Master of Orion

„Master of Orion“ tritt ein schweres Erbe an. Das hat man mir zumindest gesagt, denn ich muss gestehen, dass ich die ersten beiden Teile (einen dritten gab es nie, zumindest wenn man Fans der alten Reihe fragt), nie gespielt habe. Erst mit „Star Wars Rebellion“ erwachte auch meine Liebe zur 4X-Strategie (eXplore, eXpand, eXploit, und eXterminate). Daher werde ich in meinem Test auch keine Vergleiche zu den Vorgängern ziehen, sondern „Master of Orion“ als eigenständiges Spiel bewerten.

Um was geht es?

In „Master of Orion“ geht es um nicht mehr und nicht weniger als der eigenen Rasse ihren gebührenden Platz in der Galaxis zu sichern. Wir erforschen, erbauen und erobern gemeinsam mit zahlreichen konkurrierenden Spezies. Dabei läuft das Spiel rundenbasiert ab, sodass wir jeden Schritt in Ruhe, präzise planen können.

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Was mit einem Planeten beginnt, kann zum alles beherrschenden, galaktischen Imperium werden, oder in Kriegen mit konkurrierenden Rassen im Nichts verschwinden. Die Geschichte schreibt ihr selbst und sie ist jedes Mal eine Andere. Ob ihr als Eroberer die Galaxis mit Krieg überzieht, als Diplomat mächtige Bündnisse schmiedet, oder euch durch geschickten Handel und Forschung eine mächtige Position erarbeitet, jeder wählt seinen eigenen Weg.

Das klingt nach einem großartigen Spielkonzept und das ist es auch! Es ist genau das Rezept, nach dem praktisch alle 4X-Spiele arbeiten. Doch wie gut oder schlecht ein solches Spiel letztlich ist, darüber entscheiden die einzelnen Zutaten, aus denen es sich zusammensetzt. Und eben diese wollen wir uns näher anschauen.

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Die Rassen

Neben den obligatorischen Menschen kann auch die Kontrolle über eine der neun sehr unterschiedlichen Alienrassen übernommen werden. Katzenhafte Wesen, kampflustige Teddybären, felsenartige Kreaturen, riesige Insekten – für Abwechslung ist gut gesorgt. Käufern der „Collectors Edition“ stehen zudem die Terraner als elfte Fraktion zur Verfügung, die quasi das böse Pendant zu den Menschen darstellen. Wer möchte, kann sich auch seine eigene Rasse zusammenstellen und sie mit Boni ganz nach den eigenen Vorstellungen versehen.

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Die richtige Wahl der Rasse kann bereits ein erster Schritt zum späteren Sieg sein. Wer plant einen kriegerischen Weg einzuschlagen, für den könnten sich beispielsweise die aggressiven Wetraumdinos Sakkra anbieten. Ihr setzt lieber auf Diplomatie? Dann bietet euch die menschliche Rasse dafür einige Vorteile. Oder schlägt euer Herz für die Wissenschaft? Dann sind die Psilon möglicherweise die beste Wahl. Auf jeden Fall empfiehlt es sich, etwas Alienkunde zu betreiben. So wissen wir, mit wem wir im Spiel am ehesten ein Bündnis wagen können und von wem wir uns möglicherweise etwas fernhalten sollten.

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Die Galaxis

Die Planeten in der Galaxis unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Größe, ihrer Biome und dem Vorkommen an kostbaren Mineralien. Insbesondere die Biome sind dafür entscheidend, ob sich ein Himmelskörper zur Besiedelung anbietet oder nicht.

In den meisten Systemen finden sich gleich mehrere Planeten, die sich kolonisieren lassen. Daneben gibt es auch Gasriesen oder Asteroidenfelder, die zwar nicht besiedelt aber mit einer Weltraumfabrik ausgebeutet werden können. Auch lassen sich einige Schatzplaneten wie etwa der Namensgeber Orion finden. Diese sind zwar meist besonders attraktiv für eine Besiedlung und bergen wertvolles technisches Wissen, werden aber auch von mächtigen Weltraummonstern bewacht, denen man sich nicht ohne eine besonders schlagkräftige Flotte stellen sollte. Geheimnisvolle Wurmlöcher und Anomalien sorgen für ein bisschen zusätzliche Mystik bei der Erkundung des Weltalls.

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Die einzelnen Planetensysteme sind über festgelegte Routen miteinander verbunden. Die Anzahl der Routen kann dabei deutlich variieren. Während vor allem Randsysteme nur über wenige Zugänge verfügen sind zentrale Planetensysteme meist aus vielen Richtungen zu erreichen und folglich schwerer zu verteidigen.

Eine zeitweilige Grenze bei der Erforschung und Besiedlung der Galaxis stellen die instabilen Warp-Knoten dar. Sie machen es vor allem auf großen Karten anfangs unmöglich, große Teile der Galaxis zu erreichen. Dies ändert sich erst mit der Erforschung der „Electromagnetic Refraktion“. Diese beinhaltet die Technik des „Multistate Insulator“, der es euch ermöglicht auch instabile Warp-Knoten zu passieren und selbst die letzte fremde Welt zu erkunden.

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Die Besiedelung

Wie gut sich das Biom eines Planeten für die Besiedlung eignet, hängt auch von der gespielten Rasse ab. Nicht jede Spezies ist auf blühende Landschaften angewiesen, um die Bevölkerung steigern zu können. Hat sich ein Objekt als geeignet erwiesen und unsere Begierde geweckt, können wir es mittels eines Kolonieschiffes besiedeln. Da mit nur einem Bewohner der Ausbau neuer Kolonien schwer fällt, empfiehlt es sich, ihm etwas Unterstützung zukommen zu lassen. Mittels Transporter können wir Kolonisten von einem Planeten zum anderen transportieren und den Aufbau so beschleunigen.

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Unsere Kolonisten können wir bequem per Drag and Drop entweder zur Forschung, zum Anbau von Lebensmittel oder für die Produktion von Gebäuden und Schiffen einteilen. Alternativ können wir die Aufteilung auch automatisiert vornehmen lassen, indem wir einen Produktionsschwerpunkt für unsere Kolonie festlegen.

Diplomatie

Wo bis zu elf Kontrahenten aufeinandertreffen, da gibt es natürlich auch einiges an Redebedarf. Es darf gehandelt, getauscht und verkauft werden. Wir können Drohungen und Warnungen aussprechen, Bündnisse eingehen und Parteien gegeneinander aufstacheln.

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Jede unserer Handlungen, ob wir nun eine Botschaft bei einem Nachbarn einrichten oder kurzer Hand jemandem den Krieg erklären, kann sich auf die Gesinnung von gleich mehreren Parteien auswirken. Pflegen wir all zu gute Beziehungen zu einem Feind unseres Verbündeten, könnte aus unserem einstigen Wegbegleiter schnell ein Gegner werden. In jedem Fall bedarf es einer intensiven Pflege der diplomatischen Verhältnisse, um stets regen Handel treiben zu können und keine Feindschaften entstehen zu lassen. Denn auch das harmonischste Verhältnis kühlt mit der Zeit ab, wenn wir uns nicht regelmäßig um die guten Beziehungen bemühen.

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Mit guter Diplomatie lässt sich vieles erreichen, mit ein paar Credits manchmal auch noch sehr viel mehr. So manches Nichtangriffsabkommen oder auch die Kriegserklärung gegen einen unserer Feinde kann oder muss teuer erkauft werden.

Die Entwicklung der Verhältnisse zwischen den einzelnen Rassen ist sehr gut gelungen und meist auch nachvollziehbar. Selten ändern unsere Nachbarn völlig grundlos ihre Haltung uns gegenüber. Auch entstandene Feindschaften können mit genug Zeit und Anstrengung wieder überwunden werden. Damit ist Diplomatie tatsächlich ein sehr wichtiges und auch mächtiges Werkzeug. Also nicht vergessen: kleine Geschenke erhalten die Freundschaft!

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Krieg bleibt immer gleich!

Auch der geschickteste Diplomat stößt an seine Grenzen oder trifft auf ein Volk, dass an einer friedlichen Konversation einfach nicht interessiert ist. Dann lassen wir eben die Waffen sprechen und das bedeutet vor allem, möglichst mächtige Raumflotten zu erschaffen!

Zur Vorbereitung unserer Eroberungszüge steht uns mit der Spionage ein probates Mittel zur Verfügung. Unsere Agenten können unter anderem feindliche Lebensmittelvorräte vernichten, Technologien stehlen oder die planetare Abwehr auf andere Weise schwächen, bis unsere Flotte in die Offensive geht. Die verschiedenen Schiffstypen können mit bereits erforschten Waffensystemen modifiziert werden. So kann beispielsweise die Feuerkraft nach vorne gebündelt oder gleichmäßig rings um das Schiff verteilt werden, je nachdem welche Geschütze wir verwenden.

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Kommt es zur Auseinandersetzung mit dem Gegner haben wir die Wahl, ob wir das Ergebnis einfach berechnen lassen, oder uns selbst in den Kampf stürzen wollen. Als Entscheidungshilfe, ob wir nicht vielleicht doch lieber einen Rückzug in Erwägung ziehen sollten, werden uns zudem die Erfolgsaussichten angezeigt. Entscheiden wir uns dafür, selbst die Kontrolle zu übernehmen, geht es in den Echtzeit-Kampf. Ambitionierte Spieler können sich hier im taktieren versuchen, wirklich packend sind die Gefechte jedoch nicht. Meist läuft es auf einen recht schnörkellosen Frontalangriff beider Parteien auf dem zweidimensionalen Schlachtfeld hinaus. Dennoch lohnt sich das Zuschauen dank der schönen Schiffsdesigns immer wieder und mit dem Kino-Modus lassen sich besonders spektakuläre Schlachten zwar nicht überblicken, aber trotzdem genießen.

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Ist die feindliche Verteidigung einer Kolonie eliminiert, stehen uns im wesentlichen drei Optionen zur Verfügung. Die erste Option ist den Planeten zu bombardieren. Damit können wir Verteidigungseinrichtungen und andere Gebäude zerstören und die Bevölkerung dezimieren. Eine zweite Möglichkeit ist die Landung von Bodentruppen, um die feindliche Kolonie zu erobern. Als Ultima Ratio steht uns nach langer Forschung auch eine Art Todesstern zur Verfügung, mit dem wir ganze Planeten kurzerhand in Weltraumschutt verwandeln.

Technologie

Waffen, Schiffe, Landwirtschaft, Raumschiffantriebe, der Forschungsbaum bietet eine enorme Zahl an Technologien, die es zu erforschen gilt. Ist ein Forschungsauftrag abgeschlossen, stehen uns sogleich unzählige neue zur Verfügung, zwischen denen wir uns entscheiden müssen. Wollen wir erst unsere Waffentechnik vorantreiben oder doch lieber neue Möglichkeiten erforschen, mit denen wir den Ausbau unserer Kolonien beschleunigen können? Manchmal ergeben sich aus einem Forschungsauftrag gleich zwei neue Technologien, zwischen denen wir uns entscheiden müssen. Damit kommt auch ein wenig Taktik ins Spiel.

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Neben dem klassischen Erforschen steht es uns aber auch offen, Technologien von anderen Rassen zu kaufen, oder einen Tauschhandel mit unseren eigenen Forschungsergebnissen zu vereinbaren. Das ist äußerst praktisch, weil zeitsparend, zeigt aber auch ein Manko auf. Obwohl im Spiel elf verschieden Rassen vertreten sind, sind die erforschbaren Technologien nahezu vollständig identisch. Da wäre mehr möglich gewesen!

Wähle deinen Weg zum Sieg!

Man muss nicht die Galaxis erobern, um zu gewinnen, aber es schadet sicher nicht. Insgesamt gibt es fünf Möglichkeiten den Sieg zu erringen. Wir können auf wirtschaftliche oder technologische Überlegenheit setzen, nach Punkten gewinnen oder einfach auf die Auslöschung aller Gegner setzen. Als letzte Möglichkeit können wir auch auf diplomatischer Bühne triumphieren. Hierzu muss es uns gelingen, in der Versammlung des galaktischen Konzils zwei Drittel aller Stimmen für uns zu gewinnen. Auch hier können wir so manchem die Entscheidung mit ein paar Credits erleichtern.

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Das große Manko: Der Wiederspielwert

Die erste Partie in „Master of Orion“ war eine faszinierende Reise, auf der es vieles zu entdecken gab. Das Erforschen und Besiedeln der Planeten, das erste Aufeinandertreffen mit anderen Rassen und der Versuch diplomatische Beziehungen aufzubauen: Mit jeder Runde schien man etwas Neues zu entdecken oder zu lernen; eine neue Herausforderung zu finden oder zu bewältigen. Und so wandert der Mauszeiger weit öfter auf das Feld für die nächste Runde, als es ein Blick auf die Uhr eigentlich angemessen erscheinen lässt.

Dieses Suchtpotenzial des ersten Spiels geht aber bereits in der zweiten Partie ein ganzes Stück verloren. Zwar fasziniert eine andere Rasse mit einer anderen Optik der Schiffe, das Spielgefühl ändert sich jedoch kaum. Wir erforschen praktisch dieselben Technologien, errichten die gleichen Gebäude und auch unsere Gegenspieler agieren scheinbar ganz ähnlich wie in der Runde zuvor.

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Die Überraschungseffekte, die mich im ersten Abenteuer fasziniert haben, weichen einem wenig motivierenden Wiedererkennen. Ich weiß wie ich siedeln und was ich bauen muss, um schnell die Oberhand zu gewinnen. Lasse ich mich nicht gerade in einen aussichtslosen Krieg verwickeln, folgt das Spiel einem recht simplen Schema.

Hier wären mehr Zufallsereignisse und größere Unterschiede bei den Technologien und Eigenschaften der verschiedenen Rassen wünschenswert. So spielen sich alle Fraktionen bis auf kleine Details praktisch identisch.

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Fazit

„Master of Orion“ ist ein wirklich gutes, aber kein großartiges 4X-Strategiespiel. Es liefert ein ausgezeichnetes Grundgerüst, dem es einzig an Facettenreichtum mangelt, um die Faszination der ersten Spielrunde länger aufrecht zu erhalten. Optik und Spielmechanik können absolut überzeugen. Selbst die diplomatischen Beziehungen, die bei mach anderem Genrevertreter mehr schlecht als recht funktionieren, entwickeln sich in den meisten Fällen auf nachvollziehbare Weise.

In Umfang kann „Master of Orion“ mit dem derzeit wohl stärksten Konkurrenten „Stellaris“ nicht mithalten. Das muss es aber auch nicht. Die geringere, aber immer noch sehr umfangreiche Maximalgröße der Karten erleichtert es, den Überblick zu behalten. Die Reduktion an Informationen sorgt zwar für etwas weniger Tiefgang, erfordert andererseits auch weniger Aufmerksamkeit, was dem Spielfluss zu Gute kommt. Alles in allem bietet „Master of Orion“ ein gutes Gesamtpaket für galaktische Eroberer, die auf die ganz große Datenflut verzichten können. Mit deutlicheren Unterschieden zwischen den Rassen und mehr Überraschungselementen im Spiel, hätte es aus meiner Sicht zumindest eine Erweiterung, oder vielleicht sogar seine Fortsetzung verdient.

Positiv

  • Gelungene Optik
  • Überdurchschnittlich gutes Diplomatiesystem
  • Gutes Maß an Komplexität

Negativ

  • Stets ähnlicher Spielverlauf
  • Zu wenig Unterschiede zwischen den Rassen
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Christian Heldmaier

Geschrieben von: Christian Heldmaier

Gelernter Mediengestalter und Master of Science in der Fachrichtung Publishing. Zertifizierter Social Media Manager mit Erfahrung im Verlagsmarketing und hauptberuflich derzeit im Webmonitoring tätig.

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Neueste Kommentare

  • Florian Richter Florian Richter: Ja Telltale weiß einfach wie man die Fans der Filme und die der Comics vereinen kann. Die Charaktere sind wirklich gut gelungen und man muss nicht überlegen wen man da auf dem Bildschirm hat.
  • Tim: Habe Guardians im Flugzeug gespielt, davor den 1. Kinofilm gesehen. Die Umstellung im Design der Charaktere ging recht schnell und ist einfach auch richtig gut gemacht.
  • Dominik Probst Dominik Probst: Kann ich schon verstehen. Aber Merchandise ist immer schön anzusehen :D