenhängt, erfahren wir im Verlauf einer abwechslungsreichen Geschichte, die uns an viele verschiedene Orte führen wird.

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Greift zum Controller

Vor Beginn des Spiels können wir uns entscheiden, ob wir mit vielen oder wenigen visuellen Hinweisen spielen möchten, je nachdem, wie anspruchsvoll wir es mögen. Die Einstellung lässt sich aber auch jederzeit im Menü verändern, wodurch wir schnell reagieren können, wenn wir merken, dass die gewählte Variante nicht ganz unseren Vorstellungen entspricht.

Das Steuern der Figur geschieht entweder über die Richtungstasten der Tastatur oder über den Stick des Controllers. Wenn ihr euch für die Variante mit Tastatur entscheidet, oder einfach keinen Controller euer Eigen nennt, müsst ihr euch allerdings darauf einstellen, dass das Manövrieren von Kate alles andere als präzise ist. Oft bleibt man mit ihr an Wänden oder Einrichtungsgegenständen hängen oder schafft es einfach nicht, sie durch die engen Türöffnungen zu bewegen. Die oftmals etwas ungeschickte Kameraführung tut ihr Übriges, wodurch der eine oder andere Frustmoment vorprogrammiert ist. Hier fühlt man sich in alte Zeiten zurückversetzt, als man in Spielen wie Resident Evil 1 alle Hände voll zu tun hatte, um die Spielfigur dorthin zu bewegen, wo man sie haben wollte. Wahrscheinlich wäre eine traditionelle Point-’n‘-Click-Steuerung für den PC die deutlich bessere Wahl gewesen. Mit einem Controller funktioniert das Bewegen der Figur zwar deutlich besser, ob ein regelrechter Controllerzwang bei einem PC-Spiel aber die richtige Wahl ist, ist fraglich, gerade in Anbetracht dessen, dass nicht jeder PC-Spieler einen solchen besitzt.

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Mithilfe des Cursors, der sich entweder mit der Maus oder mit dem rechten Stick des Controllers bewegen lässt, können wir über verschiedene Gegenstände, Personen oder Türen gleiten, um herauszufinden, ob eine Interaktion möglich ist. Ist dies der Fall, erscheint ein entsprechendes Symbol, je nachdem ob wir den jeweiligen Gegenstand mitnehmen, untersuchen oder betätigen können. Ist ein Dialog mit anderen Charakteren möglich, wird dies durch ein Lautsprecher-Icon angezeigt. Wenn wir den Cursor an den Rand des Bildschirms bewegen, können wir uns zudem noch weiter umsehen, ohne uns fortbewegen zu müssen. Auf die gleiche Weise lassen sich Gegenstände in der Detailansicht von allen Seiten begutachten, um Hinweise oder Interaktionsmöglichkeiten aufzudecken. Was das Erkunden der Umgebung etwas erschwert, ist die Tatsache, dass der Cursor so fein und hell gehalten ist, dass man immer wieder Schwierigkeiten hat, ihn auf dem Bildschirm zu entdecken. Warum man sich nicht für eine etwas kräftigere Farbe entschieden hat, bleibt wohl ein Geheimnis, denn dieses Manko hätte problemlos vermieden werden können.

Anspruchsvolle und logische Rätsel

Die Rätsel präsentieren sich durchweg als gut lösbar und sind dennoch anspruchsvoll genug, dass es nicht langweilig wird. Auch ist deren Lösung immer logisch nachvollziehbar und nicht an den Haaren herbeigezogen, sodass man mit ein wenig Kombinieren und Ausprobieren auch schnell zum Ziel gelangt. Wer Probleme mit den Rätseln hat, kann wie bereits erwähnt zu jeder Zeit den Schwierigkeitsgrad herunter regeln.

Beim Lösen der verschiedenen Aufgaben fällt auf, dass handwerkliche Bewegungen auch tatsächlich selbst ausgeführt werden müssen. So ist es zum Beispiel erforderlich, eine Schraube manuell zu drehen oder ein Kabel tatsächlich in den dafür vorgesehenen Steckplatz zu bewegen. Gleiches gilt für das Drücken von Schaltern oder das Öffnen und Schließen von Klappen und Ähnlichem. Diese Art der realitätsnahen Darstellung weiß von Beginn an zu überzeugen und hebt Syberia von vielen anderen Adventures ab.

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In unserem Inventar haben wir die Chance, die aufgesammelten Gegenstände näher zu betrachten. Hier ist es außerdem möglich, das aktuell benötigte Item auf den mittleren Slot zu schieben, um auf diese Weise eine Interaktion mit der Spielwelt zu ermöglichen. Auch hier erweist sich das hin und her Wechseln der Gegenstände am Controller als sehr viel praktischer, wo dies einfach durch Drücken der Schultertasten möglich ist.

In den Dialogen des Spiels haben wir darüber hinaus immer wieder die Wahl zwischen mehreren Antwortmöglichkeiten. Je nachdem, für welche wir uns entscheiden, reagiert unser Gegenüber unter Umständen anders auf die Situation. Da es im Adventure keine manuelle Speicherfunktion gibt und wir dadurch nicht die Möglichkeit haben, uns durch erneutes Laden anders zu entscheiden, sollten unsere Aussagen also stets gut durchdacht sein.

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Der Sound überzeugt – die Grafik nicht immer

Beim Spielen gehen Bewegungsbildschirm und die kurzen Sequenzen nahtlos ineinander über, was für ein realistische Spielgefühl sorgt. Die Bewegungen der Gesichter und Gliedmaßen wirken dabei leider oftmals recht hölzern. Zudem sind die Mundbewegungen nicht immer synchron zur deutschen Sprachausgabe, sodass sich die Lippen noch bewegen, obwohl nichts mehr zu hören ist. Die Darstellung der Umgebung begeistert hingegen ab der ersten Spielminute. Hier wurden die Landschaften und Gebäude sehr detailliert gestaltet, wodurch jeder Ort eine ganz eigene Atmosphäre erhält.

Auch die instrumentale Hintergrundmusik fällt von Beginn an sehr positiv auf. Die angenehmen Klänge, die sehr hochwertig umgesetzt wurden, kreieren eine angenehme Grundstimmung. Da die Musik weniger flächig daherkommt und man vermehrt auf hübsche eingängige Melodien gesetzt hat, bleiben diese auch nach dem Spielen im Gedächtnis hängen. Es sind meist Streicher- oder Klaviermelodien, die im Vordergrund stehen, begleitet von verschiedenen dezenter gehaltenen Orchesterinstrumenten.

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Fazit:

Syberia 3 belebt die gute alte Zeit des Adventures wieder. Erneut können wir uns auf zahlreiche Rätsel freuen, die es zu lösen gilt, sowie auf detaillierte Umgebungen, die erkundet werden wollen. In Sachen Atmosphäre überzeugt Syberia von Beginn an mit stimmungsvollen Orten und hervorragend umgesetzter Musik. Auch die Rätsel sind durchgehend abwechslungsreich und innovativ. Zudem ist die Tatsache, dass verschiedene handwerkliche Bewegungen selbst ausgeführt werden müssen, eine nette Idee, die uns näher ans Geschehen heranbringt. Der größte Schwachpunkt des Spiels ist hingegen eindeutig die Steuerung, die auf dem Controller zwar recht gut funktioniert, auf der Tastatur aber immer wieder für Frust sorgt. Ein Controller-Zwang ist in meinen Augen für ein PC-Spiel nicht unbedingt die eleganteste Lösung. Auch die Darstellung der Bewegungen sowie die Lippenbewegungen innerhalb der Sequenzen trüben den Gesamteindruck leider merklich. Wer darüber hinwegsehen kann oder einen Controller sein Eigen nennt, erhält mit Syberia 3 aber auf jeden Fall ein sehenswertes und solides Adventure der alten Schule.

Positiv

  • Hervorragende Hintergrundmusik
  • Atmosphärische Umgebung
  • Anspruchsvolle, aber gut lösbare Rätsel
  • Manuelles Bedienen von Geräten, Werkzeugen etc.

Negativ

  • Unpräzise Tastatursteuerung
  • Dadurch quasi ein Controllerzwang am PC
  • Asynchrone Lippenbewegungen in den Sequenzen
  • Unrunde Bewegungen der Figuren
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Daniel Walter

Geschrieben von: Daniel Walter

Hat seit der ersten PlayStation keine Konsolengeneration ausgelassen und interessiert sich vor allem für Adventures, RPGs und Actiongames. Neben der Arkham- und Assassin's Creed Reihe liegen auch sämtliche Star-Wars-Titel stets hoch im Kurs.

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