Duke Grabowski, Mighty Swashbuckler: Ein Hauch von Monkey Island

Duke Grabowski hat wohl den selben Traum wie alle Piraten, er würde gerne selbst ein Schiff befehligen. Als sein Kapitän ums Leben kommt und die Crew zur Abstimmung über einen neuen Anführer schreitet, will er diese Chance nutzen. Mit „Duke Grabowski, Mighty Swashbuckler“ haben der Indie-Entwickler „Venture Moon Industries“ und der Publisher „Alliance Digital Media“ ein Spiel abgeliefert, das sichtlich in die Fußstapfen von „Monkey Island“ tritt.

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Die Geschichte

Leider hat Duke nicht allzu viel zu bieten, was ihn als Kapitän prädestinieren würde. Zwar ist er ungeheuer Stark, jedoch beschränkt sich diese Stärke leider nur auf das Körperliche. Und so ist der Rest der Crew über seine Ambitionen das Kommando zu übernehmen eher amüsiert als beeindruckt. Aber wer sich über den nicht sonderlich cleveren Duke lustig macht, handelt sich schnell ordentliche Prügel ein und so greift der vielversprechendste Kandidat für den Kapitänsposten, Slewface, zu einer List. Er will Duke die Gelegenheit geben zu beweisen, dass er ein echter Säbelschwinger ist. Wenn ihm dies gelingt, soll er zum Kapitän gewählt werden. Und wie könnte man seine Qualitäten als Säbelschwinger besser unter Beweis stellen, als die Damenwelt zu bezirzen?
Mit dem Auftrag drei Damen für sich zu gewinnen wird Duke in die Stadt geschickt. Hier versuchen wir, dem nicht gerade wortgewandten Muskelberg, zum Erfolg zu verhelfen. Natürlich sind die Damen von unseren ungeschickten Avancen alles andere als begeistert und so müssen wir verschiedene Aufgaben erfüllen und Rätsel lösen, um sie doch noch milde zu stimmen. Dabei geht es aber keineswegs schlüpfrig zu.
Das ist auch schon die ganze Geschichte die „Duke Grabowski, Mighty Swashbuckler“ erzählt. Haben wir die Mission erfüllt endet das Spiel auch schon wieder. Für erfahrene Adventure-Freunde beschränkt sich die Spielzeit damit auf ungefähr zweieinhalb Stunden.

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Einfache Rätsel und kleine Spielwelt

Die kurze Spielzeit hängt auch mit der relativ kleinen Spielwelt und den nicht sonderlich schweren Rätseln zusammen. Insgesamt gibt es neun verschiedene Schauplätze, die teils nacheinander freigespielt werden müssen, zu erkunden. Zur Lösung der Rätsel müssen wir gelegentlich zwischen einzelnen Orten hin und her wechseln. Da diese jedoch meist sehr nah beieinanderliegen, kostet dies angenehm wenig Zeit.
Anders als bei den klassischen Adventures von „Lucas Arts“, sind die Lösungen der Rätsel oftmals sehr leicht zu erraten. Zwar bieten auch die Knobelaufgaben in „Duke Grabowski, Mighty Swashbuckler“ einige lustige Ansätze, den kultigen, oft absurden Witz der ersten „Monkey-Island“- oder „Indiana-Jones“-Adventures erreichen sie jedoch nicht. Trotzdem liefern die gelungenen Dialoge immer wieder Anlass zum Schmunzeln.

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Retro-Optik im Stil von „Monkey Island“

Optisch erinnert nicht nur Sheriff Nancy Steele (Elaine, bist du es?) an „Monkey Island“. Auch die einzelnen Schauplätze könnten Weiteres der Traditions-Reihe entstammen und wecken damit gute Erinnerungen an das Original. Bunt, schräg und nicht immer richtig proportioniert wirkt die Spielwelt herrlich verrückt. Wer Spaß daran hatte mit „Guybrush Threepwood“ Plunder Island zu erkunden, wird sich wohl auch in „Duke Grabowski, Mighty Swashbuckler“ wohlfühlen. Zwar ist die Grafik des Spiels nicht preisverdächtig, Figuren wirken Kantig und viele Texturen unscharf, dies fördert aber auch die Retro-Optik und verleiht dem Spiel damit einen gewissen Charme. Nur in wenigen Momenten, wenn Hintergrundgrafiken vergrößert werden, lässt die Auflösung wirklich zu wünschen übrig. Für karibisches Flair sorgt neben der liebevoll gestalteten Spielwelt auch die gelungene Titelmusik. Die Leistung der englischen Sprecher kann bis auf wenige Ausnahmen ebenfalls überzeugen.

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Point-and-Click, alt aber bewährt

Wenig überraschend kommt das Spiel ohne Tutorial aus. Beim Klick auf Personen oder Gegenstände öffnet sich ein klassisches Interaktionsmenü, in dem uns Mund, Augen oder Hände zur Auswahl gestellt werden. Die jeweils mögliche Interaktion wird zudem beschrieben. Nur vereinzelt müssen wir auf unser Inventar zugreifen um Gegenstände auszuwählen und sie wieder mit anderen zu kombinieren oder in der Spielwelt einzusetzen. All dies funktioniert tadellos. Auch die Wegfindung ist zuverlässig und kann auf Wunsch auch beschleunigt werden, wenn die zurück zu legende Distanz etwas länger ausfällt. Damit wird also auch die Geduld des Spielers nicht auf die Probe gestellt. Während unseres Tests kam es lediglich bei den deutschen Untertiteln zu einem Fehler. Hier waren die weiß dargestellten Texte wiederholt nicht deckungsgleich mit ihren hinterlegten Schatten. Das kann zwar irritieren, wirkt aber nur in geringem Maß störend.

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Fazit

Duke wirkt auf mich wie ein inoffizielles Spin-Off aus „The Curse of Monkey Island“ und war viel zu schnell vorbei! Diese Aussage spiegelt bereits den positivsten wie auch negativsten Aspekt des Spiels wieder.
Das Spiel endet in einem Moment, als die Spannungskurve für mich erst so richtig zu steigen begann. So kamen auch Charaktere, die viel Spannung zu bieten schienen in der Geschichte letztlich zu kurz. Auch der absurde Witz, der „Monkey-Island“ zum Kult gemacht hat, wird weder in Dialogen noch bei den Rätseln erreicht. Da wäre trotz guter Ansätze noch etwas Luft nach oben gewesen.
Die größte Stärke des Spiels ist Duke selbst! Mit seiner unbeholfenen und naiven Art ist er ein äußerst sympathischer Charakter, den man gerne durch sein Abenteuer begleitet. Eingebettet in die herrlich schräge und bunte Retro-Welt stimmt das Gesamtbild und macht Lust auf Mehr.
Alles in Allem ist „Duke Grabowski, Mighty Swashbuckler“ ein Indie-Spiel, das sich wirklich sehen lassen kann und eine (deutlich längere Fortsetzung) verdient hätte. Mit knapp sieben Euro Kaufpreis zum Release sollten trotz sehr kurzer Spieldauer insbesondere die Fans der klassischen Adventures dem Spiel eine Chance geben.

Positiv

  • Sympathischer Hauptcharakter
  • Gute Dialoge
  • Ansprechende Spielwelt im Stil von "Monkey Island"

Negativ

  • Sehr kurze Spieldauer
  • Zu einfache Rätsel
  • keine deutsche Sprachausgabe
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Christian Heldmaier

Geschrieben von: Christian Heldmaier

Gelernter Mediengestalter und Master of Science in der Fachrichtung Publishing. Zertifizierter Social Media Manager mit Erfahrung im Verlagsmarketing und hauptberuflich derzeit im Webmonitoring tätig.

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Neueste Kommentare

  • Florian Richter Florian Richter: Ja Telltale weiß einfach wie man die Fans der Filme und die der Comics vereinen kann. Die Charaktere sind wirklich gut gelungen und man muss nicht überlegen wen man da auf dem Bildschirm hat.
  • Tim: Habe Guardians im Flugzeug gespielt, davor den 1. Kinofilm gesehen. Die Umstellung im Design der Charaktere ging recht schnell und ist einfach auch richtig gut gemacht.
  • Dominik Probst Dominik Probst: Kann ich schon verstehen. Aber Merchandise ist immer schön anzusehen :D