Masquerade: The Baubles of Doom

Wer unter Coulrophobie, einer Furcht gegen Clowns, leidet und die weißgeschminkten Possenreißer mit der roten Nase schon immer mit einem überdimensionalen Vorschlaghammer bearbeiten wollte, darf mit „Masquerade: The Baubles of Doom“, dem neuen 3D-Adventure von Big Ant Studio („Spyro“-Saga), seinen Wunsch endlich in die Tat umsetzen, schließlich nehmen darin die Kämpfe gegen Clowns den Großteil der Handlung ein. Ob der ungewöhnliche Titel auch jenseits dieser Auseinandersetzungen überzeugen kann, klärt unser Test.

Vom Kugelblitz getroffen

Zu Beginn wird mit Hilfe von hübsch inszenierten Zeichentrick-Sequenzen die Geschichte zu „Masquerade“ erzählt: Im Spiel geht es um zwei magische Kugeln, die sogenannten „Druidensphären“, welche demjenigen, der sie in seinen Besitz bringt, übernatürliche Kräfte verleihen. Doch all jene, die es in der Vergangenheit gewagt haben, die Kugeln zu berühren, wurden entweder verbrannt, vereist oder pulverisiert. In den nachfolgenden Jahren gerieten die Sphären in Vergessenheit und wurden schließlich zum Mythos erklärt.

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Eines Tages gelingt es jedoch Jaxx, einem blauhäutigen Abenteurer mit Narrenkappe und Vorschlaghammer, eine Karte zu finden, die den Weg zu den verschollen geglaubten Sphären aufzeigt. Zusammen mit seiner weiblichen Begleitung namens Comedia macht sich Jaxx auf den Weg zu den Kugeln. Leider gelingt es General Großnase und dessen bewaffneter Clown-Armee, dem ungleichen Duo kurzerhand einen Strich durch die Rechnung zu machen, die wertvolle Karte zu entwenden und Comedia zu entführen. Klar, dass Jaxx seine Freundin nicht im Stich lässt und einen Feldzug gegen die Krieger mit den roten Nasen startet.

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Nach dem Intro übernehmen wir die Rolle von Jaxx und werden in eine kunterbunte Comicwelt katapultiert. Das Spielprinzip orientiert sich an klassischen 3D-Beat-‚em-ups und besteht darin, aus der Verfolgerperspektive durch die einzelnen Levels zu streifen und mit Hilfe seines Hammers massenweise Clowns zu verprügeln. Das Kampfsystem erinnert dabei an Rocksteady Studios „Arkham-Asylum“-Reihe und sorgt für temporeiche Auseinandersetzungen. Während der Kampf gegen einen Einzelnen aufgrund der mäßigen KI keine Schwierigkeit darstellt, bekommen wir es während des ersten Aktes bereits mit Gegnergruppen von vier bis fünf Clowns zu tun. Diese greifen uns sowohl mit Schlagstöcken aus nächster Nähe als auch mit Pfeilgeschossen aus der Distanz an. Im weiteren Verlauf des Spiels sind unsere Widersacher zusätzlich mit Schilden und einer besseren Panzerung ausgestattet.

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Um uns zur Wehr zu setzen führen wir durch wiederholtes Drücken der Angriffstaste bestimmte Kombos aus, können unseren Streithammer auf entfernte Kontrahenten schleudern oder am Boden liegende Feinde per Knopfdruck endgültig erledigen. Gegner in unmittelbarer Nähe werden automatisch anvisiert, während bei denjenigen, die zu einem Angriff starten, ein goldfarbenes Symbol aufblinkt, das es uns erlaubt, die Attacke rechtzeitig zu kontern. Es gehört dabei zu dem skurrilen Humor des Spiels, dass herumstehende Toilettenhäuser als Wiedereinstiegspunkte für den Feind dienen. Damit wir also nicht permanent neue Clowns vermöbeln müssen, gilt es die Toilettenhäuser schnellstmöglich zu Kleinholz zu verarbeiten. Dies ist jedoch nicht gerade leicht, wenn wir von vielen Gegnern gleichzeitig umringt und pausenlos unter Druck gesetzt werden. Um unsere strapazierte Energieleiste wieder aufzufüllen, ist es erforderlich, zwischen den Gefechten Narrensaft aufzusammeln, der vereinzelt am Wegesrand für uns bereitsteht.

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Besiegte Gegner hinterlassen nach ihrem Ableben rote Nasen, mit denen wir nach einer gewissen Anzahl Superbewegungen freischalten und aktivieren können. Diese wirken stärker als normale Attacken und können gleich mehrere Feinde auf einmal in Schach halten. Haben wir uns erfolgreich durch ein Level gekämpft, wartet am Ende zumeist ein großer und widerstandsfähiger Clown-Boss auf uns, der uns mitsamt seinen Gehilfen in die Mangel nimmt.

Eine hakelige Angelegenheit

Zusätzlich zu den Gegnermassen macht uns die hektische Kameraführung zu schaffen, die sich stets hinter unserem Helden zu positionieren versucht, mit dessen Wendigkeit allerdings nie ganz mithalten kann und darüber hinaus in den Kämpfen zu nah am Geschehen klebt. Das hat zur Folge, dass wir während eines Gefechts häufig nicht alle Gegner im Blick haben und von schnellen Attacken aus dem verborgenen Umfeld überrascht werden.

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Besonders in den zahlreichen Passagen, in denen wir über schwebende Plattformen, Säulen und Häuserdächer springen sowie schmale Stege überqueren müssen, wird die zickige Kameraführung zu einem Problem. Da in den schnellen Momenten stetig Nachjustierungen von unserer Seite vonnöten sind und die schwammige Steuerung unseres Protagonisten für zusätzliche Unsicherheiten sorgt, stürzen wir oftmals schneller ab, als uns lieb ist. Zwar darf Jaxx unbegrenzt an dem zuletzt erreichten Speicherpunkt in Form einer Straßenlaterne neu starten – Frust kommt dennoch auf. Dieser Umstand führt dazu, dass es der Zielgruppe des Spiels, die in erster Linie aus Genreneulingen und jüngeren Spieler besteht, unnötig schwer gemacht wird.

Hinter den Möglichkeiten

In positiver Hinsicht muss hervorgehoben werden, dass die Spielsequenzen wie Charaktere sehr flüssig animiert wurden und die gelungene Cel-Shading-Grafik uns ungehindert in ein kunterbuntes Abenteuer katapultiert. Ebenso wissen die saubere Vertonung sowie die Musikuntermalung zu gefallen, die die Handlung mit Trommeleinlagen und pompösen Orchesterklängen auf unterhaltsame Weise untermalt. Trotzdem wird man im Laufe des Spiels das Gefühl nicht los, dass „Masquerade“ hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. Ein Ärgernis besteht beispielsweise darin, dass die zu Beginn etablierte Geschichte um die Druidensphären bis zum Schluss des Spiels de facto keine Rolle mehr spielt. Stattdessen geht es nur noch um die Rettung von unserer Mitstreiterin Comedia. Und diese Story ist bereits seit den 80er Jahren aus den „Super-Mario“-Titeln hinlänglich bekannt.

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Neben der verschenkten Geschichte ist das Hauptproblem von „Masquerade“ das monotone Spielprinzip der immer gleichen Haudrauf-Kämpfe mit den immer gleichen Clowngegnern, die durch gelegentliche Sprungpassagen und simple Schalterrätsel unterbrochen werden. Ebenso bietet das Leveldesign in der insgesamt acht Akte umfassenden Spielzeit zu wenig Variationen. Zumeist rennen wir auf Kopfsteinpflaster an identischen Häuserreihen und Mauern vorbei, wobei die lineare Levelstruktur durch die zahlreichen Wegweiser zusätzlich simplifiziert wird. Erst im vierten Akt wechselt das Szenario für kurze Zeit in eine Waldlandschaft und wartet mit anderen Umgebungselementen und einem neuen Gegnertyp auf.
Um dieser Monotonie wenigstens ein Stück weit entgegenzuwirken, wäre ein Mehrspielermodus wünschenswert gewesen, um mit einem Freund durch die Levels zu streifen und gemeinsam Gegner zu vermöbeln; zumal sich dieser durch die beiden Hauptcharaktere – Jaxx und Comedia – geradezu anbietet. Doch unverständlicherweise wurde in „Masquerade“ kein Mehrspielermodus integriert.

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Des Weiteren treten in technischer Hinsicht teils gravierende Unstimmigkeiten auf. So ist das Spiel zu Beginn unseres Tests vor dem Menübildschirm immer wieder abgestürzt. Eine Fehlermeldung gab es nicht; auch eine Neuinstallation brachte keine Verbesserung. Nur durch Zufall sind wir durch einen Internet-Artikel auf des Rätsels Lösung gestoßen, der das Fehlen eines Controllers für die Abstürze verantwortlich gemacht hat. Und siehe da: Mit einem angeschlossenen Controller flimmerte endlich die Introsequenz über den Bildschirm. Da die Entwickler von Big Ant Studios bis zum aktuellen Stand keinen Patch nachgeliefert haben, ist es also dringend erforderlich, das Spiel mit angeschlossenem Controller zu starten, auch wenn es im Anschluss per Tastatur gesteuert werden kann.
Neben dem Controllerzwang treten in den deutschen Untertiteln zahlreiche Rechtschreibfehler zu Tage. Außerdem kam es in unserer Testversion vor, dass sich das Spiel nach erfolgreicher Beendigung des ersten Akts im Speicherbildschirm aufgehängt hat und wir infolgedessen den gesamten Abschnitt noch einmal durchqueren mussten.

Fazit

„Masquerade: The Baubles of Doom“ ist einer jener Titel, die voller Widersprüche stecken. Einerseits schaffen die Entwickler mit einem hübschen Grafikstil, guten Animationen, einer gelungenen Soundkulisse und einem schnellen Kampfsystem die Grundvoraussetzungen für ein kurzweiliges Spielvergnügen. Leider wird dieses Potenzial nicht ausreichend genutzt. So müssen wir uns stets durch lineare wie abwechslungsarme Levels gegen die immer gleichen Gegnerhorden zur Wehr setzen und werden dabei sowohl von der schwammigen Steuerung unseres Helden als auch von einer hektischen Kameraführung geärgert. Die Story, die in der Introsequenz noch pompös eingeleitet wird, entpuppt sich im weiteren Spielverlauf als simple Rettungsmission, die wir aus anderen Titeln bereits zur Genüge kennen.
Zuletzt vermitteln einige technische Mängel und der Verzicht auf einen Mehrspielermodus den Eindruck, als ob die Entwickler zuletzt unter großer Zeitnot standen und ihr neuestes Werk via Schnellschussverfahren veröffentlicht haben. In dieser Form bleibt „Masquerade“ deutlich hinter seinem Potenzial zurück.

Positiv

  • Gute Grafik mit flüssigen Animationen
  • Schnelles Kampfsystem
  • Gelungene Soundkulisse

Negativ

  • Verschenkte 08/15-Story
  • Hakelige Kameraführung
  • Ideenloses Leveldesign
  • Kein Mehrspielermodus
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Daniel Kohlstadt

Geschrieben von: Daniel Kohlstadt

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  • Martin: Hey! Auch von mir vielen lieben Dank für den Guide :D Ist der "Hauptguide" nach dem ich mich richte bzw. mittlerweile der einzige, den ich nutze^^ Ich hätte aber noch eine Frage zu diesem Part: Held Vorheriger Held Soforttötung bis … Stufe Siyalatas/Fragsworth The Masked Samurai 30 – 50 Atlas Samurai Stufe 2500 150 – 175 Terra Atlas Stufe 1500 350 – 450 Phthalo Terra Stufe 1500 700 – 900 Orntcha Gladeye Phthalo Stufe 1500 1300 – 1700 … Orntcha Gladeye Stufe 1500 2500 – 3000 Kannst du das genauer erklären? Was sind z.B. Altas, Terra usw. und das mit den Stufen
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