Rise and Shine

Wer sich voller Nostalgie gern an selige Action-Jump-’n‘-Run-Klassiker wie die „Mega-Man“-Reihe zurückerinnert und der Überzeugung ist, dass die alten Titel deutlich anspruchsvoller waren als der heutige „Kinder-Schnickschnack“, dürfte von „Rise and Shine“ überrascht sein. Das Spiel, das in einer Zusammenarbeit zwischen Super Mega Team mit Adult Swim Games entstand und ab dem 13. Januar im Steamshop erhältlich ist, bringt es fertig, jeden Action-Veteranen gehörig ins Schwitzen zu bringen. Warum das so ist, verrät unser Test.

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Gamearth in Gefahr!

Der friedliche Planet Gamearth, der zahlreiche berühmte Figuren der Videospielgeschichte zu seinen Einwohnern zählt, wird von einer feindlichen Armada Weltraumsoldaten angegriffen. Während der Invasion versuchen die bekannten Videospielhelden verzweifelt Widerstand zu leisten, doch scheint die Übermacht der Feinde zu mächtig. Rise, ein kleiner Junge im Kapuzenmantel, der während der Attacke Schutz in einem Einkaufszentrum sucht, wird zufällig Zeuge, wie einer der Widerstandskämpfer vor seinen Augen tödlich verwundet wird. Mit letzter Kraft übergibt er Rise seinen großkalibrigen, sprechenden Revolver Shine, der auch in chaotischen Situationen stets einen sarkastischen Kommentar auf Lager hat und seinem neuen Besitzer nebenbei ein paar Spieltipps mit auf den Weg gibt. Als Spieler übernehmen wir sodann die Rolle von Rise, dem nun die Bürde auferlegt wird, zusammen mit Shine den Planeten Gamearth von den feindlichen Gesellen zu säubern.

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Auf unseren Feldzug müssen wir uns in insgesamt 14 Levels einen Weg durch 2-D-Landschaften bahnen, die in einem bunten Comicstil dargestellt sind. Bevor wir jedoch blindlings ins Geschehen stürzen, ist es dringend vonnöten, uns zu Beginn in einem kurzen Tutorial die Steuerungselemente des Spiels anzueignen. Während wir uns mit der A- und D-Taste nach links und rechts bewegen und mit der Steuerungstaste schnell zur Seite sprinten, um den Raketen unserer Gegner auszuweichen, wird die Leertaste zum Springen genutzt. Drücken wir zweimal auf die Leertaste, setzen wir zu einem Doppelsprung an.

Das Besondere an „Rise and Shine“ ist der Umstand, dass wir nicht einfach blind durch die Gegend feuern können. Stattdessen müssen wir die rechte Maustaste gedrückt halten, um unseren Revolver anzulegen. Gleichzeitig erscheint ein Fadenkreuz, das wir mit Mausbewegungen über den Bildschirm steuern. Haben wir unser Ziel erfasst, benutzen wir die linke Maustaste zum Schießen. Im Laufe des Spiels sammeln wir darüber hinaus spezielle Munition ein, die entscheidend für unseren Spielfortschritt ist. So müssen wir beispielsweise an manchen Stellen eine ferngesteuerte Kugel abfeuern, die wir via Maustaste durch die Luft navigieren. Darüber hinaus können wir elektrisch geladene Munition gegen Roboter und einen Flammenwerfer gegen Zombie-Horden einsetzen. Bei den Gefechten ist es von Vorteil, den Wechsel zwischen den Spezialmunitionen gut zu beherrschen, da das flotte Gameplay uns wenig Zeit zum Nachdenken lässt.

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Zum Sterben schön

Wo andere Spiele zu Beginn einen eher ruhigen Gang einlegen, damit der Spieler sich langsam mit der Spielwelt sowie den Steuerungselementen vertraut machen kann, gibt es in „Rise & Shine“ keine lange Eingewöhnungsphase. Sobald wir das Tutorial abgeschlossen und unseren Revolver geladen haben, geht es ordentlich zur Sache. Alsbald setzen uns Flugroboter sowie muskelbepackte Bodenpatrouillen zu, sodass uns die Kugeln nur so um die Ohren fliegen. Während einzelne Gegner verhältnismäßig schnell besiegt werden können, wird es bei drei Gegnern, welche den Bildschirm mit Projektilen eindecken, schon kritisch für uns.

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Zwar verfügen wir über eine schmale, regenerative Energieleiste, doch benötigt es meist bloß zwei bis drei gezielte Treffer, um uns das Licht auszublasen. Der virtuelle Bildschirmtod ist in „Rise and Shine“ an der Tagesordnung, sodass wir uns schnell daran gewöhnen, Abschnitte mehrmals zu wiederholen. Als besonders knifflig erweist sich so mancher Bosskampf. Dabei kann es vorkommen, dass die Abläufe teilweise schon an eine Choreographie grenzen. Nur dann, wenn wir die Steuerung perfekt beherrschen und das schnelle Gameplay verinnerlicht haben, können wir überleben.

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Neben den Actioneinlagen warten nebenbei vereinzelte Schalterrätsel darauf, von uns gelöst zu werden. Dabei geht es zumeist darum, eine von uns ferngesteuerte Kugel unbeschadet durch ein mit Abwehrkanonen ausgerüstetes Labyrinth zu navigieren, um damit einen entfernten Türhebel zu aktivieren.

Abwechslungsreich und überraschend

In der offiziellen Inhaltsangabe zu „Rise and Shine“ werben die Entwickler damit, dass die einzelnen Level individuell konzipiert wurden und frei von Wiederholungen sind. Und in der Tat fällt die Struktur des Titels recht vielseitig aus. So kämpfen wir uns mit unserer Figur durch zerstörte Gassen, durchqueren von Giftgas verseuchte Gebiete und finden uns in finsteren Katakomben wieder. Dabei überrascht das Gameplay regelmäßig mit originellen Ideen, sodass wir das Gefühl haben, dass an jeder Ecke etwas Neues auf uns warten könnte. Einziges Manko ist, dass die Abschnitte trotz des hohen Schwierigkeitsgrades etwas zu kurz geraten sind.

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Innerhalb eines Levels sind regelmäßige Wiederbelebungspunkte verteilt, an denen wir im Falle eines Ablebens wieder auftauchen und von neu starten. Manuell speichern können wir nicht. Wenn wir während eines Levels das Spiel verlassen, müssen wir das gesamte Level noch einmal bestreiten.

Eine gelungene Mischung

In technischer Hinsicht gibt es wenig zu beanstanden. Das Spiel bezaubert mit einem optisch beeindruckenden und flüssigen Cartoonstil, der mit sehr viel Liebe zum Detail von Hand gezeichnet sowie abwechslungsreich in Szene gesetzt wurde. Ebenso überzeugt die ambivalente Soundkulisse, welche mit elektrischen Musikstücken und knalligen Effekten das apokalyptisch-witzige Geschehen hervorragend einfängt. Die Zwischensequenzen, die ohne Sprachausgabe, dafür aber von Geräuschen unterstützt werden, wirken wie aus einem Comicheft und reihen sich harmonisch in das Gesamtgefüge ein. Die Geschichte und die dazugehörigen Dialoge sind zwar nicht besonders tiefsinnig, bestechen aber mit Humor und Selbstironie.

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Trotz des kunterbunten Designs geizt das Spiel nicht mit einer überzeichneten Gewaltdarstellung. So verlieren die getroffenen Gegner öfter mal ihren Kopf oder verenden in einer gigantischen Blutfontäne. Auch unser eigenes Ableben wird nicht gerade zimperlich behandelt. Da das Ganze jedoch stets an den schwarzen Humor der Handlung gekoppelt ist, entsteht eine ambivalente Mischung, die gerade erwachsenen Spielern viel Spaß machen dürfte.

Besonders haben uns die zahlreichen Anspielungen gefallen, die überwiegend auf Kosten der berühmten Videospielhelden gehen und stets für eine Überraschung gut sind. So sehen wir beispielsweise an einer Stelle, wie sich angesichts der feindlichen Übermacht ein Vogelschwarm in die Lüfte erhebt und sich mittendrin die Spielfigur Flappy Bird tummelt. An einer anderen Stelle des Spiels rollt ein beschädigter Zug im Bildhintergrund vorbei, dessen Insassen – unter anderem Bomberman, Ken aus „Street Fighter“ und Pikachu aus „Pokémon“ – allesamt das Zeitliche gesegnet haben.

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Fazit

„Rise and Shine“ überzeugt durch flüssiges Gameplay, satte Action und nicht zuletzt durch seinen visuell ansprechenden Comicstil, welcher detailliert und originell in Szene gesetzt wurde. Hinter dem quietschbunten Design und der spaßigen Präsentation verbirgt sich allerdings ein knallhartes Action-Jump-’n‘-Run für Erwachsene, das den Spieler von Beginn an ins Schwitzen bringt und selten Fehler verzeiht. So dürften vor allem Genreanfänger zuweilen ganz schön an „Rise and Shine“ zu knabbern haben. Wer sich allerdings nach einem kurzweiligen, harten Shooter der alten Schule sehnt, dürfte mit dem Titel goldrichtig liegen.

Positiv

  • Wunderschöne, handgezeichnete Grafik
  • Humorvolle Inszenierung
  • Abwechslungsreiche Levels
  • Knallige Action

Negativ

  • Für Genreanfänger recht schwer
  • Levels etwas zu kurz geraten
88
Daniel Kohlstadt

Geschrieben von: Daniel Kohlstadt

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Neueste Kommentare

  • Tim-Oliver Siegwart Tim-Oliver Siegwart: Black Flag hat mich von der Story her nicht packen können, hatte mir mehr erwartet und das Gameplay war damals einfach nichts für mich. Ist ja aber immer so, wenn in/an einer Serie was geändert wird, gibt es immer unterschiedliche Meinungen.
  • Daniel Walter Daniel: Ich war immer ein Fan der alten Herangehensweise und vermisse es daher im neuen Teil ein wenig. Trotzdem ist Origins wirklich gut, auch wenn es nicht an meine Favoriten AC 2 und AC Black Flag heranreicht.
  • Tim-Oliver Siegwart Tim-Oliver Siegwart: Die Neuausrichtung gefällt mir sehr gut. Die Architektur ist wunderschön und die Story gut gemacht. Auch die vielen Nebenquests und jetzt mit Level 40 die Community Events sind super. Das ewige geklettere und Dauerblocken aus den Vorgängern war einfach idiotisch, finde das jetzt überzeugender.