Prison Architect für PS4 (Double Eleven)

In „Prison Architect“ ist es unsere Aufgabe, ein Gefängnis zu leiten und uns um die verschiedenen Aspekte des täglichen Lebens hinter Gittern zu kümmern. Wie sich das Spiel auf der PlayStation 4 schlägt, könnt ihr in unserem Test nachlesen.

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Um einen leichten Spieleinstieg zu ermöglichen, können in „Prison Architect“ verschiedene Tutoriallevel gespielt werden, die die Grundaspekte der Steuerung verdeutlichen und die immense Vielfalt an gestalterischen Möglichkeiten offenbaren. Um den insgesamt fünf Tutorials einen gewissen Rahmen zu verleihen, wurden sie jeweils mit einer netten Hintergrundgeschichte verbunden, die anhand von kleinen, teils sehr lustigen Mini-Sequenzen erzählt wird.

Neben einem Doppelmörder, auf den der elektrische Stuhl wartet, den wir natürlich vorbereiten und anschließen müssen, begegnen wir hier unter anderem auch einem Mafia-Boss, der bei einem Brand in der Kantine lebensgefährlich verletzt wird. Aber auch dem Geschäftsführer des Gefängnisses müssen wir in einer Episode zu Hilfe eilen, als dieser von einem Insassen als Geisel genommen wird.

Die kleinen Geschichten sorgen dafür, dass wir das Spielprinzip sehr schnell erlernen und direkt danach mit unserem eigenen Gefängnis beginnen können. Sie sind der perfekte Einstieg für neue Spieler und haben zudem noch einen enormen Unterhaltungswert, auch wenn der Humor an viele Stellen schon richtig schwarz und makaber ist.

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Gameplay

Ein Hauptaspekt des Spiels besteht darin, ein Gefängnis zu bauen, das natürlich aus mehreren Räumen besteht, die für unterschiedliche Zwecke genutzt werden können. Bevor wir einen Raum seiner jeweiligen Bestimmung zuweisen können, ist es erforderlich, die gewünschte Fläche auf dem Gefängnisgrundstück zu planieren. Hierfür müssen wir das Bau-Menü durch Drücken der linken Taste des Steuerkreuzes aufrufen. Der „Gebäude“-Unterpunkt bietet nun die Möglichkeit, mit gehaltener X-Taste den Grundriss des Raumes zu markieren und die Auswahl durch Loslassen der Taste zu bestätigen. Ist dies geschehen, eilen fleißige Bauarbeiter herbei und setzen den gewünschten Arbeitsschritt unseren Vorgaben entsprechend um.

Das Anlegen des Grundrisses ist der Bauabschnitt, der die meiste Zeit in Anspruch nimmt. Wenn es mal schneller gehen soll, kann die Zeit mithilfe der Kombination aus Dreiecks- und Richtungstaste beschleunigt oder bei Bedarf auf verlangsamt oder angehalten werden. So können wir weitere Arbeitsschritte in Ruhe planen oder auf Veränderungen reagieren, ohne dass wir uns dabei stressen müssen.

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Ist der Grundriss fertig, lässt sich der jeweilige Raum über das „Wände & Türen“-Untermenü noch weiter einteilen sowie mit verschiedenen Durchgängen versehen. Hier gibt es neben klassischen vergitterten Gefängnistüren auch Standard-Holztüren für gewöhnliche Durchgänge innerhalb der Anlage sowie Modelle, die nur vom Personal geöffnet werden können. Auf diese Weise lässt sich jeder Raum individuell anpassen und auf die jeweiligen Bedürfnisse zuschneiden. Zeigt eine Tür oder ein Gegenstand einmal in die falsche Richtung, kann die Ausrichtung über „L3“ verändert werden.

Sobald das Grunddesign eines Raumes steht, müssen wir ihn anschließend seinem gewünschten Zweck zuordnen. Dies geschieht ebenfalls über das Bau-Menü, diesmal aber über den Unterpunkt „Räume“. Hier finden wir alle verfügbaren Raumtypen, die wir dem vorher errichteten „Rohling“ zuweisen können, indem wir den gewünschten Abschnitt mit dem Cursor markieren. Da wir hier auch nur Teile eines Gebäudes markieren können, ist es möglich, mehrere Raumtypen in einem Gebäude unterzubringen. Sobald die Zuordnung abgeschlossen ist, wird der entsprechende Bereich auch direkt beschriftet, was für eine übersichtliche Darstellung sorgt.

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In den meisten Räumen müssen gewisse Vorgaben erfüllt werden, bevor sie genutzt werden können. So werden in einer Küche beispielsweise Herd und Kühlschrank benötigt, die Hinrichtungskammer sollte dagegen mit einem elektrischen Stuhl ausgestattet sein, bevor man sie in Betrieb nimmt. Um einen Raum mit den benötigten Gegenständen und Objekten auszustatten, müssen wir uns im „Objekte“-Bereich des Bau-Menüs genauer umsehen. Sobald wir die gewünschten Möbel gekauft haben, werden sie vom Bau-Personal hereingebracht und an der vorher markierten Stelle abgestellt.

Bei einigen Objekten ist darauf zu achten, dass sie einzeln an die Stromversorgung angeschlossen werden müssen. „Gewöhnliche“ Einrichtungsgegenstände wie Fernseher, Radios oder ähnliches müssen nicht mit einer eigenen Stromleitung an das Stromnetz angeschlossen werden, wenn der Raum, in dem sie sich befinden, über einen Anschluss verfügt. Geräte mit erhöhtem Stromverbrauch, wie der elektrische Stuhl oder auch der Herd in der Küche, müssen dagegen mithilfe einer separaten Stromleitung in das Hauptnetz integriert werden, damit sie funktionieren. Dies ist über den „Stromversorgung“-Unterpunkt im Bau-Menü möglich. Hier stehen außerdem zusätzliche Kondensatoren bereit, die wir in das hauseigene Elektrizitätswerk einbauen können, falls der Stromverbrauch einmal zu hoch ist und uns die Sicherungen herausfliegen.

Ähnlich wie bei den Elektrogeräten verhält es sich bei Objekten, die einen Wasseranschluss benötigen. Hier müssen wir beispielsweise darauf achten, dass die Sprinkleranlage oder die Spüle über einen eigenen Wasseranschluss verfügen. Die Wasserrohre lassen sich über das „Wasserversorgung“-Menü verlegen.

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Wie bei „Die Sims“ sollten wir auch bei „Prison Architect“ darauf achten, dass es unseren Gefangenen gut geht. Andernfalls kommt es gerne einmal zu Gewalt und Aufständen, die das tägliche Leben doch sehr erschweren. Um die Insassen bei Laune zu halten, stehen Unterhaltungsobjekte wie eine Hantelbank, ein Fernseher oder auch ein Bücherregal zur Verfügung. Außerdem können wir Telefonzellen in die Anlage integrieren, über die die Gefangenen ihre Familien kontaktieren können. Für ein gutes Raumgefühl sorgt hingegen ein ansprechender Bodenbelag, der über das Bau-Menü in jedem beliebigen Raum eingesetzt werden kann.

Da es im Gefängnisalltag immer wieder zu kleineren oder größeren Auseinandersetzungen kommt, ist es sehr hilfreich, über eine Krankenstation zu verfügen. Diese ist außerdem der richtige Ort, um auf Drogenfunde in der Einrichtung zu reagieren und den Süchtigen eine Therapie anbieten zu können. Um eine ausreichende Versorgung sicherzustellen, muss natürlich auch mindestens ein Arzt im Gefängnis arbeiten. Personal können wir über das „Gefängnisleitung“-Menü verwalten und einstellen, das sich über die rechte Richtungstaste des Steuerkreuzes aufrufen lässt. Neben Ärzten oder einfachen Arbeitern finden sich hier auch bewaffnete und unbewaffnete Wachleute sowie Köche, Hausmeister oder Gärtner, die zum Wohl der Insassen beitragen.

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Wenn wir eine der eingestellten Wachen einzeln anwählen, kann diese einem speziellen Bereich der Gefängnisanlage zugeteilt werden. Es lassen sich außerdem Patrouille-Routen festlegen, auf denen die Wachleute eigenständig unterwegs sind und dort gegen eventuelle Ausschreitungen vorgehen.

Für Extremsituationen hält das Spiel weiterhin diverse Notdienste für uns bereit, die wir im Ernstfall kontaktieren können. Dieses Menü lässt sich über die Abwärtstaste des Steuerkreuzes öffnen und beinhaltet beispielsweise Sanitäter, die Bereitschaftspolizei oder auch die Feuerwehr, die bei einem Brand umgehend angerufen werden sollte, wenn man nicht das gesamte Gefängnis neu bauen möchte. Über das Notdienste Menü ist es auch möglich, herbeigerufene Sanitäter oder Feuerwehrleute zu markieren und an den Ort des Geschehens zu dirigieren, damit sie dort ihrer Arbeit nachgehen können. Über eine weitere Notruf-Nummer kann zudem eine Razzia angeleiert werden, bei der die Zellen der Insassen auf potenzielle Waffen oder Drogen durchsucht werden. Dies trägt aber nicht gerade zu einem guten Klima innerhalb der Anstalt bei und sollte daher mit Bedacht eingesetzt werden.

Die aufgeführten Punkte sind aber bei Weitem noch nicht alle Aspekte, die es in „Prison Architect“ zu beachten und zu entdecken gibt. So müssen bei Abrissvorhaben beispielsweise spezielle Müllräume gebaut werden, um den Schutt entsorgen zu können. Auch sollten wir am Ende eines Feuerwehreinsatzes daran denken, die Einsatztruppen wieder nach Hause zu schicken, damit diese nicht die ganze Zeit bezahlt werden müssen. Bei einem Aufstand ist es zudem unsere Aufgabe, die Kontrolle über das Gefängnis zu behalten und die Einsatzteams der Polizei so zu steuern, dass die von randalierenden Insassen belagerten Bereiche der Anlage nach und nach zurückerobert werden können.

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Grafik

Die Ansicht von oben ermöglicht eine gute Übersicht über die einzelnen Bereiche des Gefängnisses. Auf diese Weise kann man sehr schnell auf Veränderungen, Aufstände und andere Bedrohungen reagieren und das eigene Spiel planen. Die comichafte Darstellung der Figuren erinnert ein wenig an South Park und verleiht der eigentlich ernsten Gefängnisthematik, die auch mit zahlreichen Verletzten und Todesfällen verbunden ist, eine sehr angenehme Prise Humor. Gleiches gilt für die Zwischensequenzen der Gefängnisgeschichten, die einerseits wirklich tragisch sind und andererseits doch immer wieder für Lacher sorgen, beispielsweise wenn das Gesicht des tödlich verwundeten Mafia-Boss zur Hälfte in eine Bandage eingewickelt ist.

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Fazit

„Prison Architect“ ist ein unglaublich vielschichtiges Spiel, das Elemente aus „Die Sims“ oder „Sim City“ mit einer ernsten Thematik verbindet. Die Möglichkeiten der Einflussnahme, die wir im Gefängnisalltag haben, sind nahezu grenzenlos und der Kreativität sind beim Gestalten der Anlage kaum Grenzen gesetzt. Der spezielle Humor des Titels, der durch die gewählte grafische Darstellung noch zusätzlich unterstrichen wird, tut sein Übriges und macht „Prison Architect“ zu einem sehr interessanten und abwechslungsreichen Spiel, das viele kurzweilige Spielstunden für uns bereithält. (Daniel Walter)

Positiv

  • große Vielfalt an Steuerungsmöglichkeiten, vom Bauen und Konstruieren, über das Leiten des Personals bis hin zum Kontrollieren und Managen von Krisen und Aufständen
  • gute Balance zwischen Humor und Ernsthaftigkeit
  • abwechslungsreiches Spielprinzip
  • gelungene Tutorials
  • witzige Grafik

Negativ

  • man muss beim Bewältigen des Gefängnisalltags sehr vieles im Hinterkopf behalten
94
Daniel Walter

Geschrieben von: Daniel Walter

Hat seit der ersten PlayStation keine Konsolengeneration ausgelassen und interessiert sich vor allem für Adventures, RPGs und Actiongames. Neben der Arkham- und Assassin's Creed Reihe liegen auch sämtliche Star-Wars-Titel stets hoch im Kurs.

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