Injustice 2 – Prügelei der Götter

Vier Jahre, nachdem sich Superman, Batman und Co. in Injustice – Götter unter uns kräftig auf die Mütze gaben, erscheint nun der lang herbeigesehnte Nachfolger. Wir zeigen Euch im Test, ob Injustice 2 mit dem Vorgänger mithalten oder ihn sogar übertreffen kann.

Injustice 2_20170531220714

Captain Batman: Civil War

Injustice 2 setzt direkt nach den Ereignissen des Vorgängers ein und spinnt das durchaus interessante Bürgerkriegsszenario unter den DC-Superhelden weiter. Batman und Superman sind sich mehr als uneinig in der Wahl ihrer Mittel bei der Verbrechensbekämpfung, gerade nach den Ereignissen im ersten Teil. Dies hat zur Folge, dass sich zwei Lager unter den Superhelden und Oberschurken bilden. Schön: Sowohl die Helden als auch die Bösewichte sind auf beide Lager verteilt, das klassische Gut gegen Böse des DC-Universums ist somit erstmal hinfällig.

Die Kämpferriege umfasst in der Standard-Edition 27 direkt anwählbare Streiter. Mit dabei sind alte Bekannte wie Catwoman, der Joker, Harley Quinn und Wonder Woman, aber auch komplett neue Charaktere wie Captain Cold, Cheetah, Dr. Fate und Scarecrow. Die neuen Figuren fügen sich super ins Geschehen ein, jeder Kämpfer hat eigene Move-Sets und spielt sich anders, somit ist für jeden Geschmack etwas dabei. Natürlich sind einige der Charaktere nur eingefleischten DC-Fans ein Begriff, ein Nachteil ist dies freilich nicht. Schwerer wiegt da schon der Wegfall von Figuren aus Teil 1, so beispielsweise Sinestro, Hawkgirl, Killer Frost oder auch Solomon Grundy. Dafür hat man allen übernommenen Veteranen aus Injustice – Götter unter uns neue Animationen und Move-Sets spendiert.

Sicherlich wäre der Aufwand, wirklich allen Charakteren aus Teil 1 neue Animationen zu verpassen, extrem groß gewesen, zudem hat man hier seitens des Herstellers die Möglichkeit, (kostenpflichtige) DLCs nachzureichen. Ebenfalls ärgerlich: Figuren wie den Reverse Flash oder Nightwing muss man zwar im Laufe der Kampagne bekämpfen, anwählbar sind sie allerdings nicht, dies geht nur über die (Vorbesteller-)DLCs.

Injustice 2_20170610203316

Schon im Hauptmenü und bei der Auswahl der Kämpfer zeigt sich die hervorragende Präsentation von Injustice 2. Vor jedem Kampf gehen die beiden Fighter mit individuellen Dialogen aufeinander ein und hauen markige Sprüche raus. Diese sind mal mehr, mal weniger passend und manchmal auch unfreiwillig komisch, aber sorgen dennoch für ein klares Atmosphäre-Plus.

Die Story wird in erstklassig gemachten, cineastischen Zwischensequenzen präsentiert, unterteilt in mehrere Kapitel. Jeder dieser Abschnitte hat einen oder zwei steuerbare Figuren, mit denen man einige Kämpfe absolvieren darf. Zwar hat man am Ende des Storymodus nicht jede Figur gesteuert (wie z.B. in Dead or Alive 5), muss ja aber auch nicht sein. Wen man nicht selbst spielt, den muss man zumindest einmal besiegen.

Ladezeiten sind nicht vorhanden bzw. laufen im Hintergrund ab, das Geschehen geht flüssig von den Zwischensequenzen zum Kampf über. Hier hat man sich unter anderem Uncharted 4 als Vorbild genommen, grafische Unterschiede zwischen den Sequenzen und den Kämpfen gibt es nicht. Klasse gemacht, Netherrealm!

Natürlich ist die Story aufgrund der vielen Figuren etwas verwirrend, und einige Situationen, in denen es zum Kampf kommt, wirken doch etwas konstruiert, aber aufgrund der wirklich hervorragenden Präsentation und dem tollen Fan-Service kann man hier locker darüber hinwegsehen. Der Umfang des Storymodus ist mit ungefähr 6-7 Stunden zwar etwas knapp bemessen, unterhält aber durch die Bank sehr gut und bietet einen guten Einstieg ins Spiel.

Injustice 2_20170531212600

Wichtig ist auf dem Platz

Auf technischer Seite gibt es bei Injustice 2 in der von uns getesteten PS4-Fassung absolut nichts zu beanstanden. Die Figuren und Stages sehen fantastisch aus und strotzen nur so vor Details, die Beleuchtungseffekte sind hervorragend, die Gesichtsanimationen der Helden speziell in den Zwischensequenzen sind äußerst realistisch, und bei all diesem Bombast läuft das Geschehen zu jeder Zeit absolut flüssig. Lediglich in den Zwischensequenzen der Story fällt auf, dass diese mit einer etwas niedrigeren Bildwiederholungsrate laufen als die Kämpfe, dies stört aber nicht weiter. Auch ist das Spiel direkt nach Release angenehm frei von Bugs, auch eher eine Seltenheit in der heutigen Zeit. Der Day-One-Patch lässt freundlich grüßen…

Das Kampfsystem wurde weitestgehend vom Vorgänger übernommen. Man teilt leichte, mittlere und harte Schläge aus, zudem kann jeder Charakter individuelle Zusatzfähigkeiten nutzen. Diese reichen von kurzeitiger Stärkung über zusätzliche Objekte bis hin zur Verlangsamung der Zeit. So schleudert Batman beispielsweise seine Baterangs, Black Adam schützt sich mit blauen Feuerbällen, die um ihn rotieren, Bane stärkt seine Muskeln mit einigen Dosen seiner Kraftbrühe und Supergirl feuert Lasterstahlen aus ihren Augen.

Typisch für Netherrealm kann auch jede Figur einen starken Finisher nutzen. Wie schon im Vorgänger sind diese eindrucksvoll inszeniert und herrlich überzogen dargestellt, so wird man schon mal bis in den Weltraum geprügelt, von gigantischen Fischen, Pflanzen oder Hyänen zerfleischt. Toll gemacht, aber nach einigen Spielstunden stellen sich doch leichte Ermüdungserscheinungen ein, da es pro Figur nur einen einzigen Finishing-Move gibt, der lediglich gespiegelt wird, je nachdem ob man ihn von links oder rechts ausführt. Ebenfalls ausbaufähig ist die Anzahl der Stages. Diese sind zwar herrlich vollgestopft mit Details und im Laufe des Kampfes geht auch wieder einiges zu Bruch, aber die Auswahl fällt insgesamt kleiner aus als in Injustice 1 – hier wäre mehr Abwechslung schön gewesen.

Injustice 2_20170605204723

Ebenfalls übernommen wurden die Konflikte, welche man einsetzen kann wenn sich der Lebensbalken bedrohlich dem Ende neigt und bei denen beide Figuren sich Kopf an Kopf gegenüberstehen und man dann entscheiden muss, wie viel Energie seines Finisher-Balkens man investiert. Wer hier gewinnt gibt dem Gegner nochmal ordentlich einen mit und kann zudem etwas Lebensenergie wiederherstellen. Zudem eine weitere Gelegenheit für die Kämpfer, den einen oder anderen Spruch rauszuhauen.

Anders als in klassischen Beat’em up-Spielen wird die restliche Lebensenergie des Siegers aus Runde Eins in Runde Zwei mit übernommen. Dadurch werden die Kämpfe in der Regel nochmals enger und spannender. Dies wird auch dadurch erreicht, dass sich der Finisher-Balken schneller füllt, wenn man Schaden nimmt. Somit lassen sich sogar scheinbar aussichtslose Matches mit einem gut getimten oder glücklichen Finishing-Move noch drehen. Injustice 2 eignet sich sowohl für Einsteiger als auch für Kampfspielexperten, ist leicht zugänglich für die eine oder andere Runde zwischendurch, hat aber auch genügend Tiefe damit man sich richtig ins System einarbeiten kann.

Injustice 2_20170531221251

Jede Aktion der Figuren hat eine ordentliche Wucht, und trifft man den Gegner hart am Rand einer Stage, so kann es durchaus passieren, dass dieser in einer ausführlichen und offensichtlich schmerzhaften Sequenz durch eine Wand donnert oder einen Abgrund hinunterfliegt und in einem anderen Levelbereich landet. Wie auch die Finishing-Moves sind diese Aktionen herrlich überzogen, es macht einfach extrem Laune, den Gegner beispielsweise durch eine Wand in einen nebenstehenden Turm zu dreschen. Sofern man nicht selbst die Aktion abkriegt natürlich, aber dann kann man wenigstens in Ruhe zusehen.

Injustice 2_20170531212844

Umfangreich und motivierend

Allein durch den Storymodus ist Injustice 2 bereits eine Empfehlung wert. Doch wirklich gut wird es erst durch den Modus „Multiversum“. In jedem Kampf, den man mit einem Kämpfer durchführt, erhält man Erfahrungspunkte und Stufenaufstiege. Diese kann man wie bereits im Vorgänger beispielsweise in Profilbildchen investieren.

Doch Injustice 2 setzt hier nochmal deutlich einen drauf, da nun auch Charakteranpassungen möglich sind. Hier orientiert man sich ganz klar an gängigen Rollenspielen. Nach und nach schaltet man neue Ausrüstungsgegenstände für seine Kämpfer frei, diese reichen von neuen Haarfarben über Gürtel bis hin zu komplett neuen Farbskins für das Erscheinungsbild. Diese Gegenstände haben jedoch nicht nur optischen Nutzen, sie werten auch den Status eines Kämpfers auf. So kann z.B. die Schlagkraft oder die Widerstandsfähigkeit gesteigert werden. Sämtliche Items sind in unterschiedlichen Seltenheitsgraden unterteilt und damit verschieden wertvoll. Man braucht allerdings etwas Zeit, um sich in diesen Modus reinzufuchsen und zu erkennen, welches Item welchen Nutzen bringt. Zudem sind viele der seltenen Items an recht hohe Stufen der Charaktere geknüpft, dies ist hauptsächlich etwas für absolute Vielspieler.

Injustice 2_20170531213801

Dank des guten Balancing wird man aber auch trotz starker Items nicht übermächtig gegenüber menschlichen Gegnern, die nur mal so ne Runde mitspielen wollen. Für jeden Charakter können zudem fünf verschiedene Sets erstellt werden, so kann man auch gerne eine Default-Einstellung belassen.

Im Multiversum-Modus tritt man nach und nach gegen immer stärker werdende Kombinationen aus Gegnern an, welche wiederum selbst über bessere Ausrüstung verfügen. Dadurch, dass man für jeden Kampf die Stufe seiner Figur erhöht, aber zufällige Ausrüstungsgegenstände für alle möglichen Kämpfer erhält, stellt sich eine schöne Sogwirkung ein. Nur noch ein Match, nur noch bis zur nächsten Stufe, nur noch den neuen Gürtel bei Batman auswählen, und schon wieder ist ne Stunde vorbei. Dieser Modus ist für all jene, die gerne einige Spielstunden in einem Beat’em up versenken möchten, eine Offenbarung.

Injustice 2_20170531211858

Mehrspielerfest

Injustice 2 bietet sowohl einen Online- als auch einen Offline-Multiplayermodus. Gerade offline zu zweit vor einem Bildschirm ist der Spaß groß und die Schadenfreude, wenn man seinen Gegner mal wieder ordentlich durch eine Wand hämmert oder ihm einen Reifen überzieht. Auch hier bringt jeder Kampf Erfahrungspunkte ein, für beide Kontrahenten. Etwas störend: Wählen beide Spieler denselben Charakter, dann sind die Unterscheide zwischen den Figuren mitunter marginal. In der Hitze des Gefechts kann es so kurzzeitig passieren, dass man die falsche Figur beobachtet. Dies lässt sich erst über die Charakteranpassungen beheben. Ebenfalls ausbaufähig: Es gibt nur klassische 1 gegen 1-Matches. Tag-Team-Kämpfe oder ein Teamkampfmodus mit mehreren Figuren hintereinander, die eigentlich zur Beat’em up-Standardkost gehören, sind leider nicht vorhanden. Das wäre definitiv einer unserer Wünsche für einen dritten Teil der Injustice-Reihe.

Injustice 2_20170531213442

Fazit

Injustice 2 verbessert den ohnehin schon gelungenen ersten Teil in nahezu allen Bereichen. Grafik und Präsentation sind über jeden Zweifel erhaben, der Storymodus ist wirklich klasse und dank Multiversum hat man ausreichend Langzeitmotivation für viele Spielstunden. Von uns gibt es daher eine klare Kaufempfehlung für alle Prügelspiel-Fans, für solche, die es noch werden wollen und natürlich für alle Fans von Batman, Superman und Co.

Positiv

  • Storymodus cineastisch inszeniert
  • Starke Kämpferriege mit vielen neuen Figuren
  • Toller Umfang dank Multiversum
  • Grafik und Sound absolut famos
  • Hervorragende Präsentation
  • Veteranen aus Teil 1 wurden komplett überarbeitet

Negativ

  • Einige Kämpfer aus Teil 1 fehlen
  • Wenige Kampfschauplätze
  • Nur ein Finisher pro Figur
90

Geschrieben von: Alex Krause

Keine Kommentare bisher.

Kommentar oder Antwort hinzufügen

Neueste Kommentare

  • Florian Richter Florian Richter: Ja Telltale weiß einfach wie man die Fans der Filme und die der Comics vereinen kann. Die Charaktere sind wirklich gut gelungen und man muss nicht überlegen wen man da auf dem Bildschirm hat.
  • Tim: Habe Guardians im Flugzeug gespielt, davor den 1. Kinofilm gesehen. Die Umstellung im Design der Charaktere ging recht schnell und ist einfach auch richtig gut gemacht.
  • Dominik Probst Dominik Probst: Kann ich schon verstehen. Aber Merchandise ist immer schön anzusehen :D