Pathfinder Adventures – Umsetzung des Kartenspiels gelungen?

Als Pen-&-Paper Spieler hat man sicherlich schon einmal von Pathfinder gehört. Neben dem P&P Spiel von Paizo gibt es allerdings noch die Kartenvariante namens Pathfinder Adventure Card Game. Wer sich nicht so wirklich mit physischen Kartenspielen anfreunden kann, der kann zum daraus entstandenem digitalen Spiel namens Pathfinder Adventures des Entwicklers Obsidian Entertainment greifen. Dieses ist für iOS, Android und seit kurzem auch für Steam erhältlich. Wir haben für euch die Steam-Version unter die Lupe genommen.

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In ein solch komplexes Kartenspiel sollte man nicht ohne vorheriges Tutorial einsteigen, deswegen starten wir direkt die fünfteilige Serie. In jeder Mission beziehungsweise jedem Level müssen wir innerhalb einer bestimmten Rundenanzahl unseren Auftrag erfüllen. Jede Runde ist in verschiedene Phasen gegliedert: Karten ziehen, Untersuchen, Bewegen, Ablegen und Zug beenden. Jeder unserer Charaktere kann eine bestimmte Anzahl Karten auf der Hand haben, falls wir weniger besitzen, so ziehen wir zum Beginn der Runde erst einmal wieder neue. Danach zieht man natürlich einmal eine Karte vom Haufen der Location, an der wir uns befinden. Dies wird als Untersuchen bezeichnet und ist uns pro Runde einmal erlaubt. Im Kartenstapel der Location können sich sogenannte Boons befinden. Das sind Karten die uns helfen, wie Waffen, Rüstung, Verbündete und Items.

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Um so eine Karte zu erhalten, müssen wir einen Wurf auf eine bestimmte Fähigkeit unseres Helden absolvieren. Das wären zum Beispiel die übergeordneten Punkte Geschicklichkeit, Intelligenz, Stärke, Weisheit, Charisma und Konstitution. Jeder dieser Kategorien kann noch einmal etwas untergeordnet sein, wie Akrobatik, Diplomatie oder Überleben. Wie es sich für ein Rollenspiel gehört, können diese Eigenschaften bei jedem Charakter ganz unterschiedlich ausgeprägt sein. Da sich Pathfinder Adventures ja an einem Pen-&-Paper Spiel orientiert, würfeln wir entweder mit einem vier-, sechs-, acht-, zehn- oder zwölfseitigen Würfel. Um die Probe zu schaffen, muss genau der Wert oder natürlich ein höherer gewürfelt werden.

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Bei den Boons erhalten wir die Karte dann sofort auf unsere Hand und können damit weiterspielen. Viele davon geben uns beim Einsatz beispielsweise einen Bonus auf eine bestimmte Probe, oder lassen uns noch einmal den Ort untersuchen. Rüstung schützt uns im Fall der Fälle vor Schaden, dafür müssen wir diese Karte dann aus der Hand legen. Haben wir keine Rüstung, müssen andere Karten daran glauben. Unser Charakter kann natürlich auch sterben, wenn sich in unserem eigenen Deck keine Karten mehr befinden, um unsere Hand auf ein Maximum aufzufüllen. Mit den Waffen fügen wir unserem Gegner dementsprechend mehr Schaden zu.

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Manche unserer Karten können wir beim Einsatz nachladen, dass heißt sie werden benutzt und danach direkt wieder in unser Deck gemischt. Die meisten werden allerdings nur auf den Ablagestapel gelegt. Eine weitere Möglichkeit wäre das Verbannen einer Karte, die diese komplett aus dem Spiel nimmt, also auch nach der Mission nicht mehr in unserem Deck ist. Dadurch lassen sich bestimmte Spezialfähigkeiten aktivieren, die uns vielleicht sogar den uns zugefügten Schaden annullieren lassen, oder aber etwas ganz anderes tun.

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Nachdem wir nun ausführlich das Thema untersuchen durchgesprochen haben, gehen wir weiter in der Liste zum Bewegen. In jeder Mission stehen uns mehrere Orte zur Verfügung, an die wir reisen können. Unser Ziel jeder Mission ist das Schließen eines jeden Ortes. Dafür müssen wir oftmals einen Handlanger oder einen Schurken erledigen. Diese befinden sich irgendwo in dem Deck des Ortes und können, mit etwas Glück, relativ weit oben liegen, sodass wir ihn schnell erledigen können. Ist ein Ort geschlossen, so können wir uns zum nächsten bewegen. Das ist natürlich auch zu jeder anderen Zeit in der Bewegen-Phase möglich. Und zu guter Letzt gibt es da ja noch die Ablegen-Phase, in der wir überschüssige Karten ablegen können. Danach müssen wir den Zug beenden.

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Ein kleiner Nachtrag zu Schurken. Diese reisen, wenn wir sie besiegt haben, zu einer offenen Location. Deswegen haben wir die Möglichkeit mit allen Charakteren, die an einer Location sind, diese temporär zu schließen, bevor der Schurke dort hinreisen kann. Sind alle geschlossen und er besiegt, haben wir gewonnen.

Bevor wir uns in ein Abenteuer stürzen, dürfen wir uns noch ein Team zusammenstellen. Dieses kann aus bis zu 24 Helden bestehen! Jedem einzelnen können wir einen Spitznamen zuweisen oder ein anderes Outfit, das auch die Spezialisierung und somit die Werte ändert.

Alles in allem klingt das viel schwieriger, als es ist. Die Tutorials sind für den Anfang relativ lang, so haben wir schon einmal gut eine halbe bis dreiviertel Stunde dafür benötigt. Im Schnitt benötigten wir pro Mission eine gute halbe Stunde. Daraus resultiert eine sehr lange Spielzeit, denn viele Aufträge mussten wir erneut starten, da wir verloren hatten. Das Zeitlimit von 30 Runden ist teilweise etwas eng, wenn man mal nicht das würfelt, was benötigt wird.

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Nach jedem gespielten Level müssen wir die Decks unserer Charaktere ausmisten. Von jeder Sorte Karte, darf immer nur eine bestimmte Anzahl, je nach Heldenklasse, mitgeführt werden. Die Sorten wären Waffen, Rüstung, Verbündete, Zauber, Items und Segen. Alle nicht benötigten Karten legen wir in unseren sogenannten Stash. Dieser hat eine Kapazität von zehn Karten, alle anderen müssen wir am Ende verkaufen. Dadurch erhalten wir Gold, dass wir in Kisten investieren können, die neue Karten und Designs für Würfel enthalten. Hier sei erwähnt, dass das Spiel kein Pay2Win ist.

Um an Gold zu gelangen kann man auch einfach die Kampagne spielen, denn wir erhalten für jeden geschlossenen Ort ein paar Goldstücke. Es gibt allerdings noch Herausforderungen die wir absolvieren können. Hierfür steht uns jeden Tag eine neue bereit. Zusätzlich dazu gibt es auch jede Woche noch eine weitere. Das Spiel besitzt zudem noch DLCs, die gekauft werden können. Diese schalten neue Charaktere und neue Missionen frei.

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Alle Grafiken, Hintergründe und Karten wurden sorgsam gezeichnet, was eine schöne Umgebung zaubert. Diese reichen von einem Schiff, das in den Hafen fährt, über einen Bauernhof und einer Krypta, bis hin zu einer Burg. Hier ist auf jeden Fall Abwechslung garantiert. Kleinere Animationen wie Wolken am Horizont oder Staubpartikel und Feuer lassen die Umgebung lebendig wirken, auch wenn sie statisch sind. Musikalisch werden wir von verschiedenen Soundtracks begleitet. Eine Sprachausgabe ist leider nicht vorhanden, außerdem ist das ganze Spiel nur in Englisch erhältlich. Gute Englisch Kenntnisse sind also erforderlich.

Fazit

Als ehemaliger Pathfinder Pen-&-Paper Spieler ist es mir eigentlich leicht gefallen, in das Spiel einzutauchen. Allerdings sind die Tutorials schon wirklich lange und umfangreich. Im Gegensatz zu anderen Kartenspielen fühlt es sich relativ kompliziert an. Schön ist, dass wir bis zu 24 Charaktere mit auf unsere Abenteuer nehmen können. Die gezeichneten Hintergründe, Charaktere, Karten und so weiter sehen wirklich gut aus. Leider gibt es wie schon gesagt keine Sprachausgabe und keine deutsche Übersetzung. Wer auf Kartenspiele steht, wird hier trotzdem seinen Spaß finden.

Positiv

  • Schöne Zeichnungen
  • Kein Pay2Win
  • Mit bis zu 24 Charakteren auf Abenteuer gehen

Negativ

  • Langes Tutorial
  • Fühlt sich kompliziert an
  • Keine deutsche Übersetzung
  • Keine Sprachausgabe
80
Dominik Probst

Geschrieben von: Dominik Probst

Informatik-Student und Hobby-Spieleentwickler. Nebenbei auch noch auf Youtube als Let's Player unterwegs. Gamer aus Leidenschaft seit meiner Kindheit, mit einem Faible für die komplette "The Legend of Zelda"- und "Halo"-Reihe.

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  • Tim-Oliver Siegwart Tim-Oliver Siegwart: Black Flag hat mich von der Story her nicht packen können, hatte mir mehr erwartet und das Gameplay war damals einfach nichts für mich. Ist ja aber immer so, wenn in/an einer Serie was geändert wird, gibt es immer unterschiedliche Meinungen.
  • Daniel Walter Daniel: Ich war immer ein Fan der alten Herangehensweise und vermisse es daher im neuen Teil ein wenig. Trotzdem ist Origins wirklich gut, auch wenn es nicht an meine Favoriten AC 2 und AC Black Flag heranreicht.
  • Tim-Oliver Siegwart Tim-Oliver Siegwart: Die Neuausrichtung gefällt mir sehr gut. Die Architektur ist wunderschön und die Story gut gemacht. Auch die vielen Nebenquests und jetzt mit Level 40 die Community Events sind super. Das ewige geklettere und Dauerblocken aus den Vorgängern war einfach idiotisch, finde das jetzt überzeugender.