Conan Exiles – Entdecke den Barbaren in dir

Gegenstände fertigen, bauen und verteidigen im Land der Barbaren. Ob der Open-World-Survival-Titel Conan Exiles überzeugt oder nur echte Fans des Filmklassikers auf ihre Kosten kommen, erfahrt ihr in unserem Test.

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Überleben um jeden Preis

Wir erwachen in sengender Hitze. Man hat uns alles genommen, unsere Besitztümer, unsere Familie und unseren Stolz. Mitten im Nirgendwo wurden wir zurückgelassen, um zu sterben, doch das Schicksal meint es gut mit uns. Ein mysteriöser Fremder schneidet uns los und lässt uns mit einer Notiz und einem Wasserschlauch zurück. Ab dort beginnt der Kampf ums nackte Überleben. Wir sammeln erste Pflanzenfasern, Äste, Steine und fertigen uns so primitive Kleidung wie auch erste brüchige Werkzeuge, mit denen es uns gelingt, das nötige Material für ein Lagerfeuer abzubauen. So schlagen wir uns durch eine große Wüste und erreichen schließlich das mit Palmen besetzte Ufer eines Flusses: der perfekte Ort für unser erstes Lager.

Wie in jedem typischen Survival-Game geht es zunächst einmal darum, alles mitzunehmen, was nicht niet- und nagelfest ist und zu lernen, wie man die eigenen Grundbedürfnisse stillt. Das Flussufer ist zu Beginn eine gute Wahl, um den eigenen Durst zu bekämpfen. Dem Hunger rückt man zunächst mit Käfern zu Leibe, die in den Büschen sitzen, bevor man sich auf die Jagd macht, denn die Gegner, vor allem die Krokodile, sollte man nicht unterschätzen und sich erst einmal mit kleinen Beutetieren begnügen. Gesundheit wie Ausdauer lassen anfänglich nämlich noch zu wünschen übrig. Haben wir uns mit den Grundbedürfnissen vertraut gemacht, können wir uns daran machen, eine erste Behausung zu bauen. Mit dem Abbauen von Holz und Steinen, dem Jagen, Bauen oder dem Erkunden der weitläufigen Karte sammeln wir Erfahrungspunkte. Mit diesen erweitern wir unsere Attribute wie Stärke, Gesundheit oder Belastung und schalten neue Rezepte frei. Dazu gehören Werkzeuge, Waffen, Rüstungen, Werkbänke aber auch Deko-Objekte, die die Barbarenbehausung erst so richtig gemütlich machen. Das wichtigste Einrichtungsobjekt ist am Anfang aber eine Strohmatte, mit der man einen Rückkehrpunkt setzen kann. Vergisst man dies, wird man in der Wüste wiederbelebt und muss sich von vorne durch das Areal kämpfen.

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Für Genrefremde dürfte der Einstieg ins Gameplay gar nicht so einfach sein, denn zunächst findet man sich nicht gerade gut auf der Karte zurecht. Der Spieler muss erst einmal lernen, dass man wirklich alles in seiner Umgebung aufsammeln und früher oder später auch gebrauchen kann. Hier ist man ohne Tutorial völlig auf sich allein gestellt, was auch in Ordnung ist, denn schließlich geht es ja ums Überleben. So müssen wir an manchen Stellen einfach herum probieren, welche Materialien zum Beispiel in einem Schmelzofen verarbeitetet werden können.

Auf jeden Fall ist die Spielwelt sehr atmosphärisch gestaltet, die Grundkarte von Conan Exiles erinnert mit sanften Flussbiegungen und Palmen an den ägyptischen Nil. Auch die Tag- und Nachtwechsel sehen gut aus. Die unaufdringliche Hintergrundmusik fügt sich passend ins Spiel ein und variiert je nach Ort stimmungsvoll. Da stört es dann auch nicht weiter, dass ab und an ein Krokodil durch die Wand beißt oder man von einer Antilope gleich vier Köpfe sammeln kann.

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Nicht kleckern, sondern klotzen

Das unkompliziert gestaltete Bausystem in Conan Exiles lädt nicht gerade dazu ein, sich mit einer einfachen Behausung zu begnügen. Bodenplatten, Säulen und Wände lassen sich problemlos verbinden, was es bei genügend Ausdauer beim Craften sehr leicht macht, ausladend zu bauen. Schön ist, dass man nicht nur an Land, sondern auch im Wasser bauen und sich kreativ wirklich austoben kann. Wer will, schreckt seine Gegner nicht nur mit der schieren Größe der eigenen Behausung ab, sondern verziert seine Hütte noch mit einem Haufen Tierköpfe oder mit Palisaden. Gelungen ist außerdem, dass man nicht nur auf dem Boden, sondern auch an Gesteinsformationen oder zum Beispiel auf den Türmen in der Spielwelt bauen kann. Weniger gelungen ist hingegen die Gestaltung der Dachformationen. Wer hier Wert auf Perfektion legt, findet im Steam-Workshop aber gute Mods, die alle Bauherren zufrieden stellen sollten.

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Schuften? Nein, Schuften lassen!

Was wäre ein echter Barbar ohne Leibeigene? Richtig, nichts! Wenn es uns also zu mühsam ist, Gegner von unserem Grundstück zu verscheuchen oder uns um unsere Werkstoffproduktion zu kümmern, halten wir eine Keule und ein Seil bereit und überfallen eines der zahlreichen Wildendörfer. Dort finden wir nicht nur nette Items, sondern auch potentielle Sklaven, die wir zu unserem Grundstück schleifen und so lange in unser Rad der Schmerzen stecken, bis sie gefügig sind. Ist es soweit, können wir mit Bogenschützen unser Grundstück verteidigen, unsere Rohstoffproduktion mit einem Schmied optimieren oder uns mit einem Tänzer in gefährliche Gebiete vorwagen, die von der Verderbnis befallen sind. Die Sklaven können dabei verschiedene Stufen haben. Ein Sklave mit der Stufe 3 erleichtert unsere Arbeit schon immens. Es gibt aber auch Wilde zu entdecken, die einen besonderen Namen tragen und die, wenn es uns gelingt, sie gefügig zu machen, besondere Items für uns herstellen können.

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Es lebe der Entdeckergeist

Wer an die richtig guten und seltenen Rohstoffe gelangen will, kommt nicht umhin, loszuziehen und die riesige Karte zu erkunden. Hier gibt es aber noch mehr zu entdecken, als simples Baumaterial. Überall auf der Welt lassen sich NPCs finden, die uns neue Emotes beibringen oder uns Religionen lehren können. Darüber hinaus warten große Städte, Gewölbe und Dungeons darauf, von uns erkundet und besiedelt zu werden. Außerdem erzählen uns Bücher und Geistererscheinungen die Geschichte einer vergangenen Zeit…

Will man die ganze Karte von Conan Exiles ergründen, ist es ratsam, einen Clan zu gründen und gemeinsam mit seinen Freunden auf Entdeckungsreise zu gehen, denn mächtige Gegner wie Drachen oder Harpyien setzen uns ordentlich zu und auch eine Stadt voller Wilder erobert sich nicht gut allein.

Wir haben natürlich die Wahl, ob wir entspannt die Karte erkunden und bebauen möchten oder, ob wir uns lieber mit unseren Mitspielern messen wollen, statt gemeinsam auf die Jagd zu gehen. In diesem Fall stehen uns Belagerungswaffen zur Verfügung, mit denen wir ungebetene Gäste von unserem Grundbesitz vertreiben können. Mächtige Avatare, die mithilfe von Tempeln beschworen werden können, zermalmen unsere Feinde außerdem zu Staub, wenn wir unseren Göttern das richtige Opfer bringen.

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Winter is coming

Mit dem kürzlich erschienenen DLC Der Eisige Norden wurde die Karte von Conan Exiles nochmals erweitert und neues Gameplay hinzugefügt. Neben gemäßigten Wald- und Wiesenflächen haben wir nun auch die Chance, uns in Gebiete aus Eis und Schnee vorzuwagen. Damit wir keine kalten Füße bekommen, wenn wir uns durch den Schneesturm kämpfen, gibt es neue isolierte Bauteile und natürlich Rüstungen, denn wir spüren ab sofort Hitze und Kälte und müssen unsere Behausung und unsere Bekleidung den jeweiligen klimatischen Bedingungen anpassen. Und wer weiß, vielleicht sieht man ja auch kurz vor Mitternacht im Norden Meteoritenschauer vom Himmel fallen? Der DLC ist auf jeden Fall sehr gelungen, denn er erweitert die Karte wesentlich, was dem Spiel in puncto Abwechslung wirklich gut tut, zumal der neue Kartenbereich toll aussieht.

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Fazit:

Conan Exiles macht Vieles richtig. Vor allem nimmt sich das Spiel mit Blutfontänen, rollenden Schädeln und der Möglichkeit, die eigene Ausstattung unserer nackten Barbaren zu bestimmen selbst nicht so ernst. Das Craften, Bauen und Erkunden macht Spaß und kann gerade am Anfang viele Stunden fressen. Trotzdem bleibt die Langzeitmotivation ein Problem des Spiels. Hat man erst einmal seine erste Basis gebaut und sich ein paar Sklaven gefangen, wird es häufig mühsam, die vielen Rohstoffe zu sammeln, die verbesserte Ausrüstung und Bauwerke benötigen.
Das Spiel befindet sich eben auch noch im Early Access, was bedeutet, dass man häufig an Ruinen oder Steintafeln vorbei kommt, denen aber noch keine Inhalte zugewiesen sind. Storytechnisch könnte der Titel also noch zulegen.

Ein großer Pluspunkt ist, dass man ganz nach seinen Wünschen spielen kann. So hat man die Möglichkeit, in einer kleinen Gruppe ganz entspannt zu bauen und die Welt zu erkunden. Wer es anspruchsvoller mag, stürzt sich in die PvP-Schlacht. Insgesamt gehört Conan Exiles auf jeden Fall zu den Top-Titeln des Survival-Genres und wir sind gespannt, wie die finale Version am Ende aussehen wird.

Positiv

  • Atmosphärische Gesamtpräsentation
  • Große Spielwelt
  • Viel Freiheit beim kreativen Bauen

Negativ

  • Langzeitmotivation lässt zu wünschen übrig
  • Storyteil ist noch ausbaufähig
80
Stephanie Walter

Geschrieben von: Stephanie Walter

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  1. Revilo-Mit 2. Oktober 2017 | Antworten
    Story gehört definitiv noch mehr ins Spiel. Ich habe Conan im Februar gespielt und gefühlt alles erreicht.Trotz neuer Region zieht es mich derzeit nicht zurück, besonders da ich mir aktuell den mühsamen Aufbau nicht erneut geben möchte. Vielleicht im Winter, vors Barbarenfeuer kuscheln und weiter auf Steine und Bäume eindreschen...

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Neueste Kommentare

  • Tim-Oliver Siegwart Tim-Oliver Siegwart: Black Flag hat mich von der Story her nicht packen können, hatte mir mehr erwartet und das Gameplay war damals einfach nichts für mich. Ist ja aber immer so, wenn in/an einer Serie was geändert wird, gibt es immer unterschiedliche Meinungen.
  • Daniel Walter Daniel: Ich war immer ein Fan der alten Herangehensweise und vermisse es daher im neuen Teil ein wenig. Trotzdem ist Origins wirklich gut, auch wenn es nicht an meine Favoriten AC 2 und AC Black Flag heranreicht.
  • Tim-Oliver Siegwart Tim-Oliver Siegwart: Die Neuausrichtung gefällt mir sehr gut. Die Architektur ist wunderschön und die Story gut gemacht. Auch die vielen Nebenquests und jetzt mit Level 40 die Community Events sind super. Das ewige geklettere und Dauerblocken aus den Vorgängern war einfach idiotisch, finde das jetzt überzeugender.