Gears of War 4

„Endlich wieder ein echtes Gears of War!“ Das werden sich die meisten Fans der Reihe gedacht haben, als „Gears of War 4“ angekündigt wurde. Microsoft hat den neuen Teil das erste Mal in die Hände eines hauseigenen Studios gegeben, genau wie damals „Halo 4“ und es ist zusammen mit „Forza Horizon 3“ eines der ersten Spiele des neuen „Play Anywhere“ Programms der Redmonder Firma. Aber ist es auch ein Vorreiter des Genres, wie es das erste Gears 10 Jahre zuvor war?

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Ein neues „Gears of War“ verspricht immer einen wuchtigen Third-Person Deckungs-Shooter, der einer soliden, mit Kalauern und bulligen Charakteren bestückten Geschichte folgt. Meist geht es um eine wichtige Schlacht der Menschheit gegen eine Invasion aus dem All. Bereits hier folgt der erste sanfte Bruch mit der Tradition, denn diesmal spielen wir kein Mitglied der „COG“ – der „Coalition of Ordered Governments“ – wie bisher, sondern Marcus Fenix Sohn, JD Fenix. Nach einem kurzen Prolog, in dem die Vorgeschichte in kurzen Missionen zusammengefasst wird, steuern wir JD auf einem Raubzug gegen die „COG“, gemeinsam mit seinen Kumpeln, Kait und Del. Mit Kait ist außerdem erstmals eine Frau als Hauptcharakter spielbar, aber leider nur im Koop-Modus, in dem man per Drop-In/Drop-Out wie immer durch die ganze Kampagne spielen kann. Wir schießen uns durch Horden unterschiedlicher Roboter-Gegner, die gerade eine neue Stadt aufbauen und den mächtigen Fabrikator bewachen, den wir als Energiequelle für ein kleines Dorf stehlen wollen.

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Dabei gilt es nicht nur die „DeeBee“ genannten Roboter zu bekämpfen, die leider nie wirklich bedrohlich wirken, aber vielmehr nervig sind, denn ab der Hälfte des Spiels tritt einem der Schwarm gegenüber, eine außerirdische Lebensform, die einen sehr an die Locust erinnert. Unter ihnen gibt es aber durchaus auch neue Gegnertypen, wie den Springer. Dieser springt erst auf die Deckung und dann auf einen selbst und sorgt somit dafür, dass man nie zu lange in der vermeintlichen Sicherheit bleiben sollte.
Auch an neue Waffen wurde gedacht, wie zum Beispiel das EMBAR – ein sehr mächtiges Scharfschützengewehr, das man vor jedem Schuss aufladen muss – oder der Enforcer, eine schnellfeuernde Maschinenpistole.

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Man fühlt sich auf Anhieb Wohl und heimisch, hat sich doch nichts – bis auf ein paar Kleinigkeiten – verändert. Man läuft schlauchartige Gänge entlang, bis man auf ein größeres Areal mit günstig verteilten Objekten oder Mauerstücken trifft. Ein paar Schritte in diesen und eine Welle Gegner erscheint, man macht einen „roadie run“ zur nächstbesten Deckung und nutzt eine der 3 Waffen oder Granaten und schnelle Deckungswechsel, um alle Feinde auszuschalten. Dabei geht einem immer mal wieder die Munition aus, so dass man gezwungen wird, weiter vor zu rücken und sich die Waffe eines Toten zu schnappen. Hat man alle Gegner(-Wellen) beseitigt, folgen ein paar coole Sprüche, man geht in den nächsten Schlauch und folgt den Geschichten, die die Charaktere erzählen, während man zum nächsten großen, deckungsübersäten Areal läuft, und so weiter. Die Unterhaltungen sind teilweise sehr einfach geschrieben und die Witzeleien lassen einen allerhöchstens mal ob deren Flachheit schmunzeln.

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Auch optisch hat sich einiges getan und auch wenn die Grafik der damaligen Unreal Engine um das Hundertfache übertroffen wird, hatte das erste „Gears of War“ doch einen viel größeren „Wow“-Effekt, weil es damals einen Meilenstein der Konsolengrafik legte. Besonders schön anzuschauen sind die malerischen Landschaften und die sonnenbeflutete Architektur, die einen sehr an das Italien in der Renaissance erinnert. Aber auch die neuen Natur-Phänomene wie kleine Windhosen und Blitz- und Feuer-Stürme, in denen so ziemlich alles vom Wind mitgerissen wird, was nicht niet- und nagelfest ist (sogar die Flugbahnen der Geschosse werden beeinflusst), sorgen für viel Atmosphäre. Der sehr gelungene und wuchtige Soundtrack und die hervorragenden Soundeffekte sorgen dafür, dass man sich richtig ins Geschehen hinein versetzt fühlt.

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Der Multiplayer hat auch ein paar kleine, aber feine Verbesserungen erfahren und so gibt es neben dem üblichen Versus und Koop-Modus erneut den beliebten Horde-Modus, diesmal mit der Versionsnummer 3.0 betitelt.
Das Koop-Gemetzel durch Wellen von Feinden wurde um Klassensystem, Kopfgeld und den Fabrikator erweitert. Bei diesem kann man sich mit Energie, die von erledigten Gegnern fallen gelassen wird, vor Beginn einer neuen Welle Verteidigungsanlagen oder Waffen kaufen. Jede der Klassen hat verschiedene Fähigkeiten und Load-Outs, so sammelt der Späher zum Beispiel die doppelte Menge Energie ein und der Pionier hat Vorteile beim Bau von Verteidigungsanlagen oder Geschütztürmen, spielen sich aber recht ähnlich. Neben unterschiedlichen Fähigkeiten, kann man auch Kopfgeldmissionen aktivieren, die bei Abschluss extra Punkte geben. Je höher man eine Klasse gelevelt hat, umso mehr Fähigkeiten-Slots schaltet man frei und kann diese mit gewonnenen oder im internen Store durch Ingame-Geld oder echtes Geld gekaufte Packs bestücken. Alle Multiplayer-Modi machen unheimlich viel Spaß und sind für Anfänger sowie Profis gleichermaßen zugänglich. Mit dazu bei trägt die neue „Play Anywhere“-Funktion, die das gemeinsame Spielen plattformübergreifend möglich macht.

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Fazit:
„Gears of War 4“ ist eindeutig ein würdiger Nachfolger der Original-Trilogie und somit ein „echtes Gears“. Das war es aber auch schon. Die Story wirkt ausgereifter als noch in „Judgement“ und schafft es sogar teilweise, einen mitfiebern zu lassen. Die Mechaniken sind immer noch grundsolide, die Gespräche voller Sarkasmus und wenig Inhalt und auch die Grafik ist beizeiten sehr schön. Es wirkt so, als wollte der neue Entwickler Coalition erstmal auf Nummer sicher gehen und aus dem bewährten Rezept ein neues, altes Gears machen, um sich bei den Fans als würdiger Nachfolger zu beweisen und das hat funktioniert. Es ist ein durchweg gelungenes Spiel und gerade der Multiplayer macht mächtig Laune, aber mir persönlich sind es einfach zu viele Verfeinerungen und zu wenige Neuerungen.

 

Positiv

  • ein echtes Gears im klassischen Sinn
  • 60fps im Multiplayer (!)
  • neue, interessante Charaktere
  • toller (Koop-)Multiplayer
  • bombastisch, wuchtiger Soundtrack

Negativ

  • Schacht –> Arena –> Schacht –> Arena…
  • Roboter-Gegner nerven
  • teils träge Momente während der Kampagne
  • durchschnittliche Story, lahme Sprüche
84
Max Weinfurtner

Geschrieben von: Max Weinfurtner

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Neueste Kommentare

  • Florian Richter Florian Richter: Ja Telltale weiß einfach wie man die Fans der Filme und die der Comics vereinen kann. Die Charaktere sind wirklich gut gelungen und man muss nicht überlegen wen man da auf dem Bildschirm hat.
  • Tim: Habe Guardians im Flugzeug gespielt, davor den 1. Kinofilm gesehen. Die Umstellung im Design der Charaktere ging recht schnell und ist einfach auch richtig gut gemacht.
  • Dominik Probst Dominik Probst: Kann ich schon verstehen. Aber Merchandise ist immer schön anzusehen :D