Silence: Gelungener Nachfolger von The Whispered World?

„Silence“ ist der designierte Nachfolger des hochgelobten Abenteuers „The Whispered World“ vom Entwickler „Daedalic Entertainment“. Wie hat sich das Spiel entwickelt und kann es ebenso überzeugen wie der Vorgänger? Wir haben es uns für euch angeschaut.

Renie und Noah sind Geschwister. Sie leben in einer Zeit des Krieges und müssen sich bei einem Bombenangriff in einem Bunker verstecken. Im Schutzbau finden sie einen Übergang in die Welt „Silence“, die Noah schon von früher kennt. Seiner kleinen Schwester hat der Protagonist aus dem Vorgänger von diesem Ort nur erzählt. Hier erleben die zwei Kinder einige Abenteuer und Renie deckt nun ebenfalls einige Geheimnisse dieses Paralleluniversums auf. Dabei unterstützt der Widerstand gegen die „falsche Königin“ die Bemühungen der Helden.

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Die Story von „Silence“ ist spannend und hat einige gut inszenierte und unerwartete Wendungen. Zwar wird die Geschichte mit einigem Witz und einer kindlichen Art dargestellt, dennoch ist die Grundstimmung eher düster.

Das Spiel ist dabei sehr atmosphärisch und kann den Betrachter in die Spielwelt hineinversetzen. Besonders die Charaktere werden toll dargestellt und kommen jeder auf seine Art authentisch rüber.

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Die zu Anfang noch sehr einfachen und linearen Rätsel werden mit der Zeit komplizierter und es Bedarf mehrerer spielbarer Helden, um diese zu lösen. Zum Beispiel müssen Renie und Noah ein Tor öffnen. Dabei braucht Renie Gegenstände von Noah und dieser umgekehrt die Hilfe seiner Schwester.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil zum Lösen der Rätsel ist das Raupenwesen Spot. Dieses kann unterschiedlichste Formen annehmen und muss den beiden Protagonisten oft helfen. Mit dessen Hilfe können schwere Steine bewegt, kleine Schlitze passiert oder Dinge entzündet werden.

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Auch die Beziehung zwischen Renie und Spot ist sehr schön dargestellt. Sie liebt das Raupenwesen fast genauso wie ihren Bruder.

Die Rätsel im Spiel sind sehr abwechslungsreich gelungen und werden nicht langweilig. Manchmal reicht es, nur wirklich genau hinzuschauen. Andere müssen anhand von Worträtseln gelöst werden.

Dabei werden die Denkspiele nie richtig schwer. Man kommt nach ein wenig Knobeln auf die Lösung. Problematisch ist dabei ab und zu, dass erst andere Dinge erledigt werden müssen, sodass man zwar schon mit dem Gegenstand interagiert hat, dies aber dann noch mal tun muss. Das kann dazu führen, dass man manchmal etwas hin und her irrt und sich wieder an die erfolgte Aktion erinnern muss. Allerdings hat man danach immer einen „Aha-Effekt“. Somit gehen die Motivation und der Spielspaß nicht verloren.

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Die integrierten Dialogentscheidungen wirken sich leider kaum auf die Geschichte aus und sind sehr simpel. Hier hätte man vielleicht durch mehr Einflussnahme den Wiederspielwert des Spiels noch weiter erhöhen können.

Grafisch ist den Entwicklern ein Meisterwerk gelungen. Die liebevoll gezeichneten Hintergründe geben dem Spiel eine tolle Atmosphäre. Es gibt sehr viele Kleinigkeiten zu entdecken, die die Welt von „Silence“ sehr lebendig erscheinen lassen. Dabei ist jeder neue Bildschirm des Adventures sehr individuell und hat seine eigene Stimmung und Farbgebung. Licht-und Schatteneffekte kommen so stimmungsvoll rüber, dass die gesamte Welt von „Silence“ auf ihre bizarre Art unglaublich echt wirkt. Alles ist so aufeinander abgestimmt, dass es wie aus einem Guss wirkt.

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Die Charaktere und ihre Emotionen sind auch sehr schön dargestellt. Für ein Point-and-Click-Adventure setzt „Silence“ hier hohe Maßstäbe.

Einzig die unsichtbaren Wände wirken etwas seltsam. Die Protagonisten haben öfters nicht die Möglichkeit, weiter zu laufen, obwohl eine richtige Barriere erst ein Stückchen weiter weg sichtbar ist. Hier hätten die Entwickler noch etwas feiner arbeiten können.

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Auch der Sound sowie die Musik des Spiels sind hervorragend gelungen. Die Hintergrundgeräusche, wie etwa das Rauschen eines Wasserfalls, sind so stimmungsvoll, dass sie der tollen Grafik noch einmal mehr Leben einhauchen und die Atmosphäre noch dichter werden lassen.

Die Sprecher schaffen es, den Charakteren die passenden Gefühle zu geben und lösen ihre Aufgabe als Schauspieler meisterlich, auch wenn sie einige Male nicht ganz synchron wirken.

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Die Steuerung ist sehr simpel, fällt aber an der Tastatur wesentlich präziser aus, da man mit dem Gamepad manchmal genau den richtigen Standpunkt finden muss. Ansonsten ist die Steuerung sehr intuitiv und unkompliziert.

Für Leute, die den ersten Teil des Spiels nicht kennen, gibt es am Anfang eine Zusammenfassung der Geschichte von „The Whispered World“. Die Story ist aber auch so schön erzählt, dass man ohne Vorwissen eine tolle Erfahrung hat. Wer den Vorgänger gespielt hat, wird aber natürlich noch etwas intensiver in die Welt von „Silence“ eintauchen können. Außerdem kann man den ein oder anderen alten Bekannten wiedertreffen.

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Fazit:

„Daedalic Entertainment“ hat es geschafft, an den Erfolg des Vorgängers anzuknüpfen. Die Welt von „Silence“ ist wieder unfassbar toll inszeniert worden. Gerade die Hintergründe in den Bildern sind sehr schön gelungen und schaffen eine wunderbare bizarre Atmosphäre, die perfekt zur der Geschichte des Spiels passen.

Die Story fesselt wieder sehr, auch wenn sie leider etwas kurz geraten ist und ein sehr abruptes Ende hat, dass aber zum Nachdenken anregt und auf seine Art traurig ist. Leider ist der Wiederspielwert sehr gering, da man die Story und die Rätsel beim ersten Durchlauf schon alle mitbekommt. Dazu kommen die spannenden Charaktere, die durch die Sprecher noch einmal authentischer wirken. Der Sound ist toll gelungen und gibt dem Ganzen den letzten Schliff.

„Silence“ ist also für alle Abenteuerfans ein absolutes Muss, besonders für diejenigen, die schon den Vorgänger gespielt haben.

 

Positiv

  • Hervorragende Grafik
  • Toller Sound
  • Dichte Atmosphäre
  • Wunderschöne, stimmungsvolle Spielwelt
  • Spannende Story
  • Gelungene Charaktere
  • Abwechslungsreiche Rätsel

Negativ

  • Ab und zu unsichtbare Wände
  • Rätsel sind nicht unbedingt schwer
  • Einige asynchrone Stellen bei der Vertonung
90
Nikolas Rau

Geschrieben von: Nikolas Rau

Kinderpfleger und angehender Erzieher. Großes Hobby natürlich PC-Spiele, dabei gerne auch neue und innovative Dinge aus dem Bereich Indie. Neueinsteiger in der Branche.

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Neueste Kommentare

  • Florian Richter Florian Richter: Ja Telltale weiß einfach wie man die Fans der Filme und die der Comics vereinen kann. Die Charaktere sind wirklich gut gelungen und man muss nicht überlegen wen man da auf dem Bildschirm hat.
  • Tim: Habe Guardians im Flugzeug gespielt, davor den 1. Kinofilm gesehen. Die Umstellung im Design der Charaktere ging recht schnell und ist einfach auch richtig gut gemacht.
  • Dominik Probst Dominik Probst: Kann ich schon verstehen. Aber Merchandise ist immer schön anzusehen :D