Keine Revolution aber eine Evolution. Civilisation VI in der Gamescom-Preview

Auf der Gamescom durften wir uns bei 2K nicht nur eine Präsentation zum neuesten Teil der traditionsreichen Civilization-Reihe anschauen, sondern auch selbst Hand anlegen. Unsere dabei gewonnenen Eindrücke wollen wir euch natürlich nicht vorenthalten.

Wer Civilization noch nicht kennt

Worum es in dem rundenbasierten Strategiespiel geht, dürfte den Meisten bereits bekannt sein. Wir übernehmen die Führung einer Nation und versuchen sie zu größtmöglichem Ruhm zu führen. Dabei bauen wir Städte, erkunden die Welt, treiben den technologischen Fortschritt voran, betreiben Diplomatie und wenn es sein muss, ziehen wir auch in den Krieg. An diesem Prinzip ändert sich auch in „Civilization VI“ erstmal nichts und doch gibt es so einige bemerkenswerte Neuerungen!

Neue Optik, neue Forschung, neue Städte!

Das Erste, was dem geneigten Herrscher auffällt, ist die veränderte Optik. Die Grafik von „Civilization VI“ wirkt comichafter als seine Vorgänger. Alles etwas bunter, alles etwas glatter, aber immer noch detailreich. Wichtiger als die optischen Änderungen sind jedoch die spielerischen Neuerungen.

Die Wahl des Standortes für unsere Städte hat nun deutlich weitreichendere Auswirkungen als bisher. Zwar hat es sich bereits in den Vorgängern angeboten, in möglichst rohstoffreichen Gebieten zu siedeln, die vorhandenen Bedingungen wirken sich nun aber auch auf unsere Forschung aus. Abhängig davon, was wir im Spiel tun, lassen sich manche Technologien schneller und leichter erforschen als andere. Wer direkt am Meer siedelt und viel Fischfang betreibt, wird es beispielsweise leichter haben, Technologien für die Seefahrt weiter zu entwickeln. Wer sich in den bergigen Regionen niederlässt und dem Fels viele Rohstoffe abtrotzt, wird es leichter haben neue Bergbautechniken voran zu treiben. Damit gewinnt das Spiel an strategischem Tiefgang, da unsere Handlungen sich deutlich langfristiger auswirken als bisher.

Eine weitere Neuerung beim Städtebau sind die Bezirke. Neben dem Stadtkern können wir nun auch verschiedene Areale errichten, die beispielsweise auf Handel oder Wissenschaft spezialisiert sind und unsere Stadt wachsen lassen. Auch hier ist die richtige Positionierung von entscheidender Bedeutung, um mögliche Boni zu erhalten. Besondere Vorsicht ist bei militärischen Auseinandersetzungen geboten, denn Angreifer können die einzelnen Bezirke plündern, ohne zwangsweise die Stadt selbst einzunehmen.

Eine weitere, zunächst unscheinbar wirkende aber doch sehr weitreichende Änderung im Städtebau betrifft die Bautrupps. In „Civilization VI“ werden diese zu verbrauchbaren Einheiten umgewandelt. Dies bedeutet in der Konsequenz, dass sie nichtmehr dazu eingesetzt werden können, automatisiert Gebäude und Straßen in unserem Herrschaftsgebiet zu verbessern. Zukünftig wird eine solche Einheit lediglich drei Felder bearbeiten können, bevor sie als verbraucht gilt. Das zwingt den Spieler zu einem sparsameren und überlegteren Einsatz ihrer Arbeitskraft.

2KGMKT_CivilizationVI_Screenshot_Brazil_Carn_Estada_3

Dynamischere Diplomatie

Natürlich wird auch in „Civilization VI“ die Diplomatie wieder eine wichtige Rolle einnehmen. Durch geschicktes Agieren können wir uns Handelspartner und Bündnispartner schaffen. Aber auch Feinde werden sich beim Weg an die Spitze nicht vermeiden lassen.

Die Sympathie oder Antipathie der anderen Herrscher euch gegenüber wird dabei von zahlreichen Faktoren beeinflusst. So werden sich Völker, die einen gemeinsamen kulturellen Hintergrund teilen, tendenziell leichter auch Verbündete werden.

Jeder Anführer im Spiel hat sein eigenes Naturell. Sind ein Montezuma oder eine Cleopatra vertrauenswürdig? Oder ist Teddy Roosevelt doch der verlässlichere Partner für eine sichere Zukunft? Die Antwort auf diese Frage ist schwerer als sie manchem im ersten Moment erscheinen mag, denn neben der relativ offensichtlichen politischen Grundhaltung eines Anführers spielt auch eine geheime, jeweils zufällig vergebene, politische Agenda eine wichtige Rolle. Verfolgt ein an sich eher friedlicher Charakter das Ziel, die größte Seeflotte der Welt zu erbauen und ihr kommt diesem Vorhaben in die Quere, könnte dies zu einer überraschenden Wende in den Beziehungen führen. Welche Ziele die anderen Völker verfolgen könnt ihr im Lauf der Zeit mit Diplomatie und Spionage in Erfahrung bringen.
Aber auch diplomatisches Geschick will erlernt werden und so stehen euch nicht von Anfang an alle möglichen Optionen zur Verfügung. Erst mit fortschreitendem Spiel wird das Spektrum eurer politischen Möglichkeiten Stück für Stück erweitert.

Mein persönlicher Eindruck:

Mit den angekündigten Neuerungen macht „Civilization VI“ aus meiner Sicht einen Schritt in die richtige Richtung. Vor allem die Idee, den Forschungsfortschritt an Lage der Stadt und ausgeführte Handlungen zu koppeln, überzeugt. Hatten sich bisher alle Runden mehr oder weniger gleich gespielt, egal für welche Fraktion man sich entschied, wird nun eine spezialisierte Ausrichtung gefordert, um sich effektiv weiter zu entwickeln. Das bedeutet, zukünftig muss der Weg zur Seemacht oder zum Handelsriesen deutlich früher geplant und gezielt verfolgt werden. Das verspricht mehr Abwechslung und neue Spielvarianten. Nach einem ersten Stirnrunzeln empfinde ich nun auch die Comicgrafik als eine sinnvolle Neuerung. Sie fördert den Überblick, bleibt aber Detailreich genug, um mich immer wieder zu einem genaueren Hinsehen zu verlocken.

Neue „Civilization“-Spiele zeichneten sich nie durch große Revolutionen, sondern durch kleine Schritte der Verbesserung aus. Von denen macht „Civilization VI“ gleich eine ganze Menge! Ob Diplomat oder Eroberer, „Civilization VI“ dürfte so manchen wieder Nächte lang an den Bildschirm fesseln.

Christian Heldmaier

Geschrieben von: Christian Heldmaier

Gelernter Mediengestalter und Master of Science in der Fachrichtung Publishing. Zertifizierter Social Media Manager mit Erfahrung im Verlagsmarketing und hauptberuflich derzeit im Webmonitoring tätig.

Keine Kommentare bisher.

Kommentar oder Antwort hinzufügen

Neueste Kommentare

  • BASSTRO: Passiert zufällig und ist nicht zu verhindern außer du belebst ihn wieder
  • Christian: Lässt noch nicht viele Schlüsse zu, aber eine leere, etwas heruntergekommene Stadt mit deutlichen Zeichen der Verwüstung... Das spricht vielleicht für ein Zombie-Setting oder ähnliches. Kann ich mir aber auf der anderen Seite nicht vorstellen, da das Thema mit Metro, H1Z1 Just Survive, The Division & Co. schon ziemlich ausgelutscht ist. Denkbar wäre auch ein Post-Apokalyptisches-Szenario wie in der Fallout-Reihe. Das wären allerdings ziemlich große Fußstapfen. Aber vielleicht überrascht Bandai auch mit einer ganz neuen Idee? Verlassene Städte haben ja erstmal immer einen gewissen Reiz und bieten viel Raum für Geschichten und laden zum erkunden ein. Ich bin gespannt.
  • BASSTRO: Hallo Was bedeutet transparenter Held automatischer klicke?