Handball 17: Kann der Titel mit etablierten Fußballsimulationen mithalten?

Im Vergleich zum Fußball-Genre kamen Handball-Fans bisher eher selten in den Genuss einer authentischen Simulation für PC oder Konsole. Ob „Handball 17“ diese Lücke schließen kann und ob die Präsentation mit vergleichbaren Titel wie FIFA mithalten kann, erfahrt ihr in unserem Test.

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Gameplay

In „Handball 17“ steht uns neben einem lokalen Spiel, in dem wir Offline-Freundschaftsspiele gegen einen Freund oder den Computer bestreiten können, auch eine Online-Variante von selbigem Modus zur Wahl. Herzstücke der Simulation sind aber der Saison-Modus, in dem wir einen Club unserer Wahl durch das Jahr begleiten, sowie der Karriere-Modus, der uns die Möglichkeit bietet, die Karriere eines einzelnen Spielers mitzuerleben.

Saison-Modus

Im Saison-Modus stehen uns lizensierte Teams aus der ersten und zweiten Handballbundesliga sowie aus der spanischen, dänischen oder französischen Liga zur Verfügung. Leider fällt hier direkt zu Beginn auf, dass die Logos der Ligen im Auswahlbildschirm den falschen Ligen zugeordnet wurden, was wiederum für leichte Verwirrung sorgt. Haben wir uns für ein Team entschieden, startet direkt die Saison, ohne eine weitere Einleitung in Form von Texten oder Bildern. Hier wäre ein gewisser Rahmen wünschenswert gewesen, der beispielsweise anhand von Zeitungsartikeln oder anderen Pressemeldungen hätte realisiert werden können.

Das Saison-Menü bietet uns lediglich die Möglichkeit, uns den Spielplan der kommenden Wochen sowie die Aufstellung unseres Teams anzuschauen. Hier ist es zwar möglich, zwischen Stammspielern, Auswechsel- und Reservespielern hin und her zu wechseln, Transfers gibt es hingegen leider nicht. Auch sonstige Managerfunktionen wie veränderbare Taktiken oder das Verwalten von Spielerverträgen wurden komplett ausgelassen, wodurch der Modus insgesamt etwas nackt wirkt. Ein positiver Aspekt, den die offiziellen Lizenzen mit sich bringen, sind die originalen Spielerfotos, die im Mannschaftsmenü eingebaut wurden.

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Karriere-Modus

In der Karriere können wir uns zwischen zwölf Teams aus allen verfügbaren Ländern entscheiden, die allesamt mit einem Stern bewertet sind. Dies sorgt für einen realistischen Ansatz, da die Karriere eines Spielers in der Regel nicht bei einem Top-Club beginnt. Haben wir uns für ein Team entschieden, lassen sich Name, Nummer, Geburtsdatum und Position unseres Spielers festlegen. Dabei stehen uns sechs Positionen zur Wahl, das Spiel als Torwart ist aber nicht möglich. Auch wenn in der Karriere der Fokus auf einem einzigen Spieler liegt, steuern wir innerhalb der Partien trotzdem das gesamte Team.

Im Anschluss an die Grundeinstellungen können wir das Aussehen des Spielers anhand der Kategorien „Gesicht“, „Hautfarbe“ und „Augenfarbe“ verändern. Außerdem lassen sich Frisur und Gesichtsbehaarung nach Belieben variieren. Insgesamt stehen hier zahlreiche Modelle bereit, sodass auch wirklich jeder einen Spieler nach seinem Geschmack erstellen können sollte. Anschließend ist es möglich, das Outfit unseres Spielers anzupassen, indem wir ihm lange oder kurze Ärmel zuweisen oder ihn mit Stutzen oder Knieschonern ausstatten. Das Outfit kann auch nachträglich, bei bereits laufender Karriere, über das Ausrüstungsmenü bearbeitet werden.

Im Karriere-Modus können wir zwar auch nur ein Spiel nach dem anderen absolvieren, allerdings stehen hier im Vergleich zur Saison diverse Herausforderungen bereit, die nach und nach erledigt werden sollen. Gelingt uns dies, erhalten wir Karrierepunkte, die wir wiederum einsetzen können, um die Fähigkeiten unseres Spielers zu verbessern. Die Herausforderungen reichen vom schlichten Gewinnen eines Spiels bis hin zum Unterschreiben eines Profi-Vertrags.

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Steuerung

Die grundlegende Bewegung erfolgt über den linken Stick des Controllers. Über „R2“ ist zudem ein Sprint möglich, der allerdings die Ausdauer des gewählten Spielers aufbraucht. Mit dem rechten Controllerstick können Ausweichbewegungen ausgeführt werden, mit deren Hilfe sich einzelne Gegner austricksen lassen. Ein einfacher Pass ist über „X“ möglich, Würfe auf das Tor erfolgen dagegen über das Dreieck. Hier verändert die Dauer des Herunterdrückens sowohl die Wurfhärte als auch die Genauigkeit des Wurfs. Mit einem Hüftwurf, der über das Viereck möglich ist, lassen sich Verteidiger und Torwart immer wieder überraschen, wodurch diese Wurfvariante in zahlreichen Situationen sehr effektiv ist. Sowohl der klassische Torwurf als auch der Hüftwurf können durch gleichzeitiges Drücken der L2-Taste mit einem Sprung verbunden werden, wodurch sie noch gefährlicher werden.

Über die vier Richtungstasten des Controllers lassen sich Kombinationen starten, die von Team zu Team unterschiedlich sind. Um eine solche Kombo erfolgreich abzuschließen, müssen die am Hallenboden angezeigten Bewegungsmuster und Tastenkombinationen fehlerfrei absolviert werden. Gelingt dies, steht am Ende ein sehr starker Angriff, der eine gute Torchance zur Folge hat.

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Im Verteidigungsspiel wechseln wir den Spieler über „X“ und können den Gegner durch Einsatz des linken Sticks bedrängen. Das Blocken in der Luft ist hingegen über die Dreiecks-Taste möglich, hier bedarf es allerdings einem guten Timing, um den gegnerischen Wurf zu stören. Wenn wir es schaffen, einen ungenauen gegnerischen Pass oder Wurf über die Vierecks-Taste abzufangen, erarbeiten wir uns darüber hinaus eine sehr gute Kontermöglichkeit. Außerdem stehen uns mit der Stoßbewegung auf der Kreistaste sowie mit dem Provozieren eines Fouls auf „R1“ zwei eher unfaire Mittel zur Verfügung, die von den Schiedsrichtern relativ oft mit einer Karte oder Zeitstrafe geahndet werden.

Insgesamt überzeugt die Steuerung von „Handball 17“ durch eine sehr gute Spielbarkeit. Sie ist intuitiv und kann auch von Neulingen oder leidenschaftlichen FIFA-Spielern schnell erlernt werden. Sie garantiert zudem ein temporeiches Spiel und sorgt so für ein authentisches Handball-Spielgefühl auf dem Platz.

Grafik

Die Grafik der Simulation kann sich im Großen und Ganzen durchaus sehen lassen. Die Sporthalle bietet eine gelungene Atmosphäre und wirkt dank sich bewegender Zuschauer und sich verändernder Bandenwerbung sehr lebendig. Die Bewegungen der Spieler könnten allerdings noch optimiert werden, da sie oftmals hölzern und abgehackt aussehen. Dies ist sowohl auf dem Platz als auch in den kurzen Zwischensequenzen der Fall.

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Sound

Die Bewertung der Umsetzung des Sounds ist an dieser Stelle etwas kniffelig. Einerseits reagieren die Sprecher gut auf Veränderungen im Spielverlauf und sprechen viele Spieler direkt mit Namen an. Auch verschiedene Situationen wie Torchancen oder Fouls werden passend kommentiert, auch wenn sich die Sätze doch recht schnell wiederholen. Dieses Problem haben aber auch vergleichbare Top-Titel wie FIFA oder Pro Evolution Soccer.

Das größte Problem der Soundumsetzung besteht allerdings darin, dass die Sprachschnipsel, aus denen die Kommentare zusammengeschnitten werden, oftmals so stark in Lautstärke, Tonfall und Klangqualität variieren, dass man deutlich die einzelnen Bruchstücke heraushört. Es kommt zudem gelegentlich vor, dass Teile des Kommentars einfach fehlen. Daraus resultieren Sätze im Stil von „Gelungene Aktion von…“, ohne dass der Spielername jemals genannt wird.

Hier besteht definitiv Verbesserungsbedarf, um den an sich gut umgesetzten Handballspielen gerecht zu werden.

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Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass „Handball 17“ deutlich erkennbare Schwächen hat, die sowohl bei der grafischen Darstellung der Spielerbewegungen als auch bei der Umsetzung der Kommentarspur liegen. Auch die Tatsache, dass zu Beginn einer Saison falsche Logos über den jeweiligen Ligen stehen oder dass man komplett auf Basis-Managerfunktionen wie Transfers verzichtet hat, ist alles andere als optimal.

Trotzdem merkt man gerade in den Spielen deutlich, dass die Entwickler wirklich bemüht waren, eine authentische Handball-Simulation auf die Beine zu stellen, was zu großen Teilen auch gelingt. Denn insgesamt macht „Handball 17“ trotz der verschiedenen Baustellen wirklich Spaß und man darf gespannt sein, wie sich die Reihe in Zukunft entwickeln wird.

 

Positiv

  • Spielerische Umsetzung überzeugt
  • Atmosphäre in der Halle stimmt
  • Steuerung ist intuitiv und leicht zu lernen
  • Lizensierte Originalteams, unter anderem aus der ersten und zweiten Handball-Bundesliga

Negativ

  • Spielerbewegungen wirken oftmals nicht rund
  • Bei der Kommentarspur hört man die einzelnen Soundschnipsel heraus
  • Falsche Zuordnung der Liga-Logos im Menü
  • So gut wie keine Managerfunktionen verfügbar
70
Daniel Walter

Geschrieben von: Daniel Walter

Hat seit der ersten PlayStation keine Konsolengeneration ausgelassen und interessiert sich vor allem für Adventures, RPGs und Actiongames. Neben der Arkham- und Assassin's Creed Reihe liegen auch sämtliche Star-Wars-Titel stets hoch im Kurs.

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  • Tim-Oliver Siegwart Tim-Oliver Siegwart: Black Flag hat mich von der Story her nicht packen können, hatte mir mehr erwartet und das Gameplay war damals einfach nichts für mich. Ist ja aber immer so, wenn in/an einer Serie was geändert wird, gibt es immer unterschiedliche Meinungen.
  • Daniel Walter Daniel: Ich war immer ein Fan der alten Herangehensweise und vermisse es daher im neuen Teil ein wenig. Trotzdem ist Origins wirklich gut, auch wenn es nicht an meine Favoriten AC 2 und AC Black Flag heranreicht.
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