DiRT 4

Die DiRT-Reihe, vormals Collin McRae, von Codemasters blickt auf eine illustre Vergangenheit zurück und zählte immer zu den besten Simulationen in diesem Genre. DiRT 4 schickt sich nun an, seine Spuren im Schotter zu hinterlassen. Wie zugänglich das Gameplay für Neueinsteiger ist und wie abwechslungsreich die verschiedenen Spielmodi sind, haben wir für euch getestet.

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Kein Sport für schwache Nerven

Wenn man mit waghalsigen 200 Kilometern pro Stunde über enge Waldwege und Gebirgsstraßen, die kaum breiter als das eigene Auto sind, bei allen Witterungen brettert, dann ist der Spielraum für Fehler gleich Null. Seinem Kopiloten muss man blind vertrauen und ohne Sicht in die Kurven stechen. Kurz gesagt man braucht die von Oliver Kahn viel zitierten Eier.

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Der Ralley-Sport ist für spektakuläre Drifts und weite Sprünge über Bodenwellen und Senkungen bekannt. Im medialen Rummel um Formel 1 und GT-Sport hat es die Serie nicht leicht und bekommt deutlich zu wenig Aufmerksamkeit. Dabei wird vom Start bis ins Ziel Nervenkitzel und Adrenalin pur geboten. Auch in DiRT 4 wird es dem Spieler sicherlich nie langweilig, denn Zeit zum Ausruhen gibt es hier nicht und die verschiedenen Spielmodi sorgen für ausreichend Abwechslung, doch zunächst geht es in die Fahrschule.

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Driften will gelernt sein

Wer viel im Formel- oder GT-Sport unterwegs ist, muss sich genauso wie komplette Grünschnäbel an das Fahrverhalten der Autos und den besonderen Fahrstil gewöhnen. Wer sich hier nicht anpasst, wird schnell frustriert in das Lenkrad beißen oder eben dieses aus dem Fenster schmeißen.

Codemasters hat auf dieses Problem mit der Akademie reagiert. Hier werden die Grundlagen des Ralley-Sports und die so wichtigen Fahrmanöver erklärt. Danach geht es auf das Testgelände. Zunächst beobachtet der Spieler eine perfekte Runde des KI-Fahrers. Lenkausschlag, Bremse und Gangwahl werden in einem Kasten dargestellt, sodass man bei der anschließenden Runde weiß, was zu tun ist.

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Sollte man die Lektion nicht ganz verstehen oder das Auto sich anders verhalten, obwohl man doch eigentlich alles genauso macht wie es von einem verlangt wird, erklärt der virtuelle Fahrlehrer geduldig die Anforderungen erneut und schwingt sich für eine weitere Demonstrationsrunde hinter das Steuer. Es stehen insgesamt 27 Lektionen zur Auswahl.

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So erlernt man auch kompliziertere Kombinationen recht schnell und driftet bald wie ein Walter Röhl oder Sebastian Loeb um die Kurven. Die Zugänglichkeit zu DiRT 4 wird dadurch deutlich einfacher und absolute Rookies können sich natürlich auch jederzeit diverse Fahrhilfen aktivieren. Mit einigen Achievements wird auch Profis die Akademie schmackhaft gemacht und ein wenig Training hat noch niemandem geschadet. Natürlich lässt sich das Ganze auch überspringen und die Karriere oder Einzelevents sowie der Multiplayermodus direkt angehen.

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Die virtuelle Karriere

Eines gleich vorneweg, die Karriere ist alles, nur nicht hübsch gestaltet. Wer tolle Videos, Animationen und Interaktionen erwartet, wird hier herb enttäuscht. Immer gleiche nüchterne Konfetti-Dusche am Ende von Etappen oder der Meisterschaft sind bereits das höchste der Gefühle und damit für das Jahr 2017 deutlich zu wenig.

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Der Spieler legt seinen Fahrer an und startet in der Ralley-Etappen-Meisterschaft. Nach den ersten erfolgen werden auch die weiteren Spielmodi Ralleycross, Land Rush und Klassik Ralley freigeschaltet. In allen Klassen sammelt der Spieler Erfahrungspunkte und Preisgelder. Mit den Preisgeldern lassen sich neue Autos kaufen und Personal einstellen. Richtig, Personal, denn in DiRT 4 müssen wir uns auch um unser Team kümmern, Chefmechaniker und Techniker einstellen sowie die Team-Gebäude ausbauen.

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Das liefert mehr Performance für das Auto, wenn die Mechaniker es schneller reparieren und besser tunen können. Profis können sich hier im Detail verlieben und jedes Tuning- und Steuerungsdetail feinjustieren. Bremskraft, Bodenfreiheit, Lenkradsättigung und vieles mehr steht zur Auswahl. Vor jeder Zeitwertung darf die Etappe getestet werden, somit gibt es die Möglichkeit, das Setup immer individuell anzupassen.

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Zurück zu den Features. Auch Verhandlungen mit Sponsoren gehören zum Tagesablauf. Für einzelne Rennevents gibt es sogar Bonusziele, etwa eine Etappe komplett unfallfrei zu bewältigen und dafür mehr Preisgelder einstreichen. Klingt nach viel Mikro-Management, macht aber auch viel Spaß. So gibt es wenigstens sinnvolle Möglichkeiten, sein Erspartes auszugeben.

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Wer einfach nur Fahren möchte, kann jederzeit Einzelevents oder sogar ganze Meisterschaften erstellen und muss sich um den ganzen Karriere-Kram nicht weiter kümmern. Die offizielle WRC-Lizenz liegt immer noch bei BigBen Interactive (WRC 6). Das bedeutet, dass es keine originalen Strecken und Teams gibt. Da die Ralley-Szene aber nicht so sehr mit Namen und Marken wirbt wie zum Beispiel die Formel 1, dürfte das nur eingefleischten Fans wie Sand im Getriebe vorkommen.

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Your Stage

In DiRT 4 gibt es insgesamt über 50 Rally- und Offroad-Fahrzeuge. Die Pisten in der Rennkarriere sind wie bereits erwähnt dank fehlender original WRC-Lizenz alle zufallsgeneriert. Im Your Stage Modus kann man mit simplen Parametern wie Länge und Komplexität selbst neue Etappen bauen und diese danach befahren. Das Feature lässt Spieler aber nicht nur eigene Strecken erstellen. Man kann diese auch im RaceNet hochladen und sie anderen Spielern zur Verfügung zu stellen. Ferner ist es sogar möglich, ganze Events und Meisterschaften zu erstellen und diese dann mit Freunden oder der Community zu teilen. Eine sehr schöne Sache, denn im Ralley-Sport kommt es nun wirklich nicht wie in Formel 1- oder GT-Spielen auf Strecken an, die bis ins kleinste Detail, laservermessen ihren realen Originalen entsprechen.

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Ich brauch Gegner, keine Opfer

In DiRT 4 bietet auch der Online-Modus diverse Funktionen, beispielsweise die Ranglisten, Multiplayer-Matches und Community-Events. Wie gewohnt funktioniert das alles über das bewährte RaceNet von Codemasters. Jeder Spieler kann sich hierfür kostenlos anmelden und gegen echte Gegner aus Fleisch und Blut konkurrieren.

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Hinterm Steuer

Wie so manches Erfrischungsgetränk mit dem Slogan „schmeckt am besten eisgekühlt“ daherkommt, könnte man DiRT 4 den Aufkleber „spielt sich am besten mit einem Lenkrad“ verpassen. Aber auch mit dem Gamepad und selbst per Tastatur lassen sich hier Bestzeiten erzielen. Mithilfe der automatischen Geräte- und Eingabeerkennung werden die vorhanden Eingabemöglichkeiten erkannt und richtig kalibriert. Dieses Feature sollte eigentlich in keinem Rennspiel mehr fehlen. Auch ein großer Fortschritt zu DiRT Ralley, hier gab es noch etliche Probleme bei der Erkennung der angeschlossenen Lenkräder.

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Was die Fahrerperspektive angeht, darf der Spieler frei wählen und sich limitieren. Nur Cockpitansicht gibt mehr Punkte, ist aber für manches Greenhorn am Anfang recht schwer zu meistern. Auch wenn wir vom Mighty Games Mag jedem Spieler nur raten können, für den Realismus und die Immersion generell immer die Cockpitansicht zu wählen. Letztendlich bleibt es jedem selbst überlassen und die Einstellungen können notfalls jederzeit rückgängig gemacht werden.

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Zylinderkonzert

Sollte man DiRT 4 mit Freunden online Spielen, so wird man sehr schnell den Motorensound drosseln müssen, DENN MAN HÖRT SONST NIEMANDEN. Wieviel Power und Energie in so kleinen Flitzern doch steckt. Fällt die Startampel auf Grün, beginnt das große Zylinderkonzert und es klingt richtig gut. Dabei ist es egal, ob man in einer Ralley alleine in der Zeitwertung oder zum Beispiel im Ralleycross zusammen mit fünf anderen Wahnsinnigen um die Positionen streitet. Der Sound der Motoren und dass ständige Prasseln des Schotters an der Karosserie erzeugen eine herrliche Stimmung.

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Es wird dreckig

Auf der einen Seite stehen, die blank polierten Formel 1-Boliden, deren Mechaniker jeden kleinen Schmutzfleck mit der Hingabe von Meister Propper auszulöschen versuchen. Hier auf der anderen Seite des Motorsports prescht unser Peugeot 208 gerade durch ein Schlammloch, die Sponsoren waren schon zuvor durch Staub und Dreck kaum noch zu erkennen. Bei der rauen, staubigen Piste werden die Scheibenwischer benötigt um ein kleines Guckfenster für die Insassen freizuschaufeln. All das simuliert DiRT 4 hervorragend.

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Egal ob im Rallycross die Staubwolken der Konkurrenten die Sichtweiten auf wenige Meter verkürzen oder auf schneebedeckten Etappen in der Schweden-Rally der Schnee gegen die Scheiben spritzt, die Simulation fängt das Spektakel beeindruckend ein und steigert damit ungemein den Realismus. Die Autos selbst sind innen wie außen sehr detailliert den Originalen nachgebaut und versprühen poliert wie schmutzig pure Rennlust. Einziges Manko sind die Marshallposten und Streckengäste, die scheinen noch aus einer lang vergessenen Zeit zu stammen und passen nicht so ganz ins Gesamtbild.

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Bereits deutlich hübscher als noch in DiRT Rally oder in WRC, aber immer noch viel Luft für eine Optimierung. Kleine aber feine Details wie zum Beispiel über die Strecke hoppelnde Hasen in Schweden oder die Staubwände im Land Rush hinter den Fahrzeugen sorgen des Weiteren für ein Plus in der Spielatmosphäre.

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Fazit

DiRT 4 macht einiges besser als seine Vorgänger. Die Fahrschule erklärt nicht nur die wichtigsten Grundlagen des Ralley-Sports, die interaktive Fahrschule führt den Spieler auch Schritt für Schritt an die richtige Fahrweise heran. Damit finden nicht nur fortgeschrittene Röhrls-Zugang zum Spiel, sondern eben auch Einsteiger und beide können über den anpassbaren Schwierigkeitsgrad und diverse Fahrhilfen gleichsam Spaß haben. Dieser Spagat ist nicht einfach, aber DiRT 4 hat die Kurve bravourös genommen. Grafisch alles top und toller Motorensound sind ein weiterer Pluspunkt. Durch die verschiedenen Rennklassen gibt es genug Abwechslung und so mancher verbleibt vielleicht beim Rallycross anstatt beim klassischen über Stock und Stein Brettern. Das Jahr 2017 wartet mit Project Cars 2, Gran Tourismo und Forza Motorsport 7 auf, DiRT 4 legt schon mal eine sehr gute Zeit vor und profitiert davon, eine heroischere Version des Motorsports zu liefern.

Positiv

  • Toller Sound
  • Grandiose Grafik
  • Motivierende Karriere
  • Team-Management

Negativ

  • Keine offizielle Lizenz
  • Kein HillClimb
  • Schlichte Präsentation der Karriere
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Tim-Oliver Siegwart

Geschrieben von: Tim-Oliver Siegwart

Seit bereits über 30 Jahren Gamer mit Leib und Seele. Bei den Mightys quasi der Experte für Rennsimulationen und First Person Shooter.

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Neueste Kommentare

  • Tim-Oliver Siegwart Tim-Oliver Siegwart: Black Flag hat mich von der Story her nicht packen können, hatte mir mehr erwartet und das Gameplay war damals einfach nichts für mich. Ist ja aber immer so, wenn in/an einer Serie was geändert wird, gibt es immer unterschiedliche Meinungen.
  • Daniel Walter Daniel: Ich war immer ein Fan der alten Herangehensweise und vermisse es daher im neuen Teil ein wenig. Trotzdem ist Origins wirklich gut, auch wenn es nicht an meine Favoriten AC 2 und AC Black Flag heranreicht.
  • Tim-Oliver Siegwart Tim-Oliver Siegwart: Die Neuausrichtung gefällt mir sehr gut. Die Architektur ist wunderschön und die Story gut gemacht. Auch die vielen Nebenquests und jetzt mit Level 40 die Community Events sind super. Das ewige geklettere und Dauerblocken aus den Vorgängern war einfach idiotisch, finde das jetzt überzeugender.